Die ÖsterreicherInnen werden Freude an ihrem neuen Parlament haben

Ein Bauprojekt, das jungen ArchitektInnen Mut machen kann

Junge ArchitektInnen diskutieren über öffentliche Bauprojekte
Wien - Das Parlamentsgebäude an der Wiener Ringstraße ist in die Jahre gekommen und bedarf einer Generalsanierung. Die Ideen des Generalplaners, des Architektenteams Jabornegg&Palffy für die Instandsetzung und Modernisierung des Prachtbaus von Theophil Hansen präsentierte Architekt Christian Jabornegg heute Abend im Palais Epstein. Der Generalplaner erläuterte die Absicht, die Räume Theophil Hansens weitestgehend zu sanieren und von späteren Einbauten zu befreien. Zusätzliche Räume für die Öffentlichkeit und Arbeitsplätze sollen im Dachgeschoss und im Erdgeschoss des Hauses geschaffen werden. Orientierung und Blickverbindungen im Haus und nach außen sollen verbessert werden. Detaillierte Einblicke gab der Architekt auch in seine Pläne für eine flachere und barrierefreie Gestaltung des Sitzungssaales des Nationalrats und für die Erweiterung des Couloirs.

Parlamentssanierung im Fokus öffentlichen Interesses

Jaborneggs Präsentation bildete Grundlage und Ausgangspunkt einer Fachdiskussion über Wechselwirkungen zwischen Architektur, Politik und Öffentlichkeit. Die Veranstaltung wurde von der seit zwei Jahren bestehenden "Young International Construction Management Association (YIPMA)" initiiert und mitgestaltet. Die jungen ArchitektInnen und BauingenieurInnen wollen, so deren Sprecher, Philipp Hain und Daniel Balla, die große öffentliche Aufmerksamkeit, die die Generalsanierung eines Hauses vom architektonischen Rang, der historischen Bedeutung und der politischen Symbolkraft des Parlamentsgebäudes auf sich zieht, nutzen, um über "Architekten und Ingenieure, Politik und Öffentlichkeit" zu diskutieren.

Am Podium nahmen der Leiter des Projekts "Sanierung Parlamentsgebäude", Parlamentsvizedirektor Alexis Wintoniak, Generalplaner Christian Jabornegg, der Vorsitzende der Bundessektion Architekten in der Kammer der Architekten und Ingenieurkonsulenten, Georg Pendl, sowie Grün-Abgeordneter und Mitglied des Nutzerbeirats der Parlamentssanierung, Dieter Brosz, Platz teil. Die YICPMA vertrat Philipp Hain, für die Moderation der Diskussion sorgte Daniel Balla.

Urbanisierung lässt Verantwortung der Architekten wachsen

Zur öffentlichen Wahrnehmung von ArchitektInnen und BauingenieurInnen in der Öffentlichkeit meinte Georg Pendl, es bestehe ein realistisches Bild von BauingenieurInnen. ArchitektInnen würden aber nach wie vor allzu sehr mit großen Bauprojekten in Verbindung sehe und deren wachsende Bedeutung im Wohnbau sowie bei gewerblichen und industriellen Bauwerken übersehen. Die "gebaute Umwelt" beeinflusse das Leben der Menschen infolge der weltweiten Urbanisierung immer stärker - und damit nehme die Verantwortung von ArchitektInnen zu, sagte Pendl. Das Ansehen von ArchitektInnen und BauingenieurInnen sei gut, sie sollten aber noch stärker in die Öffentlichkeit gehen und ihre Anliegen besser darstellen, merkte Philipp Hain an.

Professionelle Compliance schützt Interessen der Bauherren

Das aufwendige, aus seiner Sicht aber vernünftige europäische Vergabeverfahren für Planungsaufträge schilderte Alexis Wintoniak, der sich froh darüber zeigte, gute Partner für die Parlamentssanierung gefunden zu haben. Bei großen Projekten sei der Markt überschaubar und von starken Verflechtungen charakterisiert. Daher sei eine professionelle Compliance wichtig, um die Interessen des Bauherrn wahren zu können, hielt Wintoniak fest.

Bestbieterprinzip bei Planungsleistungen

Das Vergabegesetz sei gut und biete die Möglichkeit, zu vernünftigen Ergebnissen und Lösungen zu kommen, sagten Christian Jabornegg und Georg Pendl übereinstimmend. Die neue, bis 2016 umzusetzende EU-Richtlinie gebe den EU-Ländern die Möglichkeit, bei Planungsleistungen vom Billigst- auf das Bestbieterprinzip überzugehen. Diese Möglichkeit sollte Österreich nutzen, sagte Pendl, der ausdrücklich für qualitätsorientierte Vergabeverfahren plädierte.

Großprojekte: Bürgerbeteiligung nur begrenzt möglich

Dieter Brosz (G) schilderte die besonderen Herausforderungen bei der Parlamentssanierung, indem er zunächst auf die unterschiedlichen Nutzerinteressen - sechs Klubs und die Parlamentsdirektion - hinwies. Dazu komme die Aufgabe, unter Bedingungen des Denkmalschutzes ein Parlamentsgebäude zu modernisieren, das ursprünglich nicht als Arbeitsgebäude konzipiert war. Für Brosz ist es wichtig, ein modernes Arbeitsparlament für die kommenden Jahrzehnte zu schaffen und kein Museum.

Beim Thema Bürgerbeteiligung bekannte sich Brosz zur Partizipation in der Gesetzgebung, sah bei der öffentlichen Beteiligung an der Planung von Großbauprojekten aber Grenzen. Für Christian Jabornegg ist das demokratische Prinzip durch Einbindung gewählter Vertreter in den Planungsprozess gewährleistet, eine Möglichkeit, Bauentscheidungen allgemein abzustimmen, sah er nicht. Diese Auffassung teilte auch Alexis Wintoniak, der es etwa ausschloss, Preiskalkulationen öffentlich zu diskutieren. Transparenz sei wichtig, wo sie bestimmten Zwecken diene, etwa den Interessen der BürgerInnen und der SteuerzahlerInnen. Sie könne bei Bauprojekten aber keinen absoluten Wert darstellen. Wichtig sei es, Entscheidungsprozesse richtig abzuwickeln und für Qualität zu sorgen.

ÖsterreicherInnen werden Freude an ihrem neuen Parlament haben

Beim Thema Regulierung und Baunormen machte Wintoniak darauf aufmerksam, dass Normen vielfach auf Wünsche von Interessensgruppen zurückgehen, was dazu führen könne, dass Baukosten in kurzer Zeit stark steigen. Bei Großprojekten werden in der Öffentlichkeit Fehler stark wahrgenommen, stellte Georg Pendl fest, Fehler, die vielfach auf Entscheidungsschwächen bei den Bauherren zurückzuführen seien. Alexis Wintoniak ortete bei öffentlichen Bauprojekten einen Trend zur Sozialisierung von Verantwortung und zur Verlagerung von Entscheidung in Gremien und Kommissionen, weil der Verwaltung Risiko systemfremd sei. Das dort angestrebte Maximum an Sicherheit koste bei öffentlichen Bauprojekten aber viel Zeit und Geld. Den jungen ArchitektInnen und BauingenieurInnen sollte das Projekt Parlamentssanierung dennoch Mut machen, an öffentlichen Großprojekten mitzuwirken. Es sei gelungen, einhellige Beschlüsse für das Projekt einer nachhaltigen Sanierung und für eine gesetzliche Grundlage zu fassen. Einstimmig wurde nach einem EU-weiten Auswahlverfahren auch der Generalplaner bestellt und die Kosten in die mittelfristige Budgetplanung des Bundes einstellt, berichtete Wintoniak. Dieses Projekt brauche Geduld, sein Ergebnis werde den acht Millionen ÖsterreicherInnen aber Freude machen, zeigte sich Wintoniak überzeugt. (Schluss) fru

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