„Ironie und tiefere Bedeutung“: Ö1 gratuliert Kurt Schwertsik zum 80. Geburtstag

Wien (OTS) - Ö1 widmet dem vielfach ausgezeichneten österreichischen Komponisten und Musiker Kurt Schwertsik anlässlich seines 80. Geburtstags am 25. Juni ein vierteiliges "Radiokolleg" und acht weitere Sendungen.

"Mit Ironie am Abgrund" - so der Titel vom "Café Sonntag" (9.05 Uhr) am 21. Juni, in dem Kurt Schwertsik zu Gast bei Eva Rossmann ist. Ein Kammermusikabend mit Streichquartetten von Kurt Schwertsik steht dann ab 19.30 Uhr auf dem Programm von "Aus dem Konzertsaal". Ein O-Ton von Kurt Schwertsik als authentischer Wegweiser zum Inhalt dieser Sendung: "Auf eine mir fast unerklärliche Weise hat sich das Streichquartett als mein liebstes Medium erwiesen, zumindest was die Kammermusik anbelangt. Beim Streichquartett da blühe ich auf, da freu ich mich. Musiksprache an sich ist immer etwas Ernsthaftes. Also Musik ist meiner innersten Überzeugung nach eigentlich ein quasi-religiöser Weg. Und was diesbezüglich das Streichquartett betrifft, ist es diese Art der Entwicklung des Materials, wie sich die Stimmen entwickeln, wie das Material sich verästelt; dafür eignet sich Streichquartett am besten. Das ist komisch."

"Ironie und tiefere Bedeutung" ist der Titel des vierteiligen "Radiokollegs" von Montag, den 22. bis Donnerstag, den 25. Juni jeweils um 9.45 Uhr in Ö1. Seine oft heiteren, mit viel Witz und mit Leichtigkeit überraschenden Werke täuschen wohl ein wenig: Funkelnde Wachheit, ungemeine geistige Beweglichkeit und Wendigkeit sind nur die eine, die voreilig als bestimmend angesehene Seite. Die andere Seite neigt zum Bedenken tieferer Bedeutung, zur Bedenklichkeit, zum Nachsinnen; nur unzureichend bezeichnet mit "Überlegung". Kurz: Wer Kurt Schwertsik als Quelle sprudelnder, blitzender Einfälle versteht, irrt und verkennt sein Grundwesen und das seiner Werke. Seine Rückkehr zur "Tonalität" nach langen Jahren der intensiven Auseinandersetzung mit den verschiedenen Richtungen musikalischer Avantgarde hat ihn keineswegs in einen "Konservativen" verwandelt. Viel eher gewinnt man den Eindruck, dass allgemeine Verständlichkeit der musikalischen Sprache bei ihm aus einem tiefen Bedürfnis nach Kommunikation entstanden ist. Darin liegt keine Skepsis gegenüber intellektuellen Inhalten, ganz im Gegenteil. Kaum jemand ist so sehr wie er in der Lage, über komplexe analytische und strukturelle Fragen (nicht nur) der Musikgeschichte zu sprechen, aber eben so, dass auch Laien ihn verstehen. Musik löst sich bei ihm nicht ab vom normalen Leben, verschwindet in keinem elfenbeinernen Turm der Kennerschaft, beansprucht keine Absolutheit - obwohl er mehr als bereit ist, absolute Musik als solche anzuerkennen und zu erkennen. Seine enge Bekanntschaft mit vielen bedeutenden zeitgenössischen Komponisten macht ihn zu mehr als nur einer Fundgrube der gegenwärtigen musikalischen "Welt". Besonders hervorzuheben sind seine freundschaftlichen Verbindungen zu Friedrich Cerha und zu Otto M. Zykan: Mit dem 1958 gemeinsam mit Friedrich Cerha gegründeten Ensemble "die reihe" und den 1965 gemeinsam mit Otto M. Zykan gründeten "Salon-Konzerten" gehört Kurt Schwertsik zu den maßgeblichen Wegbereitern zeitgenössischer Musik in Österreich mit internationalem Widerhall.

Die Ö1-Reihe "Zeit-Ton" (Beginn: jeweils um 23.03 Uhr) steht dreimal ganz im Zeichen des Musikers. "Wozu brauch ich Füße, wenn ich fliegen kann" - Ein neues Werk von Kurt Schwertsik, beruhend auf seiner Theatermusik für Johann Kresnik steht am Montag, den 22. Juni im Sendungsmittelpunkt. Am Dienstag, den 23. Juni ist ein Porträt über ihn zu hören und am Donnerstag, den 25. Juni setzt sich "Zeit-Ton" mit "Liebesträumen" aus Schwertsiks Werken opus 1 bis 7 auseinander.

"Irdische Klänge und Baumgesänge" - Orchestermusik von Kurt Schwertsik mit Philharmonikern, Symphonikern und dem RSO Wien ist am Mittwoch, den 24. Juni ab 19.30 Uhr in "Philharmonisches in Ö1" zu hören.

Am Donnerstag, den 25. Juni - Schwertsiks Geburtstag - bringt "Stimmen hören" (19.30 Uhr) Vokalmusik des jubilierenden Komponisten und sonstige Einfälle. Kurt Schwertsik schreibt die Oper "Die Welt der Mongolen" (oder "Motoren") - "Zeitoper" (mit Michael Köhlmeier-Text) um 1990. Verträgt sie sich mit Genretypischem aus den 1920ern? Kurt Schwertsik schreibt Lieder auf "Starckdeutsch" - wie klingen die, die derlei ernsthaft produzierten? Kurt Schwertsik komponiert "im Ton des Mönchs von Salzburg" - wie hält die Salzburger Musiker-Vätergeneration dagegen? Kurt Schwertsik schreibt einen "Querschnitt durch eine Operette" - warum ihm nicht zum 80. Geburtstag auch genau das vorspielen?

In der "Ö1 Jazznacht" am Samstag, den 11. Juli (ab 23.03 Uhr) ist Kurt Schwertsik, der als nicht selten schalkhafter, der Tonalität verbundener Quer- und Freidenker der zeitgenössischen Musik auch dem Jazz seit Jahrzehnten zugetan ist, zu Gast. Mit Andreas Felber spricht der Wiener Komponist über seine einschlägigen Vorlieben, von Gil Evans bis Thelonious Monk, sowie über die Verbindungslinien zwischen afroamerikanischer Musik und seinem Oeuvre. Das Programm im Detail ist abrufbar unter http://oe1.orf.at.

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