FMMI: Österreich muss als Industriestandort dringend Hausaufgaben machen

Wien (OTS) - Das Positive zuerst: Österreich zählt bei ausgewählten Indikatoren wie dem dualen Ausbildungssystem oder der Unternehmenseffizienz weltweit weiterhin zu den Top-Nationen. Bei der Fiskal- und Steuerpolitik sowie der Effizienz der Regierung rutschen wir allerdings in den Rankings weiter ab. Somit müssten die Alarmsirenen jeden Tag läuten. Aber erst die Rekordarbeitslosigkeit lässt jetzt die Gewerkschaften aufwachen und nach mehr Freizeit und kürzerer Arbeitszeit als Lösungen für mehr Arbeitsplätze rufen. De facto würde dies allerdings nur eines bedeuten: einen noch teureren Standort und somit noch mehr Arbeitslose.

Die KV-Verhandlungen werfen ihren Schatten voraus. Während die Experten davor warnen, die Wettbewerbsfähigkeit der Industrie durch ein zusätzliches Hochtreiben der ohnehin schon hohen Arbeitskosten weiter zu schwächen, sieht die Gewerkschaft keinen Grund für Lohnzurückhaltung. Während diese altbekannte Parolen trommelt, hat zumindest bei der Wiener Arbeiterkammer offenbar ein Umdenken eingesetzt: So meinte AK-Direktor Muhm erst kürzlich in einem Interview, dass die heimischen Lohnsteigerungen zu hoch wären und sich die Lohnsteuersenkung für die Arbeitnehmer bereits "wie zwei Lohnrunden" auswirken würden. Postwendend richtete ihm Angestellten-Gewerkschafter Proyer aus, Muhms Beitrag sei für die GPA-djp "ohne Bedeutung", die Arbeitnehmer müssten am Wachstum der Betriebe teilhaben.

Die Wirtschaftsforscher sprechen aber nicht nur von Mäßigung bei den KV-Verhandlungen, es fiel auch bereits das Wort Nulllohnrunde. "Da kann der Herr Proyer gern weiter sein Steckenpferd reiten und von Boni und Ausschüttungen erzählen, die es in unserer Branche nicht gibt - er reitet leider ein totes Pferd. Es ist Zeit, auf die echten Themen umzusatteln, wenn er wirklich etwas für die Arbeitnehmer tun will", so Christian Knill, Obmann des Fachverbands der Maschinen & Metallwaren Industrie (FMMI). Dass sich die Unternehmen hohe Managerboni und Ausschüttungen leisten, weil es ihnen so gut gehe, sei alle Jahre wieder eine Themenverfehlung und schlichtweg falsch. "In der MMI gibt es zu mehr als 80 % Familienbetriebe und KMU, da wird nicht groß ausgeschüttet, in schlechten Zeiten auch gar nichts, in guten wird es zum Großteil in die Firma reinvestiert. Und wenn das Jahresergebnis nicht passt, spüren das die Manager in unserer Branche zuerst, weil ihre Boni erfolgsabhängig sind", führt Knill aus und erklärt der Neiddebatte damit eine Absage.

Die Betriebe müssen mit dem wirtschaften, was sie einnehmen. Gerade heute ist Eigenkapital in einer Branche, die zum größten Teil aus KMU besteht, lebenswichtig. Das Risiko ist für die Unternehmer angesichts der massiven Konjunkturschwankungen höher denn je.

Österreichs höhere Inflation ist hausgemacht

Altbekannt ist auch die Benya-Formel, die auf Gewerkschaftsseite vor allem so ausgelegt wird, dass private Betriebe ihren Mitarbeitern die Inflationsrate abgelten müssen - auch wenn diese vor allem von staatlichen Gebühren in die Höhe getrieben wird und in Österreich damit wesentlich höher ist als beim internationalen Wettbewerb.

Dazu Knill im Hinblick auf die KV-Verhandlungen der Maschinen- und Metallwarenindustrie im Herbst: "Unsere Branche kämpft extrem, Wachstum ist in weiter Ferne. Den Anstieg staatlicher Gebühren haben wir als Unternehmen zu schlucken, über die inflationsgetriebene Lohn-und Gehaltserhöhung werden wir dann nochmals zur Kassa gebeten. Und die Produktivität, die eben auch zur Benya-Formel gehört, will man nur dann berücksichtigen, wenn sie positiv ist." Die MMI verzeichnete 2014 allerdings ein Minus von 3,5% in der Produktivität, die Aufträge sind zurückgegangen, auch die Prognosen für 2015 sind schlecht.

Weniger arbeiten ist kein Mittel gegen Arbeitslosigkeit

Die Arbeitslosigkeit steigt in Österreich seit Jahren, seit Kurzem steigt diesbezüglich auch die Nervosität in der Politik. Jobs gibt es eben bei uns nicht ‚wie Sand am Meer‘. Dass etwas passieren muss, ist allen klar. "Offenbar sollen schnelle Lösungen her - egal, ob sie machbar, wirksam und finanzierbar sind. Aber Arbeitszeitverkürzung kann langfristig keine Jobs retten oder gar schaffen, wie das Beispiel Frankreich zeigt. Im Gegenteil! Es ist verantwortungslos, den Menschen zu erzählen, sie müssten nur weniger arbeiten und alles wäre wieder gut", betont der FMMI-Obmann.

In der MMI ginge dieser Plan schon allein deshalb nicht auf, weil es in den hochspezialisierten Unternehmen nur wenige Tätigkeiten gibt, die einfach auf mehr Menschen aufgeteilt werden könnten, erklärt Knill. Die Idee der Arbeitszeitumverteilung basiert außerdem auf der Annahme, dass die Betriebe ihre Mitarbeiter immer voll auslasten können. Das ist aber schon lange nicht mehr der Fall. Vielmehr müssen sie oft damit kämpfen, dass zu wenig Aufträge - und damit Arbeit -für alle da ist. Was also umverteilen und wie finanzieren?

Lösungen sehen anders aus. Um die Arbeitsplätze in der MMI zu sichern, muss deren Wettbewerbsfähigkeit gestärkt werden. Dazu gehören neben wirksamer F&E-Förderung und besserer Bildung für mehr Fachkräfte weniger Bürokratie und Steuerbelastungen, ein Einbremsen der seit Jahren unverhältnismäßig steigenden Arbeitskosten und mehr Flexibilität sowie endlich konstruktive KV-Verhandlungen, die die Situation der Betriebe berücksichtigen. "Wenn weiterhin kein Schritt in diese Richtung absehbar ist, frage ich mich schon, ob Österreich überhaupt noch Industriestandort sein will", so Knill abschließend.

Rückfragen & Kontakt:

Dr. Berndt-Thomas Krafft
Fachverband MASCHINEN & METALLWAREN Industrie
Wiedner Hauptstraße 63, 1045 Wien
Telefon +43 (0)5 90 900-3482
E-Mail: krafft@fmmi.at

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | FMM0001