Erfolgreich leben mit Multipler Sklerose: was die Gesellschaft dazu beitragen sollte

Wien (OTS) - "Viele Menschen mit Multipler Sklerose (MS) machen etwas aus ihrem Leben. Manche nicht trotz, sondern gerade wegen ihrer Erkrankung", betonte der Referent für Soziales des Dritten Präsidenten des Nationalrates, Arndt Praxmarer, bei einer Podiumsdiskussion zum Thema "Living MS - soziale Aspekte der Behinderungsprogression". Praxmarer ist selbst seit 20 Jahren von MS betroffen und betreut als Wirtschaftscoach auch einige Menschen mit MS: "Es sind großartige, erfolgreiche Persönlichkeiten, die in großem Kontrast zum Bild stehen, das die Öffentlichkeit von Menschen mit MS hat. Mein Appell: Patienten mit Multipler Sklerose sollten sich mehr zutrauen, und vielleicht noch wichtiger: Die Gesellschaft sollte ihnen mehr zutrauen."

Das wünscht sich auch Barbara Blaschke, eine junge MS-Betroffene, bei der die Diagnose bereits 1997 gestellt worden war, und die vor kurzem Mutter wurde: "Es würde MS-Betroffenen sehr helfen, von der Gesellschaft anders wahrgenommen zu werden. Noch müssen wir uns sowohl im Berufs- als auch im Privatleben die Frage stellen, wem und vor allem auch wann wir von unserer Erkrankung erzählen. Die Krankheit beherrscht meinen Alltag nicht, und ich grüble auch nicht über die Zukunft. Ich möchte von meinem Umfeld als der energiegeladene, lebensfrohe Mensch gesehen werden, der ich bin." Der Neurologe Professor Eduard Auff verwies auf den Wandel der Multiplen Sklerose in den letzten Jahrzehnten: "Vor 40 Jahren war die MS anders als heute. Wir verfügen jetzt über ein breites Spektrum an sehr effektiven Behandlungsmöglichkeiten, die den Erkrankungsverlauf wesentlich verbessert haben. Das Wissen darüber ist in der Bevölkerung aber noch nicht vorhanden. "Sein Fachkollege Professor Thomas Berger fügte hinzu: "Die Mehrheit der heute von MS Betroffenen ist selbst nach 10-jähriger Erkrankung nicht oder kaum eingeschränkt. Kein Patient mit Multipler Sklerose stellt sich ins Abseits, die Ausgrenzung geschieht durch die Gesellschaft. Es liegt an uns allen, das zu verändern."

In der Wahrnehmung von Menschen mit Multipler Sklerose sollte, so die Neurologin Professorin Siegrid Fuchs "die Persönlichkeit im Vordergrund stehen und nicht die Erkrankung". Es sei die Aufgabe der Gesellschaft, Menschen mit Multipler Sklerose bestmöglich darin zu unterstützen, ein unabhängiges Leben zu führen und am Arbeitsleben und am Sozialleben teilzunehmen. Fuchs betonte: "Wir wissen, dass die Lebensqualität von MS-Betroffenen umso besser ist, je erfolgreicher die Behandlung und je höher die Zufriedenheit der Menschen mit ihrer Behandlung ist. Die Unterstützung muss aber über die bestmögliche medizinische Versorgung hinausgehen. Denn soziale Ausgrenzung macht zusätzlich krank und unglücklich. Die Gesellschaft ist dazu aufgefordert, initiativ zu werden."

Auf die teils gravierenden ökonomischen Folgen der MS verwies der Gesundheitsökonom Professor Bernhard Rupp: "Die Stigmata und sozialen Belastungen durch MS führen speziell bei jüngeren Betroffenen dazu, dass sie ihr Potential nicht ganz ausschöpfen (können), was sich nachteilig auf ihre Ausbildungs-, Lebens- und Karriereplanung und damit auf die Lebensverdienstsumme und die Pensionsansprüche auswirken kann." Er sieht dringenden Handlungsbedarf der Verantwortlichen in der Gesundheitspolitik: "Es ist höchst an der Zeit, dass die Finanzierung der Gesundheitsleistungen aus einem Topf erfolgt. Solange die Früchte der Leistungen aus der Krankenversicherung von der Pensionsversicherung geerntet werden, werden die Ressourcen nicht bestmöglich genutzt. Den Schaden haben nicht nur die Patienten, sondern auch die Gesellschaft."

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