• 07.07.2015, 12:51:56
  • /
  • OTS0145 OTW0145

Schmidt/Laimer: Frauen: Wir sind, wie wir sind - mit Selbstbewusstsein durchs Leben

SPÖ-Frauen starten Sommeraktion zu Schönheitswahn und Selbstbestimmung

Utl.: SPÖ-Frauen starten Sommeraktion zu Schönheitswahn und
Selbstbestimmung =

St. Pölten (OTS) - Idealbilder von Schönheit und perfektes Aussehen
werden in Medien und in Casting-Shows propagiert und die Bedeutung
von gutem Aussehen hochstilisiert. Durch Schönheit, Jugendlichkeit
und dem perfekten Körper wird das Leben erfolgreicher, leichter und
schöner - wird suggeriert. Retuschierte Fotos tun ein Übriges dazu
und zeigen Menschen, die es in der Realität gar nicht gibt. "So ist
es nicht verwunderlich, dass viele Mädchen und Frauen mit ihrem
Körper nicht zufrieden sind. Doch gibt es weder Perfektion noch ist
Erfolg mit Schönheit gekoppelt. Essstörungen und
Schönheitsoperationen gehören damit zum Alltag", so SPÖ NÖ
Landesfrauenvorsitzende Elvira Schmidt: "Mädchen und Frauen sollen
sich in ihrem Körper wohl fühlen. In der Sommeraktion ‚Mein
Körper.Selbst.Bestimmt.‘ greifen die SPÖ-Frauen das Thema
selbstbestimmte Körperlichkeit auf. Ziel ist es, Frauen zu
vermitteln, dass sie genauso ‚passen‘ wie sie sind. Wir wollen
selbstbewusste Menschen mit einem gesunden Körpergefühl", so Schmidt.
In einer informellen Umfrage werden bis Mitte September Frauen in
ganz Österreich zu Maßnahmen, die ein gesundes Körpergefühl fördern,
befragt.

Essstörungen nehmen bei allen Bevölkerungsgruppen zu. Im
Frauengesundheitsbericht 2010/11 wird die Anzahl der stationären
Aufenthalte angeführt. "Diese Zahlen geben allerdings nur die ‚Spitze
des Eisbergs‘ an, da nur die schweren Erkrankungen erfasst werden.
Während 1998 1.520 Personen (90 Prozent davon Frauen) in Österreich
infolge von Essstörungen stationär aufgenommen werden mussten, war
dies 2008 bei 2.734 Personen (zu 90 Prozent Frauen) österreichweit
erforderlich. Dies entspricht einer Steigerung in zehn Jahren von
knapp 80 Prozent", so Schmidt.

Das Frauenbarometer zum Thema Frauengesundheit von Herbst 2014 weist
aus, dass eine große Mehrheit der ÖsterreicherInnen für Maßnahmen
ist, die das Körpergefühl und Selbstbewusstsein von Frauen fördern,
weiß Schmidt: "82 Prozent der ÖsterreicherInnen sprechen sich etwa
für eine Kennzeichnungspflicht von nachträglich retuschierten
Werbefotos aus. 77 Prozent wollen, dass Schaufensterpuppen den
menschlichen Körper realistischer darstellen als bisher. Sehr stark
befürwortet wird auch eine Untergrenze für das Körpergewicht von
Models: 87 Prozent der Befragen halten diese Maßnahme für ‚sehr
geeignet‘ oder ‚geeignet‘, um das Körpergefühl und Selbstbewusstsein
von Frauen zu fördern."

Sexuelle Belästigung ist kein Kavaliers-Delikt
Fast jede sechste Frau in Österreich hat seit ihrem 15. Lebensjahr
körperliche sexuelle Belästigung (unerwünschte Berührungen,
Umarmungen oder Küssen)
erlebt (15Prozent), EU-weit sogar fast jede Dritte (29 Prozent). "Wir
wollen mit dieser Aktion auch darauf aufmerksam machen, dass sexuelle
Belästigung kein Kavaliersdelikt ist. Denn auch der Schutz der
sexuellen Integrität ist ein wichtiger Teil selbstbestimmter
Körperlichkeit", sagt SPÖ NÖ Landesgeschäftsführer Robert Laimer:
"Bei der Debatte um sexuelle Belästigung geht es auch um die Ausübung
von Macht, um Grenzüberschreitung und Selbstbestätigung auf Kosten
von Frauen. Noch immer nehmen sich manche Männer Dinge heraus, die
völlig inakzeptabel sind und haben dabei offensichtlich kein
Unrechtsbewusstsein. Sie betrachten Frauen als Objekte, nicht als
gleichwertige Menschen." Laimer weist darauf hin, dass auch die
zunehmende Verrohung der Sprache und daraus resultierende
Respektlosigkeiten in diesem Zusammenhang immer öfter bemerkbar
werden. Dazu sind Po-Grapschen, unerwünschte Berührungen und
unerwünschte Küsse ganz klar als sexuelle Belästigung zu beurteilen.
Es kann nicht sein, dass die Täter ungestraft bleiben.

Maßnahmen für ein gesundes Körperbewusstsein
Bereits jedes zweite Mädchen und jede zweite Frau fühlt sich zu dick.
Schon 13-jährige beginnen mit Hungerkuren und auch
Schönheitsoperationen nehmen zu. Demgegenüber steht ein völlig
unrealistisches Schönheitsideal, das von der Schönheitsindustrie
vorgegeben wird. "Wir wollen mit möglichst vielen Frauen und Männern
ins Gespräch kommen und darüber diskutieren, wie ein gesundes und
realistisches Schönheitsideal am besten gefördert wird", sagt Laimer,
der darauf aufmerksam macht, dass Frauenministerin Gabriele
Heinisch-Hosek in diesem Zusammenhang eine Kennzeichnungspflicht bei
stark bearbeiteten Werbefotos und eine Gewerbeordnung vorgeschlagen
hat, die Modelagenturen die Anstellung von Frauen und Männern unter
einem bestimmten Body-Mass-Index untersagt. Entsprechende Gesetze
gibt es dazu beispielsweise in Frankreich, Spanien und Israel.

"Zur Anzahl der Betroffenen liegen für Österreich keine fundierten
epidemiologischen Studien vor, weshalb wir uns auf Schätzungen aus
der Literatur beziehen müssen", sagt Dr. Lisa Tomaschek-Habrina, die
Leiterin des Beratungs- und Therapiezentrums sowhat und erklärt, dass
schätzungsweise jede zwölfte Österreicherin eine Essstörung hat: Fest
steht auch, dass die Essstörungen Anorexie und Bulimie Störungen
sind, die primär Frauen betreffen (90 bis 95 Prozent).

Übertragen auf Niederösterreich bedeutet dies, dass zwischen 1.134
und 2.269 der Mädchen und Frauen dieser Altersgruppe an Anorexie
leiden. Die Schätzungen hinsichtlich Bulimie liegen zwischen zwei und
vier Prozent; damit wären in Niederösterreich zwischen 4.538 und
9.076 Mädchen und Frauen von Bulimie betroffen. In Niederösterreich
sind demnach geschätzte 5.672 bis 11.345 Mädchen und junge Frauen von
einer Essstörung (Anorexie und Bulimie) betroffen. Diese Schätzungen
berücksichtigen nicht die betroffenen Burschen und Männer (fünf bis
zehn Prozent der Gesamtzahl der Betroffenen sind männlich) sowie die
subklinischen Essstörungen sowie die Binge Eating Disorder (=
wiederholte Essattacken ohne kompensatorische Maßnahmen).

Letztere können zu Gewichtsproblemen bzw. Adipositas führen und
kommen annähernd gleich häufig bei Frauen und Männern vor. Es wird
geschätzt, dass in der Allgemeinbevölkerung zwischen 0,7 bis 3,3
Prozent an einer Binge Eating Disorder leiden. In Niederösterreich
wären demnach zu einem beliebigen Zeitpunkt zwischen 11.098 und
52.321 Menschen von einer Binge Eating Essstörung betroffen.

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT | NSN

Bei Facebook teilen.
Bei X teilen.
Bei LinkedIn teilen.
Bei Xing teilen.
Bei Bluesky teilen

Stichworte

Channel