„kreuz und quer“ am 7. Juli: „Die sexuelle Revolution“ und „Finsternis über Ägypten“

Wien (OTS) - Nicht erst in den 1960er Jahren, sondern bereits zu Beginn der Neuzeit erschütterte eine sexuelle Revolution die westliche Gesellschaft. Dies dokumentiert der zweite Teil des BBC-Dreiteilers "Das Christentum und die Sexualität", den "kreuz und quer" - präsentiert von Doris Appel - am Dienstag, dem 7. Juli 2015, um 22.35 Uhr in ORF 2 zeigt. Der dritte Teil der von Diarmaid MacCulloch präsentierten Dokureihe - "Sex und Co in der Moderne" -folgt am 14. Juli.

Die zweite Folge der dreiteiligen Reihe "Die biblischen Plagen" von Gabriele Wengler und Sandra Papadopoulos beschäftigt sich danach ab 23.25 Uhr mit der "Finsternis über Ägypten". Die dritte und letzte Folge - "Flucht aus dem Pharaonenreich" - steht am 14. Juli auf dem Programm.

"Das Christentum und die Sexualität" - Teil 2: "Die sexuelle Revolution"

Ab dem 11. Jahrhundert gewinnt die Kirche zunehmend Einfluss auf verschiedene Bereiche der Lebensgestaltung. Bei ihrer Machtausübung auch auf intime Bereiche des Lebens ist die Ehe ist ein zentrales Instrument. "Bis dahin konnte ein Paar heiraten, wann immer es wollte. Das mündliche Eheversprechen musste lediglich durch den Geschlechtsakt besiegelt werden", erklärt Kirchenhistoriker Diarmaid MacCulloch: "Doch im Jahre 1073 wurde Gregor der Siebte zum Papst gewählt. Er hatte seine eigenen Vorstellungen von christlicher Moral. Die Ehe spielte darin eine zentrale Rolle." Ab Ende des 12. Jahrhunderts wird die kirchlich-sakramentale Ehe zur verpflichtenden Norm, die nicht zuletzt dem Papst großen Einfluss auf den Adel und seine Heiratspolitik ermöglicht.

Doch mehr und mehr wird selbst der eheliche Geschlechtsverkehr als sündig gebrandmarkt, der seine Legitimation einzig zur Zeugung von Nachkommenschaft habe. Diese negative Sicht der Sexualität führt dazu, dass die mönchische Enthaltsamkeit zum Ideal auch für den gesamten Weltklerus erklärt wird: Zur zölibatären Lebensform müssen sich fortan alle Priester verpflichten.

Martin Luther und die Reformation stellen dem schließlich eine ganz andere Botschaft gegenüber: Sex ist keine Sünde, Sex ist vielmehr und gerade in der Ehe erstrebenswert und positiv. Doch die radikale Antwort der Kirche lässt nicht lange auf sich warten. Die Gegenreformation sorgt dafür, dass gute Katholiken den Geschlechtsverkehr wieder als Sünde wahrnehmen. Und Europa verschwindet schließlich im katastrophalen Strudel der Hexenverfolgung.

"Die biblischen Plagen" - Teil 2: "Finsternis über Ägypten"

Schon lange versuchen Naturwissenschafter zu beweisen: Neun der Zehn Plagen, die das Alte Testament schildert, verweisen auf eine gravierende Klimakatastrophe, die eine ökologische Kettenreaktion auslöste. Abseits theologischer Betrachtungen untersuchen Gelehrte auf der ganzen Welt immer wieder die einzelnen Phänomene und bemühen sich, die Ursache des biblischen Desasters aufzudecken. Dabei steht für sie fest: Das Wüten der Natur muss furchterregende Ausmaße angenommen haben. Uralte Papyri zeugen vom Schreckensszenario, das die Ökonomie Ägyptens bis in die Grundfesten erschütterte und sich tief ins Gedächtnis der Menschen brannte. Auch die Verfasser des Alten Testaments kannten die Plagenstory aus dem Nachbarland. Immerhin bestanden zwischen Kanaan und dem Pharaonenreich über viele Jahrhunderte enge Kontakte. Als "Zorn Gottes" hielten die Ereignisse Einzug in das 2. Buch Moses. Sie bildeten den Auftakt für den Exodus, den Aufbruch des Volkes Israel in die neue Heimat.

Die meisten Paläoklimatologen gehen inzwischen davon aus, dass massive Feucht- und Trockenphasen dem Alten Ägypten zu schaffen machten. Mehrere Male in der langen Geschichte der Hochkultur führten plötzliche Wettereinbrüche zu extremen Dürren und Hochwasser mit verheerenden Auswirkungen. Der Nil wurde zum Seuchenherd, der zunächst Fische und Frösche verenden ließ. Die feucht-schwüle Witterung lockte Schwärme von Ungeziefer an, die Krankheiten auf Mensch und Tier übertrugen. Atmosphärische Anomalien beschworen Hagelstürme herauf, die eine Schneise der Zerstörung hinterließen. Geschwader von Heuschrecken besorgten schließlich den Rest. Zurück blieb gähnende Ödnis, über die der heiße Chamsin hinwegstürmte, und die Hoffnung der Ägypter, dass sich der Leben spendende Nil wieder erholt.

Im Jahr 2003 brachte ein einzigartiger Fund neue Bewegung in die Ursachenforschung der Plagen. Etwa 800 Kilometer nördlich von Ägypten entdeckten Geologen auf der Kykladeninsel Santorin den verkohlten Ast eines Olivenbaums. Er steckte inmitten einer der steilen Bimssteinwände unweit der Stadt Akrotiri. Der einstige Handelsplatz der Minoer versank vor mehr als 3.500 Jahren nach einem gewaltigen Vulkanausbruch. Das etwa ein Meter lange Holzstück ist offensichtlich ein Überbleibsel der Eruption. Die erste Analyse ergab: Die Pflanze wurde in Lebendposition in glühend heißem Gesteinsschaum begraben. Das heißt: Sie starb exakt zum Zeitpunkt des Ausbruchs. In einem aufwändigen Verfahren konnten Paläobotaniker sogar den Todeszeitraum des Baumes bestimmen und damit auch, wann der Vulkan auf Santorin explodierte. Mit einer Wahrscheinlichkeit von über 95 Prozent ereignete sich das Naturschauspiel zwischen 1620 und 1600 vor Christus. Ein Resultat, das seither weltweit für Aufsehen sorgt, weil es der bislang anerkannten Datierung zwischen 1530 und 1500 vor Christus widerspricht.

Detaillierte Klimakurven, die im Institut für Umweltphysik der Heidelberger Akademie für Wissenschaften erstellt wurden, bestätigen das sensationelle Ergebnis. Für den zeitlichen Rahmen konnte in Ägypten ein auffälliger Temperaturrückgang diagnostiziert werden. Dass das einstige Pharaonenreich von den Auswirkungen des Vulkans betroffen war, dafür sprechen auch riesige Mengen von Bimsstein in der Hyksos-Hochburg Auaris, die nachweislich aus Santorin stammen. Der luftige Tuff schwamm mit dem Wind übers Meer bis an die Nordküste Ägyptens. Dort sammelten ihn die Einheimischen ein, da sich das Material ausgezeichnet als Schleif- und Poliermittel eignete. Nicht zuletzt untermauern auch winzige Aschepartikel in Brackwasserseen und vertrockneten Flussbetten der Nilseitenarme den Befund der Geologen von der Universität Aarhus.

Die Studie ließ den Biologen Dr. Siro Trevisanato hellhörig werden. Bei seiner Arbeit an medizinischen Papyri aus der mittleren und späten Bronzezeit stieß der Kanadier auf eine Reihe von Rezepturen gegen schwere Verätzungen und weiße Brandblasen. Die beschriebenen Wunden, die durch "rotes Wasser" entstanden waren, durften ausdrücklich nicht ausgewaschen werden. Vielmehr entwickelten die Ärzte des Altertums alkalische Mixturen aus Harz als wirksame Gegenmaßnahme. Lange wusste sich der Wissenschafter keine Erklärung für die merkwürdigen Verletzungen. Die Verwendung von Säuren ist eine Erfindung der Industrialisierung, im Alten Ägypten gab es für derartige Wundbefunde keinen einzigen bekannten Verursacher. Das einzige Ereignis, das sich nachweislich auf das Nilland auswirkte, war der Ausbruch von Santorin. Er brachte nicht nur sauren Regen, sondern auch toxische Substanzen ins Reich der Sonne. Durch diese Erkenntnis sah sich Trevisanato plötzlich mit dem Auslöser der Plagen konfrontiert. In einem wissenschaftlichen Kraftakt wagte sich der Biologe an die Rekonstruktion des biblischen Szenarios und legte verblüffende Erkenntnisse vor. Seine Theorie ist bislang die einzige, die das Gesamtphänomen nachvollziehbar mit einem konkreten historischen Naturereignis in Zusammenhang bringt.

"kreuz und quer" ist nach der TV-Ausstrahlung sieben Tage auf der Video-Plattform ORF-TVthek (http://TVthek.ORF.at) als Video-on-Demand abrufbar und wird auch als Live-Stream angeboten.

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