OÖNachrichten-Leitartikel: "Das Zurechtrücken einer griechischen Legende", von Gerald Mandlbauer

Ausgabe vom 30. Juni 2015

Linz (OTS) - Griechenland selbst trägt die Verantwortung und nur Griechenland alleine für den Punkt, an dem es heute steht. Schließlich hat Europa alles und damit zu viel dafür getan, um die Illusion einer wirtschaftlichen Geschlossenheit der Euro-Zone zu erhalten. Es hat viele Milliarden in den Süden überwiesen (die jetzt verloren sein werden), es hat Demütigungen hingenommen, es hat die Legende vom reichen Norden, der sich am armen Süden vergreift, ertragen müssen, damit eine Umkehrung der Schuldzuweisungen erlebt. An Tagen wie heute gehören diese Legenden geradegerückt.
Die Missetäter haben es zu einer Perfektion darin gebracht, den Rest Europas zu immer neuen Zugeständnissen zu treiben. Alles nur, um den Schein eines Zusammenhaltes zu wahren, der rein ökonomisch niemals gegeben war. Jetzt ist dieses Eingeständnis eines kollektiven Versagens unausweichlich. Die Griechen waren immer schon pleite, haben sich durch falsche Daten in die Eurozone gemogelt, und sie haben sich, nur dank eines fortgesetzten Regelbruches, darin gehalten. So hätte das Spiel unendlich lange fortgesetzt werden können, mit allen Zutaten eines politischen Spieles, nämlich darauf ausgerichtet, nach innen zu wirken, also auf die eigenen Wähler bedacht.
Es begann mit dem Versuch der Syriza-Populisten, einen Keil zwischen die Nord- und Südländer zu treiben. Es setzte sich fort mit der Absicht, Deutschland zu isolieren. Wir erinnern uns alle noch an die Merkel-Plakate mit dem Nazi-Bärtchen und an Flirts mit Putin. Und es endete mit der bewussten Inkaufnahme des eigenen Kollapses. Das leichte Schmunzeln im Gesicht des griechischen Finanzministers nach dem Abbruch der finalen Gespräche wirkte freudianisch. Die wollten es so! Doch Politik ist nicht Vabanque, bei dem alles aufs Spiel gesetzt wird.
Und dennoch gibt es Griechen-Versteher, weil sich immer Leute finden werden, die den Regelverstoß sympathisch finden, den Tabubruch, das Rütteln an Institutionen. In diesem Fall geht es einher mit Kapitalismuskritik, mit Brüssel-Bashing, mit dem Infragestellen von europäischen Dogmen.
Wer jedoch Teil eines Ganzen sein will, muss akzeptieren, dass es Regeln des Zusammenlebens gibt, geschriebene und selbstverständliche. Das gilt für alle Stufen unserer Gesellschaft. Und wer dagegen verstößt, hat die Konsequenzen zu tragen.

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