Tiroler Tageszeitung, Ausgabe vom 17. Juni 2015; Leitartikel von Max Ischia: "Die Zeichen stehen auf Scheidung"

Innsbruck (OTS) - Im neu aufgeflammten Konflikt zwischen Anna Fenninger und dem Österreichischen Skiverband (ÖSV) sind Konsequenzen unausweichlich. Vom Verbandsausschluss bis zum vorzeitigen Karriereende ist alles möglich.

Die Frage, ob es rechtens war, dass Anna Fenninger unter dem Deckmantel sozialen Engagements und des Tierschutzes ihr smartes Gesicht einer Mercedes-Benz-Werbekampagne leiht, wird noch zu beantworten sein. Weil Fenningers Manager Klaus Kärcher und der Österreichische Skiverband diesbezüglich komplett konträre Auffassungen haben, wird das wohl ein Gericht entscheiden müssen. Moralisch bedenklich und gewissermaßen schwer nachvollziehbar ist der werbetechnische Ausflug Fenningers allemal. Zumal der ÖSV einen exklusiven Sponsorvertrag mit Mercedes-Konkurrent Audi hat.
Ob nun der ÖSV in diese Causa - wie von Fenninger-Seite versichert wird - eingeweiht war oder nicht, bleibt vorerst ungeklärt. Da prallen Aussage gegen Aussage aufeinander. Das nach dem so genannten Aussprache-Gipfel vor einer Woche zaghaft aufgebaute Vertrauensverhältnis ist jedenfalls zerrüttet - und spätestens seit gestern, 19:11 Uhr, wohl unwiederbringlich zerstört. Seit Fenninger auf Facebook zur Generalabrechnung ausholte und die ÖSV-Verantwortlichen das Misstrauen aussprach. Von Hintergehungen, von nicht eingehaltenen Versprechungen, von einem System, in welchem Frauen stets zurückstecken müssen, von Leuten, die alles unternehmen würden, um sie fertigzumachen und von einem stolzen Tiroler, der am Ende des Tages die Hände nicht mehr runter bekommt, war da die Rede. Auf der anderen Seite die enttäuschten ÖSV-Spitzen. Wenn selbst zwei auf Diplomatie geschulte Herrschaften wie Klaus Leistner (ÖSV-Generalsekretär) und Hans Pum (Sportdirektor) angesichts der Mercedes-Kampagne wortwörtlich von Verarschung sprechen und ÖSV-Boss Peter Schröcksnadel Hinterfotzigkeit und Geldgier ortet, dann ist die Sachlage klar. Die Zeichen stehen auf Sturm. Mehr noch: Sie stehen auf Scheidung.
Auch wenn Mercedes gestern auf Schröcksnadels Forderung, die Kampagne unverzüglich zu stoppen, prompt reagierte, ist schwer vorstellbar, dass Fenninger und der ÖSV angesichts der gegenseitigen Darstellungen und Schuldzuweisungen noch eine gemeinsame Zukunft haben.
Die Frage scheint nur noch, wer die Trennung vollzieht. Wirft der ÖSV seine Paradeathletin aus dem Verband oder zieht Fenninger die Konsequenzen und beendet ihre Karriere? So wie das die 25-Jährige vor einem Monat schon einmal in einem - irrtümlich (?) - öffentlich gewordenen E-Mail angedroht hatte.

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