4. Tag der Allgemeinmedizin: Ärzte als freie Unternehmer

ÖÄK-Wechselberger: Niedergelassene Ärzte als freie Unternehmer fördern – ÖGAM-Dachs: Netzwerke nur möglich mit engagierten Basisversorgern

Wien (OTS) - Der von Österreichischer Ärztekammer (ÖÄK) und Österreichischer Gesellschaft für Allgemeinmedizin (ÖGAM) am Wochenende zum vierten Mal abgehaltene "Tag der Allgemeinmedizin" befasste sich unter anderem mit der gesellschaftlichen Verantwortung von Ärzten als Vertreter eines freien Berufs und als Unternehmer. Als einer der Referenten appellierte ÖÄK-Präsident Artur Wechselberger an die Gesundheitspolitik, über den eigenen Tellerrand hinauszublicken und den Wert der niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte als freie Unternehmer zu erkennen und ihre Überlebensfähigkeit zu unterstützen, anstatt unternehmerische Freiheiten durch Bürokratie und Zentralisierung einzuschränken.

Ärzte seien Angehörige eines freien Berufs und damit in besonderem Maße ethischen Grundsätzen verpflichtet, betonte ÖÄK-Präsident Artur Wechselberger. "Ich meine damit eine Verantwortung gegenüber dem Patienten, den Mitarbeitern, aber auch dem Staat, die weit über die Einhaltung von Gesetzen hinausgeht." Ärztliche Freiberuflichkeit zeichne sich vor allem durch persönliche Zuwendung zum einzelnen Patienten aus sowie durch Verschwiegenheit und hohe, in Fortbildungen laufend erweiterte Qualifikation. Niedergelassene Ärzte seien zudem Unternehmer und würden auch damit einen Mehrwert für die Gesellschaft stiften. "Und zwar, indem sie Kunden-, also Patientenbedürfnisse befriedigen, das ,Unternehmen Ordination´ wirtschaftlich verantwortungsvoll und erfolgreich führen, Arbeitsplätze schaffen, Aus- und Weiterbildung der Mitarbeiter ermöglichen, Innovationen umsetzen, Aufträge vergeben und so zum Wohl der Gesellschaft tätig sind." All das ginge verloren, gäbe es keine praxisführenden Ärzte mehr, warnte Wechselberger.

Auch der Vorsitzende des Verbandsvorstands im Hauptverband der österreichischen Sozialversicherungsträger, Peter McDonald, verwies in seinem Referat darauf, dass unternehmerisches Denken und gesellschaftliche Verantwortung einander nicht widersprächen. "Unsere wichtigste Aufgabe ist es, das Gesundheitswesen für die zweite Hälfte des 21. Jahrhunderts weiterzuentwickeln", so McDonald. "Dabei konstruktiv mitzuwirken, ist in hohem Maße als Beitrag zur gesellschaftlichen Verantwortung aller im Gesundheitswesen beteiligten Player, insbesondere der Sozialversicherung gemeinsam mit der Ärzteschaft, zu werten."

Clemens Martin Auer, Sektionschef im Bundesministerium für Gesundheit, betonte, wie wichtig es sei, den hausärztlichen Sektor zu stärken: "Denn ein Teil der Patienten geht an der Allgemeinmedizin vorbei direkt in die Spitalsambulanzen, obwohl sie aus medizinischer Sicht durchaus von den Hausärztinnen und Hausärzten versorgt werden könnten." Notwendig dafür sei "eine Vielfalt der Organisationsformen im niedergelassenen Bereich und ein Überdenken der Vertragssysteme. Auch die Bildung von Gruppenpraxen muss erleichtert, das entsprechende Gesetz verbessert werden."

Um ärztliche Netzwerke "bottom up" aufzubauen, brauche es vor allem "engagierte Basisversorger und die Unterstützung und Motivation der Stakeholder", sagte Christoph Dachs, Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Allgemeinmedizin (ÖGAM). Er räumte ein, dass es in Österreich "viele kleine Netzwerke im Sinne einer guten Zusammenarbeit" gebe. Vernetzung aber bedeute: "Klare Strukturen, kurze Wege sowie Behandlungs- und Kosteneffizienz im Sinne des ,Best point of service‘", wie es derzeit nur "Styriamed.net" biete, ein von der Ärztekammer für Steiermark initiiertes Netzwerk von niedergelassenen Allgemeinmedizinern und Fachärzten, aber auch Spitalsärzten. "Die teilnehmenden Mediziner verpflichten sich etwa zum strukturierten Informationsaustausch, was den Patienten besonders bei fachärztlichen Folgebehandlungen zugute kommt", so der ÖGAM-Präsident.

Die Ärzteschaft müsse rasch auf den Wunsch der Patienten nach längeren Öffnungszeiten reagieren, sagte Wolfgang Mückstein vom Praxisteam Wien-Mariahilf, dem bundesweit ersten offiziellen Primärversorgungszentrum. Nur so könne der niedergelassene Bereich auch weiterhin selbstverwaltet und unabhängig bleiben: "Ein Team ermöglicht längere Öffnungszeiten, keine Schließtage und vernetztes Arbeiten. Klar ist aber auch, so Mückstein: Geld folgt Leistung." Um auch junge Ärzte zur Niederlassung zu motivieren, brauche es zudem Anreizsysteme.

"Eine allgemeinmedizinische Praxis hat täglich eine enorme Bandbreite an Herausforderungen zu bewältigen. Das Team muss eine komplexe Infrastruktur warten und eine Fülle an Administration erledigen. Die Mitarbeiter sollten gut ausgebildet und motiviert sein und miteinander harmonieren", betonte Dr. Thomas Jungblut, Präsident der Vorarlberger Gesellschaft für Allgemeinmedizin. Auch eine gute Fehlerkultur sowie kontinuierliche Fortbildung in und außerhalb der Praxis seien wichtig für eine hohe Behandlungsqualität, aber auch für das eigene Selbstvertrauen, erklärte Jungblut. (ar)

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