TIROLER TAGESZEITUNG, Leitartikel: "Bitte nicht schmollen!", von Florian Madl

Ausgabe vom 10. Juli 2015

Innsbruck (OTS) - Die Verantwortlichen in St. Anton/Arlberg könnten sich nach dem geplatzten Traum von einer alpinen Ski-Weltmeisterschaft 2023 im Winkel verkriechen. Eben das würde der Gemeinde und dem Bundesland allerdings nicht gerecht.

Der Ärger ist nachvollziehbar. Die Landesskipräsidenten hatten sich gestern mit Ausnahme von Wien und Vorarlberg gegen St. Anton/Arlberg formiert, um Saalbach zum nächsten österreichischen Bewerber für eine alpine Ski-WM zu ernennen. Auf Basis des Kriterienkatalogs scheint die Entscheidung zumindest hinterfragenswert, ein schlüssiges Finanzierungskonzept der Pinzgauer fehlt ebenso wie ein auf Nachhaltigkeit setzendes Infrastrukturmodell. Die Salzburger werden dem Werbefeldzug nun Taten folgen lassen müssen, denn spätestens seit der kostenintensiven Ski-Weltmeisterschaft 2013 in Schladming ist die Öffentlichkeit hellhörig, wenn sie nach Spar-Schwüren plötzlich zur Kasse gebeten wird.
Doch die Verantwortlichen in St. Anton dürfen ebenso wenig wie jene in Tirol den Fehler machen, das gemeinsame Vorgehen der sechs Bundesländer als negative Sympathiebekundung zu werten. Vielmehr werden wohl eine mündliche Zusage aus dem Jahr 2008, die aktuelle Vormachtstellung der beiden Salzburger Marcel Hirscher und Anna Fenninger sowie der dichte Tiroler Terminkalender der vergangenen und kommenden Jahre den Ausschlag gegeben haben. Tirol trat und tritt jahreszeitenübergreifend als Ausrichter zahlreicher Großveranstaltungen auf, unter denen die alpine Ski-WM nur als eine von vielen gilt: Weltmeisterschaften im Biathlon, Klettern, Kunstbahnrodeln, Bobfahren, dazu die nordische Ski-Weltmeisterschaft, die Children’s Games, Handball-Länderspiele - im heimischen Sport konnte sich kein Land ähnlich positionieren wie das selbsternannte Sportland Nummer eins. Das punktet mit Organisation, Gastronomie und Authentizität der Bevölkerung. Eben hier könnten die Ideenspender allerdings auch den Hebel ansetzen, denn abseits der Sportereignisse bedarf es auch allerhand Sportstätten, um den Tirolern die Ausübung zu ermöglichen. Von der Fußball-EURO 2008 blieb ein mickriger Kunstrasenplatz, über Eisflächen wird seit Jahren diskutiert und gestritten.
Die Gemeinde St. Anton tut nach der gestrigen Wahl-Niederlage gut daran, sich aufzurichten, mit der Ski-WM 2001 legte man die Messlatte ohnehin in schwindelerregende Höhen. Und mit regelmäßigen Auftritten im Ski-Weltcup kann die Gemeinde das drohende Loch nach der verpassten Ski-WM 2023 verhindern. Nicht vergessen: Branchenprimus Kitzbühel verzichtet auf diese Ehre gerne.

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