Start der „kreuz und quer“-Dreiteiler „Das Christentum und die Sexualität“ und „Die biblischen Plagen“

Am 30. Juni ab 22.30 Uhr in ORF 2

Wien (OTS) - Befindet sich das heutige Christentum noch im Einklang mit der modernen Welt? Während die westlichen Gesellschaften liberaler werden, scheint die Kirche in ihren althergebrachten Ansichten zu verharren. Ob Homosexuellenehe, Abtreibung oder Verhütung - die offizielle Haltung der Kirche und jene der meisten Menschen in den westlichen Gesellschaften klafft hier auseinander. Der Dreiteiler "Das Christentum und die Sexualität", den "kreuz und quer" - präsentiert von Doris Appel - ab Dienstag, dem 30. Juni 2015, um 22.30 Uhr in ORF 2 zeigt, beleuchtet die christlichen Haltungen gegenüber Sex, Ehe und Gender in einem größeren historischen Kontext. Er folgt den komplexen, nicht selten explosiven und häufig spaltenden Ansichten der Religion bis hin zu ihren Wurzeln. Erzählt wird eine außergewöhnliche Geschichte, die vor 2.000 Jahren ihren Anfang nahm. Die Teile zwei und drei der von Diarmaid MacCulloch präsentierten BBC-Dokureihe folgen am 7. und 14. Juli 2015.

In der ersten Folge der dreiteiligen Reihe "Die biblischen Plagen" von Gabriele Wengler und Sandra Papadopoulos beschäftigen sich danach ab 23.25 Uhr die Gelehrten mit den ersten sechs Naturkatastrophen:
"Duell am Nil" stellt die Aufsehen erregenden Ergebnisse jüngster Untersuchungen vor und präsentiert Antworten auf eines der größten Rätsel der biblischen Welt. Die weiteren beiden Folgen - "Finsternis über Ägypten" bzw. "Flucht aus dem Pharaonenreich" - stehen am 7. bzw. 14. Juli auf dem Programm.

"Das Christentum und die Sexualität" - Teil 1: Von der Lust zur Sünde

In der ersten Folge der dreiteiligen Serie spürt der Kirchenhistoriker und Theologe Diarmaid MacCulloch den Ursprüngen jener religiös motivierten Gesellschaftsmoral nach, die bis heute die offizielle Haltung der christlichen Kirchen zu Themen wie Sex und Ehe prägt. Diese Reise führt zurück bis zum Beginn des Christentums. So zeigt sich etwa, dass die Botschaft Jesu auf das Thema Geschlechtsverkehr kaum Bezug nahm. Für die frühen Christen und ihr Verhältnis zum Sex waren vielmehr Sitten und Bräuche der damaligen Gemeinschaften maßgeblich. Deren Fokus lag auf Fortpflanzung und Familie. Entsprechend wichtig war ihnen der eheliche Rahmen. Dies schlug sich auch in der Haltung der Kirche nieder: Außereheliche Beziehungen wurden folgerichtig verurteilt. Neben den frühen Christen sind auch das antike Athen und das Römische Reich weitere Stationen dieser ersten "Forschungsreise".

"Die biblischen Plagen" - Teil 1: Duell am Nil

Kaum eine Geschichte der Bibel wirkt so nachhaltig im Gedächtnis der Menschheit wie die Schilderung der Zehn Plagen: Innerhalb weniger Monate bricht über Ägypten eine Welle von Katastrophen herein, die der Gott Israels als Zeichen seiner Allmacht heraufbeschwört. Verunreinigungen, Verwüstungen, Seuchen und Tod - jede Plage erreicht ein beispielloses Ausmaß und trifft die Menschen am Nil härter als die vorherige.

In fünf Kapiteln zeichnet das 2. Buch Moses ein dichtes Horrorszenario, das die Grundfesten des Pharaonenreichs bis ins Mark erschüttert. Am Ende der spektakulären Schau steht der Exodus der Israeliten: Der Pharao entlässt das Volk, das er Jahrzehnte lang unterdrückte, aus der Knechtschaft. Unter Moses‘ Führung macht sich ein riesiger Treck auf den Weg durch die Wüste. Dem Ruf in die Ferne folgen mehr als 600.000 Menschen, wie die Bibel verkündet. Sie alle hoffen auf eine Heimat in Kanaan, dem Gelobten Land, in dem "Milch und Honig fließt".

Seit langem versuchen Wissenschafter unterschiedlicher Disziplinen herauszufinden, ob die Plagen auf wahren Begebenheiten beruhen oder pure Legende sind. Ägyptologen deuten das Jahrtausendereignis als mythisches Duell zwischen Gott Jahwe und den zahlreichen Göttern im Nilland. Ihrer Ansicht nach ist die Erzählung ein Propagandatext, der den Kampf zwischen zwei religiösen Konzepten beschreibt: den Glauben der Israeliten an einen einzigen Gott gegen die Vorstellung der Ägypter von einem Pantheon aus Tausenden jenseitiger Wesen.

Naturwissenschafter halten sich aus derartigen Diskussionen heraus. Sie prüfen die biblischen Schriften kritisch auf harte Fakten. Sie legen nun Indizien vor, dass der Bericht über die Plagen auf historische Erfahrungen zurückgehen könnten: Vor mehr als 3.000 Jahren wurde das sensible Ökosystem des Nils immer wieder durch extreme Hochwasser und Dürreperioden aus dem Gleichgewicht geworfen. Die Folgen für die Bevölkerung waren verheerend, denn die gesamte Landwirtschaft des Reiches hing am Tropf des mächtigen Stroms.

Noch Jahrhunderte nach den Schicksalsschlägen der Natur kursierten die Geschichten über jene dunklen Zeiten im Alten Vorderen Orient. Sie brannten sich auf ewig ins Gedächtnis der Menschen. Medizinische Papyri und uralte Weisheitslehren aus Ägypten liefern Hinweise auf außergewöhnliche Verseuchungen des Nils und der daraus resultierenden Kettenreaktion. Davon war auch Plinius der Ältere überzeugt. Bereits im 1. Jahrhundert nach Christus vermutete der Vater der Naturkunde hinter den Zehn Plagen die Beschreibung massiver ökologischer Störungen. Der modernen Forschung dienen die lange unbeachteten Schriften als Bestätigung ihrer eigenen Erkenntnisse.

Die Wissenschafter entdeckten im Nil todbringende Mikroorganismen, die das Sterben der Fische verursachten und die Frösche in eine Stresssituation brachten. Sie fanden schlüssige Erklärungen für die gigantischen Ungezieferschwärme, die grassierende Viehpest und die gefährliche Pockenerkrankung. Die Archäologen Dr. Edgar Pusch und Prof. Manfred Bietak gehen sogar noch einen Schritt weiter. Die renommierten Spezialisten vertreten die These: Ein Umweltdesaster, wie im 2. Buch Moses dokumentiert, verwandelte Pi-Ramesse, das blühende Machtzentrum von Ramses II., in eine Geisterstadt. Eine anhaltende Dürreperiode führte zum Kollaps der legendären Metropole am Pelusischen Nilarm und zwang die Menschen, eine neue Bleibe zu suchen.

"kreuz und quer" ist nach der TV-Ausstrahlung sieben Tage auf der Video-Plattform ORF-TVthek (http://TVthek.ORF.at) als Video-on-Demand abrufbar und wird auch als Live-Stream angeboten.

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