Österreichs Tourismus trotzt widrigen Umständen

Mahrer berichtet über Rekordwinter und gute Buchungslage im Sommer

Wien (PK) - Der Tourismus war im vergangenen Jahr einmal mehr eine "Stütze der heimischen Wirtschaft". Trotz ungünstiger Rahmenbedingungen stieg die Gästezahl, gemessen an den Ankünften, mit 37,6 Millionen auf einen neuen Rekordwert. Nicht zuletzt dank einer signifikanten Zunahme von TouristInnen aus Zentral- und Osteuropa und des fortdauernden Booms im Städtetourismus. Der BIP-Anteil des Tourismus lag bei 7,7%, 200.000 Menschen fanden in der Branche Arbeit. Grund genug für die Bundesrätinnen und Bundesräte, auch in der heutigen Plenarsitzung der Länderkammer die Bedeutung dieses Wirtschaftszweigs zu betonen.

Die weltweit ungünstige Wirtschaftslage hinterließ auch im österreichischen Tourismus ihre Spuren, wie der Tourismusbericht 2014 aufzeigt. Im Vorjahr verzeichnete demnach die heimische Tourismuswirtschaft mit einem realen Umsatz von 20,4 Mrd. € Einbußen von 2,1% im Vergleich zu 2013. Die Zahl an Übernachtungen nahm um 0,6% ab, wobei die Nachfrage bei ausländischen BesucherInnen stärker zurückging (-0,7%) als bei inländischen Gästen (-0,3%). Neben einer "Kaufzurückhaltung" bei TouristInnen als Folge der labilen gesamtwirtschaftlichen Entwicklung werden im Bericht die schwächelnde Nachfrage im Qualitätstourismus und wetterbedingte Nachteile wie Schneemangel und verregnete Sommermonate als zusätzliche negative Impulse angeführt. - Der zeitnah vorgelegte Bericht wurde nach viel Lob aus allen Fraktionen für die übersichtliche und informative Gestaltung mit Mehrheit zur Kenntnis genommen.

Reinhard Pisec (F/W) bedauerte, dass der immer noch respektabel hohe Anteil Österreichs am weltweiten Tourismusmarkt seit 2009 sinke und hielt die geplante Erhöhung der Mehrwertsteuer für Beherbergungsdienstleistungen als ein falsches Signal an die Branche. Lob spendete Pisec der Österreich Werbung, die das heimische Tourismusangebot international hervorragend vermarkte. An dieser Stelle unterstrich Pisec die enorme Bedeutung des kulturellen Erbes für die Attraktivität des Tourismusstandorts und warf der rot-grünen Stadtregierung Wiens vor, bei vielen Bauprojekten zu wenig Rücksicht auf die kulturellen Traditionen der Stadt zu nehmen.

Anneliese Junker (V/T) ging auf die Entwicklung zu immer kürzeren Urlauben ein und unterstrich die Bedeutung gezielter Investitionen in spezielle Tourismusangebote. Tirol etwa investiere unter dem Titel "Bergsommer" in den Sommertourismus und werbe um Familien und RadfahrerInnen. Bei aller Nachhaltigkeit könne der Sommertourismus auf Bergbahnen nicht verzichten, sagte die Rednerin in Richtung der Grünen und machte darauf aufmerksam, dass es ohne Tourismus in vielen Tälern keine Arbeitsplätze, kein Handwerk und keinen Handel gäbe.

Gerhard Dörfler (F/K) sah es positiv, dass der Bericht auf Probleme der Tourismuswirtschaft eingehe. Dass der Branche derzeit die Investitionen fehlten, liege daran, dass die Kostenentwicklung den Betrieben die Investitionskraft nehme. Betroffen sei auch das Bau-und Baunebengewerbe, das auf Aufträge aus der Tourismusbranche angewiesen sei. Auch Dörfler zeigte sich besorgt wegen des rückläufigen Anteils am internationalen Tourismusmarkt. So erfreulich die touristische Entwicklung Wiens sei, die Probleme des ländlichen Raums betreffen auch den Tourismus. Dabei unterstrich Dörfler das Recht des Tourismus, die Landschaft zu nutzen, auch für Schipisten. Schädlich für Tourismus und Gastronomie habe sich die Antiraucher-Gesetzgebung, die Erhöhung der Mehrwertsteuer und eine überbordende Anti-Allergen-Bürokratie erwiesen. Zu befürchten sei auch, dass die Betriebe die Mehrwertsteuererhöhung nicht am Markt unterbringen werden. Als ein falsches Signal an die Gastronomen wertete Dörfler auch die Einführung der Registrierkassen: Die Wirte sind keine Strizzis, die schwarze Umsätze machen, schloss Dörfler.

Günther Novak (S/K) entgegnete seinem Vorredner, er würde auf hohem Niveau jammern. Nächtigungszahlen seien ein wenig aussagekräftiges Kriterium bei der Bewertung für die Entwicklung des Tourismus. Wichtiger sei die Wertschöpfung. Erfolgsgaranten für den Tourismus seien Spezialisierung und Qualität, sagte Novak und nannte als Beispiele den Fahrrad- und Gesundheitstourismus, die sich beide erfolgreich entwickelten. Die Branche sei auf einem guten Weg, wenn sie weiter investiere, werde sich der Österreich-Tourismus gut weiterentwickeln.

Marco Schreuder (G/W) kam auf die Abhängigkeit des Tourismus von internationalen Entwicklungen zu sprechen, wie sie sich aktuell an den Auswirkungen des Russland-Ukraine-Konflikts auf Österreich ablesen lasse. Erfreulicherweise gelinge es, Verluste bei Gästen aus Russland durch mehr Besucher aus Deutschland, USA und China zu kompensieren. Wichtig sei der liberale Arbeitsmarkt in Europa, ohne den die Betriebe nicht mehr arbeiten könnten. Eine intakte alpine Natur müsse erhalten bleiben, sagte Schreuder und erinnerte an das traurige Bild, das viele Wintersportgebiete im Sommer abgeben. Als Tourismusmotoren sah Schreuder den Städte- und Gesundheitstourismus und übte Kritik an der schleppenden Entwicklung der Fahrradmitnahme bei den ÖBB. Und das Radwegenetz brauche endlich eine bundesweite Regelung, schloss Schreuder.

Walter Temmel (V/B) beleuchtete die Entwicklung des Tourismus aus der Sicht der Burgenlandes, wo Fortschritte bei der Förderung nachhaltiger Mobilitätsangebote erzielt wurden. Dabei hob auch Temmel die Bedeutung des Radtourismus sowie des Gesundheitstourismus hervor und unterstrich den Wein als wichtigen Werbeträger seines Bundeslandes, im Südburgenlandes vor allem auch der Uhudler, eine Rebsorte, die ohne Pflanzenschutz auskomme.

Stefan Schennach (S/W) wies auf die besondere Verletzlichkeit des Tourismus hin, vor allem wenn er so sehr spezialisiert und vom Wetter abhängig sei wie in Österreich. Der Ausfall russischer Gäste schmerze, weil die Wertschöpfung bei diesen Gästen besonders groß sei. Erfreulicherweise gelinge es aber, diesen Ausfall durch Zuwächse bei Gästen aus den Nachbarländern zu kompensieren. Schennach forderte Erleichterungen bei Visa-Erteilungen, um Gruppenreisen aus Asien besser zu ermöglichen. Für problematisch hielt Schennach die Zunahme geringfügiger Beschäftigungen in der Branche und die Weigerung vieler Hoteliers-Kinder, die Betriebe ihrer Eltern zu übernehmen. Eine Großstadt wie Wien brauche moderne Architektur, sagte Schennach, man könne sie nicht unter eine Käseglocke stellen, wie dies Bundesrat Pisec vorschlage.

Staatssekretär Harald Mahrer empfahl den Bundesräten, die Zahlen des Berichts differenziert und längerfristig zu betrachten. Die Weltmarktvergleiche würden durch neue Mitbewerber - China, Indien und Indonesien - verzerrt. Tatsächlich habe die touristische Wertschöpfung stark zugenommen und das Wachstum der Branche liege über dem Durchschnitt der Volkswirtschaft, was sehr erfreulich sei. Einen Nächtigungsrekord etwa habe die letzte Wintersaison verzeichnet. Österreich sei ein spezialisiertes Wintertourismusland, dessen Sommersaison sich erfreulich entwickle. Probleme bereiteten allerdings die Zwischensaisonen. Die Vorbuchungslage für den Sommer sei gut, der Songcontest sei eine wunderbare Werbung für Österreich gewesen und auf der Expo in Mailand sei Österreich mit dem besten Pavillon vertreten und mache Lust auf einen Österreich-Besuch. Die Alpenraumstrategie sei fertig und werde umgesetzt, sagte Mahrer und versprach, sich für die Verbesserung der Fahrradmitnahme bei den ÖBB einzusetzen.

Lehrlingsausbildung wird attraktiver

Schließlich passierte die Novelle zum Berufsausbildungsgesetz den Bundesrat mit Mehrheit. Rechtliche Neuerungen für eine attraktive, praxisorientierte Lehrausbildung, neue Ausbildungsangebote erleichtern benachteiligten Jugendlichen den Erwerb von Abschlüssen auf der Sekundarstufe II. Unternehmen können in Ausbildungsprojekten zusammenwirken. Außerdem wird das Qualitätsmanagement ausgebaut und der Weg zum Lehrabschluss mit Matura erleichtert.

Zur Einleitung der Debatte stimmte Monika Mühlwerth (F/W) der Idee einer Qualitätssicherheit in der Lehrlingsausbildung durchaus zu, lehnte aber den vorgesehenen Einfluss von Politik und Sozialpartnern auf die Beiräte ab. Kritisch sah Mühlwerth auch die Belastung der Lehrbetriebe bei der Verlängerung der Ausbildungszeit.

Anneliese Juncker (V/T) sah UnternehmerInnen, aber auch Sozialpartner dazu aufgerufen, sich bei der Ausbildung von Fachkräften für die Wirtschaft zu engagieren. Die geringe Jugendarbeitslosigkeit in Österreich habe eine Ursache: Die duale Ausbildung, die dafür sorge, dass junge Menschen in den Betrieben praxisnahe ausgebildet und in der Arbeitswelt verankert werden. Die Weiterentwicklung der dualen Ausbildung nütz den UnternehmerInnenn, den jungen Menschen und ganz Österreich, sagte Juncker.

Rene Pfister (S/N) begrüßte die Möglichkeit, benachteiligten Jugendlichen neue Möglichkeiten der Berufsausbildung anzubieten. Bedauerlicherweise gehe die Zahl der Lehrlinge und der Ausbildungsbetriebe wegen der demografischen Entwicklung zurück. Daher sei es umso wichtiger, das Ausbildungsangebot attraktiver zu gestalten und auf die Ausbildungsqualität zu achten. Ausdrücklich bekannte sich der Redner auch zur Umsetzung von Forderungen der Gewerkschaftsjugend zu Verbesserungen im Sozial- und Arbeitsrecht und nach Erleichterungen bei der kombinierten Ausbildung Lehre mit Matura.

Efgani Dönmez (G/O) brache eine Lanze für junge Menschen, die es schwerer haben als andere, in der Arbeitswelt Fuß zu fassen. Grundlegend falsch sei es aber, Lehrverhältnisse zu beenden, wenn das Asylverfahren des Lehrlings negativ ausgegangen sei. Das sei aus menschlichen, aber auch aus wirtschaftlichen Gründen abzulehnen, weil der Ausbildungsbetrieb einen jungen Menschen verliere, in den er bereits Ausbildungsaufwand investiert habe.

Ana Blatnik (S/K) sah die Priorität in der Lehrlingsausbildung darin, jungen Menschen Erfolge zu ermöglichen und ihr Selbstbewusstsein zu stärken. Die jungen Menschen wollen etwas verändern, "wir sollten sie dabei unterstützen", sagte Ana Blatnik.

Sonja Zwazl (V/N) wandte sich gegen die oft geäußerte Ansicht, die Jugend tauge nichts, sie könne sich nicht benehmen. Die jungen Menschen wissen, worauf es in der Ausbildung ankomme und sie wissen, dass sie eine gute Ausbildung brauchen. Daher sei Österreich bei der Facharbeiterausbildung gut unterwegs, was an internationalen Berufsolympiaden festzustellen sei, wo österreichische TeilnehmerInnen auf Spitzenpositionen abonniert seien, sagte Zwazl.

Staatssekretär Harald Mahrer erinnerte an die sehr gute Enquete des Bundesrates zur Lehrlingsausbildung und zeigte sich froh über die vielen jungen Menschen, die FacharbeiterInnen werden und die das verlässliche Rückgrat der mittelständischen Wirtschaft bilden. Man müsse sich aber auch um jene kümmern, die es schwieriger haben, in eine Berufslaufbahn einzusteigen. Darum gehe es in der vorliegenden Novelle. Bereits im Kindergarten, in der ersten Bildungseinrichtung, sei darauf zu achten, dass Kinder in ihrer Entwicklung nicht zurückbleiben, sagte der Staatssekretär. Er begrüße es, dass junge AsylwerberInnen eine Lehrausbildung aufnehmen können. Bei einer negativen Asylentscheidung müsse die Ausbildung aber beendet werden, weil es nicht möglich sei, ohne eine Aufenthaltsgenehmigung in Österreich zu bleiben. Dazu gebe es aus juristischen Gründen keine Alternative, schloss Staatssekretär Harald Mahrer. (Schluss) fru

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