Malariatherapie an der Klinik Hoff in Wien aus Sicht der Opfer

Das Ergebnis der Experten der Malaria-Kommission ist umstritten. Die Opfer üben nun konkrete und detailreiche Kritik an der Malaria-Therapie in der Klinik Hoff in Wien.

Wien (OTS) - Die Kommission kommt zum Schluss, dass es Heimkinder nicht betroffen waren und es Hinweise gäbe, dass die Erhaltung des Malaria-Stammes im Vordergrund stand. Insgesamt sei die Therapie zulässig gewesen. Elisabeth Brainin (Ex-Kommissionsbeirat) widerspricht im Ö1-Interview und spricht von "Weißwaschen von Dingen, die eigentlich nicht in Ordnung waren". Sie übt Kritik, dass Opfer nicht befragt wurden und ist aus Protest aus dem Beirat ausgetreten. Diese Kritik teilten auch Mitarbeitern des Leiters der Historikerkommission. Auch Michael Hubenstorf (Kommissionsbeirat) ist mit dem Ergebnis nicht einverstanden: "Ein Teil der Historiker in dieser Kommission wird das vielleicht unterschreiben, ein anderer Teil aber ganz und gar nicht."

Kritik der Opfer im Detail

Rechtsanwalt Dr. Johannes Öhlböck (www.raoe.at) hat namens der von ihm vertretenen 15 Opfer mehrfach um ein Gespräch mit der Kommission gebeten. Diese hat das klar abgelehnt. Aus Sicht der Opfer hätte eine Untersuchung, der daran gelegen ist, die Wahrheit ans Licht zu bringen, zur Objektivierung vorhandener Dokumente mit Zeitzeugen sprechen müssen. Dazu zählen nicht nur Opfer, sondern auch die beteiligten Ärzte, Schwestern, Pfleger oder die interne pharmazeutische Abteilung. Die Ablehnung von Gesprächen stößt bei meinen Mandanten auf großes Unverständnis. Die Kommission hat den Opfern keine Stimme gegeben. Zum Untersuchungsergebnis, von dem sie nur medial Kenntnis erlangt haben, äußerten sie folgendes:

"Ich bin mit dem Ergebnis nicht zufrieden. Warum hat man nicht versucht, mit uns zu sprechen. Ich habe das nicht verstanden. Wieso kann man zu dem Ergebnis kommen, dass das Ende der 1960er Jahre noch zulässig war? Das Ganze ist fragwürdig." (Opfer, kam aus dem Lehrlingsheim in die Klinik)
"Wir wurden nicht gefragt. Ich weiß bis heute nicht, was die mit mir gemacht haben. Ich bin bis heute müde und es haut mich immer wieder zusammen. Ich bin davon überzeugt, dass das mit der Klinik Hoff zusammenhängt. Das zieht sich jetzt schon seit der Heimzeit. Wir wurden in Gitterbetten eingesperrt und niedergespritzt. Ich habe bis heute Angstzustände. Ich muss das irgendwie verdrängen, sonst werde ich verrückt. Es glaubt mir bis heute niemand, was ich mitgemacht habe". (Opfer; kam von Klinik Hoff in Kinderheim Hohe Warte)

"Ich bin mit dem Ergebnis der Kommission nicht einverstanden." (Mann der mit 23 Jahren in der Klinik Hoff 7 Tage in ein Gitterbett gesperrt und mit Malaria infiziert wurde)

"Aus meiner Sicht sind die Dinge damals komplett aus dem Ruder gelaufen. Da war Absicht und Vorsatz dahinter. Mich ärgert, dass man Menschen, die das hautnah erlebt haben, nicht gefragt hat. Ich habe mich persönlich bei der Kommission gemeldet und wollte sogar Unterlagen mitnehmen. Diese Konfrontation hat man sofort abgeblockt. Menschen, die damals auf einem so hohen Bildungs- und Wissensstand waren, sind offenbar auch heute noch unantastbar." (Mann der mehrere Monate auf der Klinik Hoff zubrachte und mit Malaria infiziert wurde)

"Das Ergebnis der Kommission stimmt nicht. Die wollen nichts zahlen. Wir haben sehr darunter gelitten. Die wollen sich nur drücken. Das alles ist furchtbar." (Mann der mit 8 Jahren mit Malaria infiziert wurde und bis heute Fieberschübe hat)

"Wie können drei Personen 90.000 Akte lesen. Da kann man nicht richtig geprüft haben. Ich wäre der Kommission zur Befragung zur Verfügung gestanden. Der zuständige Stadtrat sollte sich für seine Vorgänger entschuldigen. Ich bin bis heute in psychologischer Betreuung. Die wollen sich alle abputzen." (Mann, von 1949-1966 in Wiener Kinderheimen; wurde von Dr. Spiel, Groß und Hoff "behandelt")

"Es war damals sicher nicht erlaubt, das an gesunden Menschen zu vollziehen. Wir waren nicht krank. Man hat Pseudokrankheiten diagnostiziert, damit man das machen kann. Eine junge Ärztin sagte mir damals, dass das mit Malaria ein Test war. Wir waren Jugendliche, die sich nicht wehren konnten, bei denen nur die Fürsorge das Reden hatte. Das Ergebnis ist ein Wahnsinn, mit dem ich nicht einverstanden bin. Wieso durfte man das in den 60er Jahren noch? Ich bin entsetzt." (aus dem Kinderheim in die Klinik Hoff gebracht)
"Die Nichteinbindung der Betroffenen war nicht in Ordnung. Ziel war offenbar Schadenersatzansprüche hintanzuhalten. Wenn das nur in Wien geschehen ist, kann das nicht lege artis gewesen sein. Da wäre die ganze andere Welt blöd."(Mann, der 1968/1969 mit Malaria infiziert und mit Elektroschocks therapiert wurde)

"Mein Eindruck war, dass das keine Therapie war, sondern man alles zu Versuchszwecken unternommen hat. Ich hatte den Eindruck, dass das eine Art von Ruhigstellung war. Man wusste nicht, was man mit den Menschen machen sollte, deshalb hat man irgendwas gemacht." (Mann der 1965/1966 in der Klinik Hoff war und mit Malaria infiziert wurde)

Bewertung

Aus meiner Sicht ist die Kritik aus Sicht der Opfer berechtigt. Sie alle haben eine präsente Erinnerung. Man wollte sie nicht hören und hat sie daher nicht gehört. Aufarbeitung kann nicht nur aufgrund von Akten erfolgen, die von Tätern geschrieben wurden. Der Oral History wurde keine Bedeutung beigemessen. Der Rektor der MedUni Wien hat Entschädigungszahlungen nicht ausgeschlossen. Das ist ein Schritt in die richtige Richtung. Die Kritik der Kommissionsmitglieder belegt, dass das Untersuchungsergebnis auf wackeligen Beinen steht. Die Opfer erwarten, dass sie persönlich vom Ergebnis informiert werden und Ihnen dargelegt wird, welche Auswirkungen es auf ihren Fall zeitigt.

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