FPÖ: Strache: Klarstellung zu Posting zum Wahnsinnsverbrechen in Graz

Wien (OTS) - FPÖ-Bundesparteiobmann HC Strache nahm heute auf Facebook zu seinem Posting zum Wahnsinnsverbrechen in Graz wie folgt Stellung:

Liebe Freunde und User!

Klarstellung zu meinem Posting zum Wahnsinnsverbrechen in Graz

Mein tiefes und aufrichtiges Beileid gilt den Angehörigen, Freunden und Bekannten aller Opfer, die in Graz am Samstag auf brutale und gezielte Art und Weise ermordet bzw. schwer verletzt wurden. Dieses furchtbare Ereignis hat mich so wie uns alle zutiefst schockiert. Das ganze Land steht im Bann dieses dramatischen Angriffs auf Leib und Leben Unschuldiger.

Gerade deshalb muss ich die hetzerische und absurde Behauptung, dass ich dieses brutal geplante Verbrechen politisch missbraucht hätte, als völlig unangebracht und haltlos mit aller gebotenen Schärfe zurückweisen.

Ein Blick auf die Fakten kann diesbezüglich Klarheit schaffen:
Tatsache ist, dass wir in einer Zeit leben, in der furchtbare Anschläge und Attentate (international!) leider traurige Realität geworden sind. In immer kürzeren Abständen erreichen uns Schreckensmeldungen dieser Art über die Medien, die auch mich sehr betroffen machen.

Als ich von dem entsetzlichen Verbrechen in Graz erfahren habe, war ich wie wohl auch jeder andere fassungslos und geschockt. Der einzige Vorwurf, den man mir machen kann, ist, dass ich möglicherweise vorschnell Medienberichte (Kronenzeitung, siehe untenstehende Zitate) auf meiner Facebookseite gepostet und deren Inhalt in der Überschrift kurz zusammengefasst habe. Ich habe damit den Informationsstand zur damaligen Zeit gemäß Medienberichten und deren Quellen geteilt und inhaltlich übernommen:

Samstag-Online-Krone: "Der mutmaßliche Täter ist in Haft. Es soll sich um einen Bosnier handeln. Ob es sich um einen vorsätzlichen Terrorakt etwa aus religiösen Motiven handelt, ist derzeit völlig unklar, kann aber vorerst nicht ausgeschlossen werden."

Sonntag-Krone: "Experten durchsuchen Umfeld des Amokläufers nach möglicher Terrorverbindung. Alarmstufe Rot bei der Polizei… Doch sein blindwütiges Vorgehen gegen völlig unbeteiligte Passanten trägt leider auch die schreckliche Handschrift von Dschihadisten-Einzelkämpfern. Terror erfolgt heute auch mit Messern und Autos. 9/11 war gestern. Terrorangriffe erfolgen heute mit dem Messer oder dem Auto, warnte Peter Gridling, Antiterrorchef Österreichs. Solche Täter schlagen überall und völlig unerwartet überall zu. Auch wenn der mutmaßliche Dreifachmörder in seiner ersten Einvernahme angab, aus panischer Todesangst auf der Flucht vor Türken gewesen zu sein. Noch kann nicht ausgeschlossen werden, dass es sich bei dem gebürtigen Bosnier doch um einen Schläfer (Anm. der Redaktion: Islamisten, die im Verborgenen auf eine günstige Gelegenheit warten und spontan zuschlagen) handelt."

Entgegen dem jetzt in einer regelrechten Kampagne gegen meine Person gezeichneten falschen Bild habe ich zu keinem Zeitpunkt in irgendeiner Form die Meinung vertreten oder eine Aussage in die Richtung getätigt, dass die Ursache dieses Verbrechens in der Herkunft des Attentäters zu suchen sei. Ich lasse mir von niemandem das Wort im Mund umdrehen und die Strategie jener, die das im Vorfeld der Wien-Wahl versuchen, ist leicht durchschaubar.

Jeder weiß, dass ich in allen meinen Reden und Stellungnahmen immer darauf verweise, dass nicht die Herkunft, die Kultur oder die Religion, sondern der Charakter eines jeden einzelnen Menschen der Maßstab für seine Beurteilung ist. Das ist auch der Grund dafür, dass viele zugewanderte und gut integrierte Menschen die Politik der Freiheitlichen Partei unterstützen.

Wirklich skandalös im Zusammenhang mit dem Verbrechen in Graz ist für mich die Tatsache, dass nach jetzigem Wissensstand gegen einen aktenkundig gewaltbereiten Menschen offenbar nicht ausreichende Maßnahmen getroffen wurden, um sein Umfeld und die Allgemeinheit vor ihm zu schützen. Auch wenn man einen Amoklauf nie zu hundert Prozent im Vorfeld verhindern wird können, so stellt sich doch die Frage, ob man alle vorhandenen Möglichkeiten auch tatsächlich ausgeschöpft hat. Andernfalls sehe ich unsere politische Aufgabe darin, hier nachzuschärfen.

Medien berichten jedenfalls von jahrelangen Vorkommnissen, die die Gewaltbereitschaft des späteren Täters nachhaltig dokumentieren (Liste nicht vollständig):

So schreibt die Krone am Sonntag (21.6.2015), dass "er später die Gewalt an seine Familie - die Ehefrau und die beiden Kinder -weitergab. In Kalsdorf südlich von Graz, wo er in der Firma der Eltern arbeitete, kam er schon bald mit dem Gesetz in Konflikt. Er verprügelte wiederholt seine Frau und soll sie zuletzt unter Schlägen gezwungen haben, ein Kopftuch zu tragen. Die Kinder hatten Angst vor ihm - und die bedrohten Nachbarn. Am 28. Mai machte die gequälte Ehefrau Schluss und zeigte ihren Peiniger an. Der 26-Jährige wurde aus der gemeinsamen Wohnung gewiesen, was den "Macho" wütend machte. Als er nach Hause zurück durfte, waren Gattin und Kinder im Frauenhaus. Die Scheidung stand unmittelbar bevor. Was danach geschah, interessiert nun auch den Verfassungsschutz. Alen R. soll neue Freunde kennengelernt haben und öfters in eine Moschee (Anmerkung HC Strache: Hier überprüft die Exekutive mögliche radikal-islamistische Kontakte und Entwicklungen!) gegangen sein."

Serbische Medien berichten wiederum unter Berufung auf das bosnische Außenministerium, dass Alen R. einen gültigen bosnischen Pass besitze und die bosnische Botschaft in Wien bereit, konsularischen Beistand zu leisten. Anmerkung: Eventuell hatte Alen R. eine aufklärungswürdige Doppelstaatsbürgerschaft.

Wie die Kleine Zeitung berichtete, ist die Familie des Amokfahrers ein Musterbeispiel misslungener Integration: "Diese Familie, die 1993 im Zuge des Balkankrieges in die Steiermark geflüchtet ist, gilt im Ort als abgeschottet und nicht integriert. Immer wieder kam es zu Konfrontationen mit den Nachbarn. X-mal habe die Polizei einschreiten müssen, erzählen die Anrainer. "Wir wundern uns nicht, dass etwas passiert ist, damit haben wir gerechnet", sagen sie übereinstimmend. "Nur dieses Ausmaß ist auch für uns völlig überraschend."
Die Nachbarn berichten nicht nur über verbale Ausfälle der Familie, sondern auch über Tätlichkeiten. "Unsere Kinder sind beschimpft und mit Steinen beworfen worden." Der Vater und die Mutter des Beschuldigten hätten mit Messern zwei Hunde verletzt. Autoreifen seien durchgestochen worden. Es habe Drohungen gehagelt. Einmal habe die Polizei einschreiten müssen, weil im Umfeld des Wohnhauses der Familie Schüsse gefallen seien. Damals sei der Sohn unter Verdacht gestanden. Alen R. sei oft Stunden unter einem Sonnenschirm vor dem Haus gesessen und habe mit starrem Blick die Siedlung beobachtet. "Seit Jahren haben wir Angst vor dieser Familie, auch jetzt noch, wo der Sohn in Haft ist", sagen die Nachbarn. "Wir haben Angst um unsere Kinder."

Oe24.at schreibt: "Alen R. lebte in einem Haus in Kalsdorf, im Speckgürtel von Graz, mit seiner Frau, seinen zwei kleinen Kindern und seinen Eltern. Der Garten ist verwahrlost. Kinderspielzeug liegt in der Wiese, abgewrackte Autos stehen herum.
Angst vor Familie. Die Nachbarn sind sich über Alen R. einig: "Es war nur eine Frage der Zeit, bis etwas passiert. Nachts hat er mit der Schrotflinte vom Balkon geschossen", erzählt Nachbar Martin (32). Seit acht Jahren hagelt es Anzeigen; Streit und Gewalt waren an der Tagesordnung. Die Nachbarn hatten Angst vor der Familie.
Flucht aus Bosnien. 1993 flüchtete die Familie nach Österreich. Aus Bihać, einer Moslemenklave in Bosnien. R.s Vater betrieb im Haus einen Kfz-Handel. Nach Betrugsvorwürfen übergab er diesen an den Sohn, der nebenbei als Kraftfahrer arbeitete.
Behörden untätig. Zuletzt sei er aber nur noch vor dem Haus gesessen und habe Passanten beobachtet. Stundenlang. "Wir haben Augenkontakt gemieden, mit dem Auto extra einen Bogen um das Haus gemacht", erzählt eine Anrainerin. "Die Behörden haben von allem gewusst, aber stets weggeschaut", ergänzt ihr Mann.
Trennung. Am 28. Mai verständigte eine Freundin von R.s Frau die Polizei. Häusliche Gewalt. Sie und die Kinder kamen in ein Frauenhaus - gegen den Willen der Familie. Alen R. verschwand aus der Siedlung."

Soweit einige Zitate aus diversen Medien, die Rechercheergebnisse zum Täter und seinem Umfeld bzw. dem möglichen Hintergrund zum Ausdruck bringen. Nichts davon habe ich erfunden.

Der Vorwurf, ich sei ausländerfeindlich, geht daher völlig ins Leere genauso wie die Behauptung, ich hätte aus der abscheulichen Bluttat politisches Kapital schlagen wollen. Politisches Kleingeld lukrieren zu wollen, müssen sich vielmehr jene zum Vorwurf machen lassen, die mir in offenkundigem Widerspruch zu den Tatsachen schäbige Motive unterstellen. Angesichts dieser üblen Kampagnisierung frage ich mich, welche Niederträchtigkeiten unsere Gegner im Wiener Wahlkampf noch zum Einsatz bringen wollen.

Ich lasse mich jedenfalls von meinem aufrichtigen und ehrlichen Weg für alle Bürgerinnen und Bürger nicht abbringen. Auch so manchem Medium empfehle ich in diesem Zusammenhang die eine oder andere Stunde der Selbstreflexion.

Euer
HC Strache

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