Mayer: „Wir können auf Medizin-Absolventen nicht verzichten“

Weichen für bessere Gehälter und Ausbildung sind gestellt – Spitalsärztevertreter fordern rasche Umsetzung, um hoher Drop Out Quote entgegenzuwirken.

Wien (OTS) - Das Interesse am Medizinstudium ist groß - trotzdem sind Ärzte Mangelware. Denn immer mehr Medizin-Absolventen entscheiden sich für eine andere Karriere oder einen Arbeitsplatz außerhalb von Österreich. "Die Verantwortlichen sind gefordert, alles dafür zu tun, um diesen Trend zu stoppen", sagt Dr. Harald Mayer, Spitalsärzte-Obmann der Österreichischen Ärztekammer.

Rund 11.400 junge Menschen stellten sich am Freitag dem Aufnahmeverfahren für das Medizinstudium an einer der vier öffentlichen Medizinuniversitäten in Österreich. Nur 1.560 werden einen Studienplatz erhalten - 75 Prozent davon haben in Österreich maturiert, 20 Prozent in einem anderen EU-Land, der Rest außerhalb der EU. Der Trend der vergangenen zehn Jahre legt nahe, dass die Anzahl jener Medizin-Studierenden, die das Studium tatsächlich beenden und in Österreich zu arbeiten beginnen, auch in Zukunft bedeutend niedriger sein wird. Die Anzahl von Medizinern aus dem Ausland, die sich für eine Karriere in Österreich entscheiden, ist im Vergleich dazu verschwindend gering und kann keine Kompensation für die fehlenden Ärzte darstellen.

Drop Out Quote steigt
"Die Drop-Out-Quote - also der Anteil jener Medizinabsolventen, die nie in Österreich als Mediziner zu arbeiten beginnen - ist rasant gestiegen", informiert Harald Mayer. Waren es im Studienjahr 2005/2006 noch gut 17 Prozent der Medizin-Absolventen, so haben im Studienjahr 2011/2012 bereits fast 30% der Absolventen eine Karriere in einem anderen Berufsfeld oder im Ausland gewählt. Auch nach dem Berufseinstieg entscheiden sich immer mehr Ärztinnen und Ärzte für einen Wechsel in einen anderen Beruf oder ins Ausland.

Angesichts der ohnehin schwierigen Situation aufgrund des Ärztemangels sieht Mayer dringenden Handlungsbedarf: "Die Politik ist gefordert, die Rahmenbedingungen für die Ärztinnen und Ärzte so zu gestalten, dass sie im System bleiben. Bezüglich Krankenanstalten-Arbeitszeitgesetz (KA-AZG) und Entlohnung wurden ja bereits entscheidende Weichen gestellt. Nun bleibt zu hoffen, dass diese Maßnahmen sehr rasch so umgesetzt werden, dass sich in Zukunft wieder mehr Medizin-Absolventen dafür entscheiden, in Österreich als Ärztinnen und Ärzte zu arbeiten. Unser Gesundheitssystem kann es sich schlichtweg nicht leisten, auf diese qualifizierten und gut ausgebildeten Jungmediziner zu verzichten!"

Ausbildungsordnung neu mit Leben erfüllen
Dr. Karlheinz Kornhäusl, Turnusärztevertreter der Österreichischen Ärztekammer, setzt große Hoffnung auf die reformierte Ausbildungsordnung, die seit 1. Juni 2015 in Kraft ist: "Damit ist der Grundstein für eine Ausbildung gelegt, die den internationalen Vergleich nicht zu scheuen braucht. Nun gilt es, diese neue Ausbildungsordnung mit Leben zu erfüllen. Insbesondere muss gewährleistet sein, dass die nötigen Personalressourcen zur Verfügung stehen. Eine qualitativ hochwertige Ausbildung braucht Zeit - sowohl für jene, die ausbilden als auch für die Auszubildenden. Ich bin überzeugt davon, dass es so gelingen kann, mehr Medizin-Absolventen in Österreich zu halten." (ssa)

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