Industrie zu Griechenland: EU muss Leadership zeigen

IV-GS Neumayer: Lage so rasch wie möglich stabilisieren – Warnung vor weiterem Populismus – Mythos vom „Kaputtsparen“ wird auch durch ständige Wiederholung nicht wahrer

Wien (OTS) - "Das Votum in Griechenland ist zur Kenntnis zu nehmen. Die Institutionen der Europäischen Union müssen nun mehr denn je entschlossenes Leadership zeigen - es muss uns gemeinsam möglichst rasch gelingen, die nunmehr völlig verfahrene Situation zu lösen und die Lage zu stabilisieren. Weitere Unterstützungsschritte kann es nur im Gegenzug für hochnotwendige strukturelle Reformen geben", so der Generalsekretär der Industriellenvereinigung (IV), Mag. Christoph Neumayer, heute, Montag, in einer ersten Reaktion auf den Ausgang des Referendums in Griechenland. Dabei sei einmal mehr vor ausuferndem Populismus zu warnen, Griechenland habe in den vergangenen Monaten viel an Vertrauen verloren, so Neumayer: "In der europäischen Gemeinschaft allgemein geltende und essenzielle Spielregeln sind einzuhalten. Nur unter dieser Bedingung kann Solidarität auch nachvollziehbar stattfinden. Die Debatten der vergangenen Monate haben sich sukzessive so weit aufgeschaukelt, dass von sachlicher Argumentation zuletzt wenig zu hören war. Die aktuellen Herausforderungen brauchen nun eine kühle Sachpolitik, nicht das Ausspielen von Ländern und deren Bevölkerung gegeneinander. Denn das Referendum ändert nichts an den signifikanten strukturellen Problemen Griechenlands."

Griechenland wurde nicht kaputtgespart

Mehr Sachlichkeit sei auch all jenen angeraten, die in Europa und Österreich das Votum der Griechen als "gerechten Aufstand gegen die Austerität und den Neoliberalismus" bejubeln, wie der IV-Generalsekretär betonte: "Griechenland wurde nicht kaputtgespart -das Land hat sich im Grunde in diese Krise hineinkonsumiert. Das billige Geld in Folge des Euro-Beitritts des Landes 2001 wurde nicht genutzt, um nachhaltige Strukturen im Land aufzubauen. Stattdessen wurden der Beamtenapparat im Speziellen sowie das öffentliche Budget im Allgemeinen unverhältnismäßig aufgeblasen. Diese Politik war aber eben nur auf Schulden, und damit auf Sand gebaut." So stieg die Verschuldung Griechenlands im Zeitraum von 2001 bis 2007 bereits von 68 Mrd. auf 214 Mrd. Euro, so Neumayer: "Dies geschah noch vor der Krise. Im Jahr 2014 lag der griechische Gesamtkonsum laut ifo-Institut im privaten und öffentlichen Sektor bei knapp 114 Prozent des Nettonationaleinkommens. Der Mythos vom ‚Kaputtsparen‘ wird auch durch ständiges Wiederholen nicht wahrer." Die Lehre aus der Entwicklung Griechenlands sei klar: "Man darf niemals die eigene Wettbewerbsfähigkeit aus den Augen verlieren. Ansonsten kann eine Spirale nach unten sehr schnell zum Teufelskreis ohne Ausweg werden", so Neumayer.

Rückfragen & Kontakt:

IV-Newsroom
+43 (1) 711 35-2306
info@iv-newsroom.at
www.iv-net.at/medien

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | NPI0001