Kaske: „Endlich Aufstieg durch Bildung ermöglichen“

Noch immer entscheidet Familienhintergrund über Aufstiegschancen, zeigt Studie über Bildungswege von Geschwistern

Wien (OTS) - Der Familienhintergrund ist in Österreich für die Aufstiegschancen wichtiger als das persönliche Wissen und Können der Kinder. Das zeigt jetzt eine von der Arbeiterkammer beauftragte Auswertung der jüngsten Registerdaten-Volkszählung: Nur knapp über drei Prozent der Geschwister von PflichtschulabsoventInnen haben einen Hochschulabschluss, aber 44 Prozent der Geschwister von AkademikerInnen. Die Studie wird heute auf einer AK Veranstaltung präsentiert. "Bildung und damit die Lebenschancen werden bei uns vererbt, nicht aufgrund von Talent erworben", kritisiert AK Präsident Rudi Kaske. "Wir müssen endlich Aufstieg durch Bildung ermöglichen." Kaske fordert Maßnahmen, damit jedes Kind seine Chance bekommt - vom zweiten verpflichtenden Gratiskindergartenjahr bis hin zu einer sozialen Schulfinanzierung, damit Kinder aus sozial benachteiligten Familien besser gefördert werden können.

Für die Studie über die Bildungswege von Geschwistern haben René Böheim und Christina Judmayr von der Universität Linz die anonymen Volkszählungsdaten von über 190.000 Geschwisterpaaren in Österreich ausgewertet ("Chancengleichheit in Österreich - Bildungs- und Einkommenskorrelationen von Geschwistern"). Das Ergebnis: Hat jemand einen formal niedrigen Bildungsabschluss, gilt das auch mit hoher Wahrscheinlichkeit für die Geschwister. Bei einem formal hohen Abschluss haben auch die Geschwister einen entsprechenden Abschluss:

Bedingte Wahrscheinlichkeiten von Bildungsabschlüssen bei Geschwistern in Prozent; beide bereits erwerbstätig Höchster Höchster Abschluss Geschwister 2 Abschluss Pflicht- Lehre/ AHS, BHS, Uni, FH Geschwister 1 schule BMS Kolleg Pflichtschule 38,6 43,8 14,4 3,3 Lehre/BMS 22,4 54,8 16,8 6,0 AHS, BHS, Kolleg 12,7 30,4 37,0 20,0 Uni, FH 5,3 18,2 32,6 43,9 (Quelle: Böheim, Judmayr: Chancengleichheit in Österreich)

Auch die Einkommen der Geschwister ähneln sich stark, ergibt die Studie. "Damit wird deutlich, dass Kinder aus sozial benachteiligten Familien schlechtere Chancen haben", sagt AK Präsident Rudi Kaske:
"Für mich sind Bildungsreformen in Österreich eine Frage der sozialen Gerechtigkeit."

Damit jedes Kind seine Chance bekommt, will die Arbeiterkammer ein zweites, verpflichtendes Gratiskindergartenjahr. Die ganztägigen Schulen müssen ausgebaut werden, um die Familien von teurer Nachhilfe und vom Lernen mit den Kindern zu entlasten. Ebenso müssen die Fachhochschulen ausgebaut, Studium und Beruf besser vereinbar gemacht werden.

Die AK verlangt überdies eine soziale Schulfinanzierung: Schulen sollen umso mehr Mittel bekommen, je mehr sozial benachteiligte Schülerinnen und Schüler sie haben, verlangt Kaske: "Wir brauchen eine Schule, die hilft, wo die Eltern nicht helfen können."

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