Modernisierung der Vorsorgemedizin: Schluss mit Blockadehaltung des Hauptverbandes (1)

Früherkennungs-Programme Opfer der Sparpolitik. Vorarlberger Darmkrebs-Vorsorge rettet Leben und spart Millionen.

Wien (OTS) - "Aus medizinischer Sicht ist es höchste Zeit, Alarm zu schlagen. Wir Ärzte dürfen nicht tatenlos dabei zuschauen, wie erfolgreiche Instrumente der Vorsorgemedizin unter die Räder einer kurzsichtigen und perspektivenlosen Sparpolitik des Hauptverbandes der Sozialversicherungen kommen. Wir dürfen es nicht kommentarlos zur Kenntnis nehmen, wenn sinnvolle Anpassungen von Screening-Programmen verhindert oder auf die lange Bank geschoben werden", so Johannes Steinhart, Obmann der Bundeskurie niedergelassene Ärzte und Vizepräsident der ÖÄK auf einer Pressekonferenz. Zu beobachten sei derzeit ein Interessen- und Zielkonflikt zwischen der Ärzteschaft und der Spitze des Hauptverbandes: "Die Ärzte wollen die Vorsorgemedizin im Interesse der Patienten verbessern, der Hauptverband hingegen verfolgt das klar erkennbare Ziel, die Frequenzen zu senken, um zu sparen."

Und das, obwohl Vorsorge- und Früherkennungsprogramme zu den wichtigsten Fortschritten der modernen sozialen Medizin zählen: "Sie verhindern in vielen Fällen den Ausbruch einer Krankheit. Sie ermöglichen die Diagnose und Therapie bereits im Frühstadium. Und sie helfen, auf intelligente Weise zu sparen, weil Behandlungskosten verringert werden können", so Steinhart. Man sollte also eigentlich von einem Konsens ausgehen können, dass Screening-Programme ausgebaut und an den medizinischen Fortschritt angepasst werden sollten. Steinhart: "Doch leider zeigt das Verhalten des Hauptverbandes, dass das nicht so ist."

Vorsorgeuntersuchung im 11. Jahr ihres Bestehens dringend modernisieren

Die Vorsorgeuntersuchung - kurz: VU - müsste im 11. Jahr ihres Bestehens aus mehreren Gründen dringend angepasst und modernisiert werden: Aufgrund des medizinischen Fortschrittes, wegen der seit 10 Jahren nicht angepassten Ärztehonorare für VU-Leistungen, und mit dem Ziel einer höheren Patientenfreundlichkeit.

• Die Ärztekammer fordert schon länger im Interesse der Patienten den Einsatz eines bereits entwickelten "Probandenblattes" mit ärztlichen Verhaltensempfehlungen. Während es derzeit nur Datenerhebungs-Formulare gibt, die für Patienten nicht aufschlussreich sind, sollen Probandenblätter in verständlicher Form über die Ergebnisse der VU informieren. Steinhart: "Wir möchten diesen neuen Service gerne möglichst bald anbieten. Doch leider fehlt das Okay des Hauptverbandes."

• Um die "Fahndungsziele" der VU bestmöglich zu erreichen, fordert die Ärztekammer außerdem ein flächendeckendes Call- und Recall-System. Dieses systematische Einladungs- und Erinnerungssystem soll dazu beitragen, dass Patienten möglichst konsequent gescreent werden. Steinhart: "Der Hauptverband hat das nicht nur abgelehnt, sondern ist vielmehr um eine Reduktion der Untersuchungsfrequenzen bemüht."

• Die Ärztekammer hat bei der Einführung der VU vorgeschlagen, anonymisierte VU-Daten in elektronischer Form epidemiologisch auszuwerten. Damit könnten die VU-Erfolge gemessen und die Screening-Programme optimiert werden. Steinhart: "Diese Forderung wurde vom Hauptverband nicht erfüllt - weshalb ich sie hiermit erneuere."
Die Ärztekammer bemüht sich seit Beginn 2014 um einen Termin, um eine inhaltliche Diskussion über die Weiterentwicklung der VU zu führen und um gemeinsam zu Entscheidungen zu kommen. Steinhart: "Die Bilanz:
Gesprächsverweigerung pur." Vor ein paar Tagen gab es schließlich doch noch ein gemeinsames Treffen. Thema war tatsächlich die VU, doch die Ergebnisse waren ernüchternd. Zu inhaltlichen Entscheidungen kam es nicht, und auch der Wunsch der Ärztekammer, die Ärztehonorare für die VU-Leistungen nach 10 Jahren zu valorisieren, traf beim Hauptverband auf null Verständnis. Steinhart: "Welcher anderen Berufsgruppe würde man zumuten, mehr als ein Jahrzehnt ohne Honoraranpassung zu arbeiten?" (b&k)
(Forts.)

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