20 Jahre Integrationshaus: Asylmisere beenden, Flüchtlinge schützen, Betreuungsstandards schaffen!

Das Integrationshaus kritisiert anlässlich seines 20. Geburtstages und des „Tags des Flüchtlings“ die Flüchtlingspolitik

Wien (OTS) - "In Österreich braucht es keine Zelte sondern ein politisches Bekenntnis zu Betreuungsstandards in der Grundversorgung, damit Asylsuchende ihren Bedürfnissen entsprechend gut betreut werden", fordert Geschäftsführerin Eraslan-Weninger anlässlich 20 Jahre Integrationshaus. Die Unterbringung und qualitative Betreuung von Flüchtlingen ist nach Meinung des Integrationshauses keine Frage des Könnens, sondern eine Frage des politischen Wollens. Leider gibt es von Seiten der Innenministerin kaum Interesse, aus den langjährigen Erfahrungen von NGOs zu lernen und die notwendigen Änderungen umzusetzen. Ganz im Gegenteil: sie weist an Asylverfahren nicht zu bearbeiten, nur noch Ab- und Rückschiebungen durchzuführen, unbegleitete minderjährige Flüchtlinge werden verantwortungslos verwahrt und bleiben ohne Betreuung. Asylsuchende dürfen nicht arbeiten und sind zum Nichtstun verdammt. Integration wird nicht gefördert, sondern behindert. Nun hat die Regierungsspitze angekündigt, die Koordination in Asylfragen zu übernehmen und auch die NGOs einzubeziehen. "Wir hoffen, dass die Lösungsvorschläge der NGOs endlich ernst genommen und umgesetzt werden", verlangt Eraslan-Weninger, Geschäftsführerin des Integrationshauses.

Betreuungsstandards

Unbegleitete minderjährige Flüchtlinge sollen österreichweit den Standards der Kinder- und Jugendhilfe entsprechend versorgt werden. Die derzeitige Situation, dass unbegleitete minderjährige Flüchtlinge zumeist ohne adäquate Betreuung bleiben, ist vollkommen unakzeptabel! Dafür braucht es Tagsätze, die der Kinder- und Jugendhilfe entsprechen. Das Projekt Caravan im Integrationshaus ist hier ein Vorbildprojekt, das österreichweit umgesetzt werden sollte. Hier werden unbegleitete minderjährige Flüchtlinge entsprechend der Kinder- und Jugendhilfe im Rahmen der vollen Erziehung betreut. Rund um die Uhr steht ein Team von mehrsprachigen und interkulturell geschulten SozialpädagogInnen zur Verfügung. Alle sind im Umgang mit traumatisierten Flüchtlingen geschult. Es gibt eine Tagesstruktur mit vielfältigen Bildungs- und Freizeitangeboten und eine gute rechtliche Begleitung im Asylverfahren. Als Integrationshaus fordern wir eine sofortige Übernahme sämtlicher unbegleiteter minderjähriger Flüchtlinge (UMF) in die Verantwortung der Kinder- und Jugendhilfe der Bundesländer, zu den gleichen Unterbringungsstandards wie für österreichische Kinder. Die Tagsätze für die Betreuung müssen angehoben werden, dann können auch entsprechende Unterbringungseinrichtungen geschaffen werden! "Es ist es vollkommen unverständlich, dass die Kinder- und Jugendhilfe nicht tätig wird, wenn an die 1.000 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge ohne entsprechende Genehmigungen der Kinder- und Jugendhilfe und ohne Obsorgeberechtigte in Traiskirchen oder anderen Bundesbetreuungsstellen einfach nur verwahrt werden!", kritisiert Andrea Eraslan-Weninger.

Auch der Tagsatz für organisierte Quartiere müsste auf 25 Euro angehoben werden. Dann wäre es möglich, Quartiere mit adäquaten Betreuungsstandards anzubieten. Es braucht auch eine sofortige Angleichung der Kostenersätze für privat Wohnhafte an jene der organisierten Quartiere, damit Asylsuchende am Wohnungsmarkt leichter Unterkünfte finden können.

Grundversorgung entlasten durch Integrationsmaßnahmen

Es braucht die Bereitstellung von Wohnraum für Asylberechtigte und subsidiär Schutzberechtigte, sowie flächendeckende Integrationsangebote. Als Integrationshaus fordern wir Integration von Anfang an für Asylsuchende. Ihnen sollen bereits im Asylverfahren Sprach- und Bildungsmaßnahmen zur Verfügung stehen, dies erleichtert dann den Zugang zum Arbeitsmarkt und ermöglicht Verselbständigung. Einen Zugang zum Arbeitsmarkt soll es spätestens nach 6 Monaten geben und ebenso die Möglichkeit, Arbeitsmarktförderungsmaßnahmen in Anspruch zu nehmen. Für anerkannte Flüchtlinge, subsidiär Schutzberechtigte und nicht abschiebbare Fremde braucht es ein österreichweites Integrationsprogramm, welches gemeinsam von Bund und Ländern finanziert wird. Damit würde auch die Grundversorgung entlastet werden. Es braucht eine Integrationsoffensive für Flüchtlinge. Von den aktuell in der Grundversorgung befindlichen Personen haben bereits mehr als 6.000 einen Flüchtlingsstatus oder sind subsidiär schutzberechtigt.

Europa darf sich nicht abschotten

Weltweit sind mehr als 52 Millionen Menschen auf der Flucht. Nur ein ganz geringer Teil der Menschen gelangt nach Europa. Europa muss hier umdenken und legale Fluchtwege öffnen und viel mehr Flüchtlingen Schutz bieten! Anstatt skandalöser Abwehrpolitik brauchen wir eine Politik, die den Schutz von Flüchtlingen in den Mittelpunkt stellt. "Europa darf sich nicht abschotten. Nicht vor Flüchtlingen, nicht vor Armut. Eine Einigung zu einer großzügigen solidarischen Aufnahme ist ganz dringend geboten! Österreich soll hier als zweitreichstes Land der EU einen ganz wichtigen Beitrag leisten", verlangt Eraslan-Weninger, Geschäftsführerin des Integrationshauses

Das Integrationshaus wird 20 Jahre

Im Juni 2015 wird das Integrationshaus zwanzig Jahre alt. Zwanzig Jahre ist es her, dass die ersten BewohnerInnen, damals vor allem Flüchtlinge aus Bosnien, eingezogen sind. Heute ist das Integrationshaus ein anerkanntes Kompetenzzentrum zur Aufnahme und Integration von Asylsuchenden, Flüchtlingen und MigrantInnen. An die 120 MitarbeiterInnen, die mehr als 40 verschiedene Sprachen sprechen, begleiten pro Jahr in den verschiedenen Fachbereichen an die 4.600 Menschen. Das Integrationshaus ist ein Modellprojekt für Europa und die Arbeit, die hier geleistet wird, ist wichtiger als je zuvor!

Rückfragen & Kontakt:

Nikolaus Heinelt
Öffentlichkeitsarbeit
Verein "Projekt Integrationshaus"
1020 Wien, Engerthstraße 163
Phone +43/1/212 35 20-66, Fax +43/1/212 35 20-30
mailto: n.heinelt@integrationshaus.at

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | IGH0001