Katastrophenvorsorge ist Aufgabe für die ganze Gesellschaft

UN-Sonderbeauftragte Margareta Wahlström im Gespräch mit EZA-Unterausschuss

Wien (PK) - Ein wesentlicher Faktor, um die Folgekosten von Katastrophen zu reduzieren, ist eine entsprechende Katastrophenvorsorge. Mit dieser Botschaft wendet sich die UN-Sonderbeauftragte für Katastrophenvorsorge und Leiterin des UN-Büros zur Reduzierung von Katastrophenrisiken (UNISDR) Margareta Wahlström während einer internationalen Informationsreise an die nationalen Stakeholder. Heute Vormittag traf Wahlström mit Mitgliedern des Unterausschusses für Entwicklungszusammenarbeit (EZA) zu einem Gedankenaustausch zusammen.

Wahlström informierte die ParlamentarierInnen über die Schlussfolgerungen der Dritten Weltkonferenz der Vereinten Nationen zur Reduzierung von Katastrophenrisiken, die heuer im März in der japanischen Stadt Sendai stattgefunden hat. Zum Abschluss der Konferenz wurde das "Sendai Framework zur Reduzierung von Katastrophenrisiken" verabschiedet. Diese soll ein Instrumente für vorausschauendes Risikomanagement sein, um die Auswirkungen von Naturkatastrophen zu begrenzen.

Das "Sendai Rahmenwerk zur Reduzierung von Katastrophenrisiken (2015-2030)" schaffe eine zentrale Handlungsgrundlage für Staaten und Zivilgesellschaften weltweit, um durch Naturkatastrophen hervorgerufene Risiken zu reduzieren, die Entstehung neuer Risiken zu vermeiden und die Widerstandsfähigkeit (resilience) von Bevölkerungen und Institutionen gegenüber Katastrophen zu stärken. Sie richte sich damit an alle Stakeholder in der Gesellschaft, stellte Wahlström fest. Das Ziel ist es, die Auswirkungen von Katastrophen bis zum Jahr 2030 deutlich zu begrenzen.

Katastrophenvorsorge bringt auch wirtschaftlichen Nutzen

Abgeordnete Petra Bayr (S) interessierte sich für den Themenkomplex von Katastrophenvorsorge, Risikomanagement und nachhaltiger Entwicklung. Offenbar sei die Fokussierung auf die ökonomischen Folgekosten ein Weg, das Bewusstsein über die Bedeutung der Katastrophenvorsorge zu stärken. Sie wollte wissen, welche politischen Konsequenzen sich aus den Feststellungen der Sendai-Konferenz ergeben. FPÖ-Abgeordneter Reinhard Eugen Bösch (F) fragte, wie die Kooperation des UNISDR mit den UN-Mitgliedsstaaten sich gestalte und in welcher Weise von ihm Standards vorgeben werden.

Wahlström hielt dazu fest, dass der zuvor gültige Rahmen ("Hyogo Framework for Action") sich hauptsächlich auf die Reduzierung von Katastrophen konzentriert habe. Das neue Rahmenwerk gehe jedoch einen wesentlichen Schritt weiter. Der Blick richte sich auf die gesamte Gesellschaft. Das Rahmenwerk sei auf praktische Handlungsvorgaben ausgerichtet, um damit den Staaten und der Zivilgesellschaft ein Instrument für vorrausschauendes Risikomanagement an die Hand zu geben, erläuterte Wahlström. So lege man Wert darauf, dass aus Katastrophenfällen entsprechende Konsequenzen gezogen werden, etwa indem man darauf achte, dass der Wiederaufbau höhere bauliche Standards erreiche. Das sei insbesondere für Entwicklungsländer eine große Herausforderung. Jährlich verursachen Großkatastrophen rund 43 Millionen Todesfälle. Diese Verluste an Menschenleben bedeuteten neben sozialen Kosten auch Rückschläge für die ökonomische Entwicklung, sagte die UN-Beauftragte. Das Ausmaß der Folgekosten sei denen der Tuberkulose vergleichbar.

Die UNISDR unterstützt nationale Plattformen, um den Aktionsplan umzusetzen. Erfolgreiche Bemühungen dafür gebe es auch bereits in Österreich, teilte Wahlström den Abgeordneten des EZA-Unterausschusses mit. Bayr regte daher an, auch das österreichische Parlament in die Arbeit der nationalen Plattform des UNISDR einzubinden.

Wahlström stimmte Abgeordnetem Franz-Joseph Huainigg (V) zu, dass Menschen mit besonderen Bedürfnissen im Katastrophenfall speziell berücksichtigt werden müssen. Immer wieder erweise sich, dass gerade in wirtschaftlich hochentwickelten Gesellschaften der soziale Zusammenhalt abgeschwächt wird. Für ältere Menschen und für Menschen mit besonderen Bedürfnisse bedeute das, dass sie bei großen Naturkatastrophen oftmals schlichtweg vergessen werden. Das Sendai-Rahmenwerk lege daher großes Gewicht auf diese Frage. Ein Beispiel für konkrete Handlungsanleitungen sei etwa, Katastrophenwarnungen so zu gestalten, dass sie tatsächlich alle Bevölkerungsgruppen erreichen. (Schluss) sox

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