Die Universitäten als Kern eines differenzierten Wissenschaftssystems

Wissenschaftsausschuss debattiert Bericht des Österreichischen Wissenschaftsrats

Wien (PK) - Perspektiven des österreichischen Hochschulsystem waren Thema im heutigen Wissenschaftsausschuss. Grundlage für die Debatte boten neben einer Aussprache mit Wissenschaftsminister Reinhold Mitterlehner eine Reihe von Berichten. Dem Anfang machte der Bericht über die Tätigkeit des Wissenschaftsrats in den Jahren 2012 bis 2014. Er wurde vom Ausschuss einstimmig zur Kenntnis genommen.

Wissenschaftsrat ist wichtiges Beratungsgremium der Wissenschaftspolitik

Seit 2004 berät der Österreichische Wissenschaftsrat den für Wissenschaft und Forschung zuständigen Bundesminister, die gesetzgebenden Körperschaften und die Universitäten. Sein Ressort nütze die Expertise des Rates sehr gerne und intensiv, betonte Wissenschaftsminister Mitterlehner gegenüber den Ausschussmitgliedern. Der Bericht über die Tätigkeit des Wissenschaftsrats in den Jahren 2012 bis 2014 (III-164 d.B.) zeige die Vielfalt der Themen, zu denen der Rat sowie die von ihm eingerichteten Arbeitsgruppen Stellungnahmen und Empfehlungen erarbeitet hat, sagte der Minister.

Der Wissenschaftsrat richte seine Tätigkeit an den Prinzipien der Unabhängigkeit und Wissenschaftlichkeit aus, betonte dazu der Vorsitzende des Rats, Universitätsprofessor Jürgen Mittelstraß. Wesentlich sei, dass er seine Expertisen selbst erarbeite. Der Rat sehe die Universitäten als den Kern eines differenzierten Wissenschafts- und Bildungssystems, deshalb habe sich der Rat intensiv der Schwerpunktbildung und Profilschärfung an den österreichischen Universitäten gewidmet. Hier hätten sich in den letzten Jahren sehr positive Entwicklungen gezeigt.

Der Rat sehe seine Aufgabe in der strategischen Planung für die Zukunft, sagte Mittelstraß auf die von den Abgeordneten Beatrix Karl (V), Sigrid Maurer (G) und Nikolaus Scherak (N) aufgeworfene Frage, inwieweit die Empfehlungen und Stellungnahmen des Rats von der Politik gehört werden. Daher gelte es zu differenzieren zwischen punktuellen Stellungnahmen und langfristigen Strategien. Anregungen zu konkreten Gesetzen würden sehr wohl rasch aufgenommen. Langfristige Perspektiven hingegen ließen sich nicht von heute auf morgen umsetzen.

Zu diesem Punkt fügte Wissenschaftsminister Mitterlehner hinzu, der Rat habe nicht die Aufgabe, den Gesetzwerdungsprozess und die politische Verantwortung dafür zu ersetzen. Vielmehr diene er dazu, die Qualität der Gesetzgebung zu verbessern. Die Empfehlungen des Rats würden sehr ernst genommen, unterstrich der Minister, der an dieser Stelle nochmals die gute Zusammenarbeit mit dem Rat hervorhob.

Auf die Frage von Abgeordneter Karl, wo er die österreichischen Hochschulen im internationalen Forschungsraum sehe und wo es Nachhofbedarf gebe, meinte Mittelstraß, Österreich habe zweifellos nach wie vor in vielen Bereichen wissenschaftliche Spitzenleistungen aufzuweisen. Was oft fehle, sei die Kenntnisnahme dieser Leistungen über den engen Kreis der Scientific Community hinaus. Das Bestehen mehrerer Beratungsgremien für Wissenschaft und Forschung sei gerechtfertigt, solange auch die Agenden für Wissenschaft, Forschung und Bildung bei verschiedenen Ministerien liegen, replizierte Mittelstraß auf eine diesbezügliche Frage von Karl.

Strategische Empfehlungen des Wissenschaftsrats

Zu den wichtigsten Stellungnahmen des Rats zählt er die Analyse der Stellung der Fachhochschulen im österreichischen Hochschulsystem, teilte Mittelstraß Abgeordneter Maurer mit. Der Rat spreche sich für einen erheblichen quantitativen Ausbau des Fachhochschulsektors, unter Berücksichtigung der unterschiedlichen Bildungs- und Ausbildungsziele von FHs und Universitäten aus. Umfangreiche Empfehlungen habe der Rat auch zu den Klinischen Neurowissenschaften an den Medizinischen Universitäten Graz, Innsbruck und Wien abgegeben. Ein weiterer Schwerpunkt seien Governance und Partizipation, bestätigte Mittelstraß gegenüber SPÖ-Wissenschaftssprecherin Andrea Kuntzl. Ein wichtiger Punkt sei die Einführung eines einheitlichen Typus von Professuren. Voraussetzung für eine Professur sollte nach Vorstellungen des Rats immer ein nach internationalen Standards organisiertes Berufungsverfahren sein. Bei der Frage, wie der Übergang im System gestaltet werden könne, gehe es letztlich um Entscheidungen, welche die Wissenschaftspolitik treffen müsse.

Zum "Weißbuch Hochschulentwicklung", nach dem sich Axel Kassegger (F) erkundigt hatte, betonte Mittelstraß, diese strategische Analyse werde sehr sorgfältig vorbereitet und baue auf der Empfehlung "Universität Österreich 2025: Analysen und Empfehlungen zur Entwicklung des österreichischen Hochschul- und Wissenschaftssystems" aus dem Jahr 2009 auf. Sie werde bis Herbst vorliegen, teilte er mit. Von Kassegger wurde auch die "Verschulung" der Hochschulen angesprochen. Er fragte, ob ein Zusammenhang dieser Erscheinung mit dem Bologna-Prozess bestehe. Dazu sagte Mittelstraß, der Wissenschaftsrat habe eine durchaus kritische Meinung zur Umsetzung des Bologna-Prozesses. An sich biete die Definition der Ziele genug Spielraum, um gewisse negative Entwicklungen wieder zu korrigieren. Als Beispiel nannte Mittelstraß das Bachelor-Studium, das in Österreich mit einer Dauer von nur drei Jahren eingeführt und dabei mit zu vielen Ansprüchen überfrachtet worden sei. Der Wissenschaftsrat sei der Ansicht, dass es kaum gelingen könne, in so kurzer Zeit sowohl in fundierter Weise wissenschaftliche Grundlagen und Methodik zu lehren als auch gleichzeitig eine praktische Berufsausbildung zu bieten.

Zur Grundlagenforschung hielt Mittelstraß in Richtung von Abgeordnetem Rouven Ertlschweiger (T) fest, der Rat sehe diese nicht als Gegensatz, sondern als unbedingte Voraussetzung jeder angewandten Forschung. Um mehr AbsolventInnen etwa von Medizinuniversitäten in Österreich zu halten, sind seiner Ansicht nach nicht so sehr die Universitäten selbst gefragt, sondern entscheidend sei die Attraktivität des Berufs- und Wissenschaftssystem insgesamt.

Der Ausschuss nahm den Bericht über die Tätigkeit des des Österreichischen Wissenschaftsrats in den Jahren 2012 bis 2014 einstimmig zur Kenntnis. (Fortsetzung Wissenschaftsausschuss) sox

Rückfragen & Kontakt:

Pressedienst der Parlamentsdirektion
Parlamentskorrespondenz
Tel. +43 1 40110/2272
pressedienst@parlament.gv.at

http://www.parlament.gv.at
www.facebook.com/ParlamentWien
www.twitter.com/oeparl

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | NPA0004