Fall Esperanza: Zwei Verurteilungen wegen Tierquälerei

Urteil im Fall um die schwerverletzte Pekinesin - Strafen für Mutter und Sohn. Esperanza mittlerweile vom Wiener Tierschutzverein in neues Zuhause vermittelt.

Vösendorf (OTS) - Entscheidung im Fall Esperanza: Die circa einjährige Pekinesen-Mischlingshündin wurde Ende Jänner 2015 von der Tierrettung des Wiener Tierschutzvereins (WTV) aus einem Kellerabteil in Wien Meidling geborgen und war fast am ganzen Körper mit tiefgreifenden, eitrigen und nässenden Wunden sowie Hautablösungen übersät. Der Verdacht einer Verbrühung mit heißem Wasser oder Dampf lag nahe. Nach einem intensiven Kampf um ihr Leben konnte schließlich von den WTV-Tierärztinnen Entwarnung gegeben werden. Der Wiener Tierschutzverein erstattete damals Anzeige wegen Tierquälerei. Ende vergangener Woche wurde nun zwei Personen am Landesgericht Baden der Prozess gemacht. Es handelte sich dabei um eine Frau (46) und ihren Sohn (31) aus Wien-Meidling. Die Anklage lautete: Tierquälerei nach Paragraph 222 StGb. Der Mann musste sich zudem noch wegen zweier anderer Delikte, die aber nichts mit dem Fall Esperanza zu tun haben, verantworten.

Durch die Verhandlung kamen jedenfalls einige Details zur Causa ans Licht: Bei den Angeklagten handelte es sich um die Besitzer der Hündin, die damals noch auf den Namen "Tina" hörte. Beide bekannten sich "nicht schuldig". Die Angeklagten bestritten bis zuletzt, von den schweren Verletzungen des Tieres und der anschließenden Ablage im Keller des Wohnhauses gewusst zu haben. Sie gaben an, die Hündin sei Ihnen bei bester Gesundheit entlaufen und sie hätten nach ihr gesucht. Sie konnten aber weder den genauen Zeitpunkt noch den genauen Hergang schildern und tätigten teils widersprüchliche Aussagen. Der Angeklagte behauptete zudem, er sei zum Zeitpunkt der Ereignisse im Ausland gewesen. Dies konnte wiederum durch eine Zeugin wiederlegt werden, die sich damals aufgrund der Medienberichterstattung über Esperanzas Schicksal beim Wiener Tierschutzverein meldete und danach an die Behörden verwiesen wurde. Sie hatte ein paar Tage zuvor einen Mann mit Esperanza spazieren gehen sehen. Dabei war ihr der schlimme Zustand der Hündin aufgefallen und sie empfahl dem Mann, umgehend einen Tierarzt aufzusuchen. Als sie dann im Fernsehen die Hündin wiedererkannte, meldete sie sich umgehend beim WTV. Sie identifizierte sowohl bei der Einvernahme durch die Polizei, als auch im Gerichtssaal den Angeklagten als jenen Mann.

Beide Angeklagten schuldig

Die Richterin hatte jedenfalls keinen Grund an der Zeugin zu zweifeln, ebenso wenig wie an den Aussagen von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Wiener Tierschutzvereins. Sie sprach beide Beschuldigten im Sinne der Anklage schuldig. Die Urteile: Sechs Monate bedingt auf drei Jahre für den Mann (es handelt sich hier um eine Gesamtstrafe für alle drei ihm vorgeworfenen Delikte), eine Geldstrafe in Höhe von 480 Euro für die Frau. Die beiden Angeklagten hätten der Hündin in einvernehmlichem Zusammenspiel unnötige Qualen zugefügt und es verabsäumt, Hilfe zu leisten und sie stattdessen einfach abgelegt, so die Richterin. Mildernd kam hinzu, dass die Angeklagten keine aktive Misshandlung an dem Tier vorgenommen hätten. Der Richterin missfiel zudem, dass der Angeklagte den Hund auf seine minderjährige Tochter angemeldet hatte. Beide Angeklagten verzichteten auf Rechtsmittel. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig, da sich die Staatsanwaltschaft die Möglichkeit einer Erhöhung der Strafe noch offen ließ. "Es ist keine Schande, wenig Geld zu haben beziehungsweise durch Kosten für Tiere überfordert zu sein. Aber deshalb Tiere leiden zu lassen und nicht danach zu trachten, Hilfe zu organisieren, ist schändlich. Wir alle wissen, welch schreckliche Schmerzen schon kleine Verbrennungen verursachen. Was macht erst ein Tier durch, dessen Haut fast zur Hälfte verbrüht wurde? Wenn ein verletztes Lebewesen dann noch von den eigenen Leuten hilflos seinem Schicksal überlassen wird, wie groß muss da die Verzweiflung gewesen sein", sagt WTV-Präsidentin Madeleine Petrovic.

Esperanza in neuem Zuhause

Esperanza ist bereits seit einiger Zeit wieder voll genesen. Von ihrem Martyrium zeugen dank der Bemühungen der WTV-Tierärztinnen nur noch einige kahle Stellen. Die Hündin hat in der Zwischenzeit ein neues Zuhause bei einer Dame gefunden, wo sie ihr Leben nun mit einer zweiten Pekinesenhündin an ihrer Seite so richtig genießen darf.

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