Aliyev-Prozess - Zeuge schildert grausame Details

Opfer wurde in Käfig gefangen gehalten

Wien (OTS) - Beim heutigen Verhandlungstag im Aliyev-Prozess kamen grausige Details zur Sprache. Der Zeuge Tulegen Imashev, Aliyevs ehemaliger Assistent, schilderte, wie etwa der entführte Banker Zholdan Timraliyev in einem kleinen heißen Raum in einem Käfig gefangen gehalten wurde. Später wurde er, ebenso wie das andere spätere Mordopfer Aybar Khasenov, tagelang an einen Heizkörper gefesselt, er musste auf einer Matratze liegen, die bereits völlig durchnässt war. Khasenov musste in eine Plastikflasche urinieren.

"Timraliyev wirkte sediert und war praktisch nicht ansprechbar", erzählte der Zeuge. Khasenobv sei zu Beginn hingegen noch gesprächsfähig gewesen: "Ich habe ihm gesagt, er soll alles tun, was Aliyev verlangt, dann wird alles wieder ok." Die Gefangenen konnten keine Wäsche wechseln, sie lagen nur gefesselt auf ihren Matratzen, hatten die blauen Arbeitsmäntel an, die man ihnen beim Herausgehen aus der Nurbank angezogen hatte "Damit man glaubt, es sind technische Arbeiter von Alma TV", schilderte derZeuge.

Insgesamt verbrachte Imashev etwa drei Tage mit den Entführten. Er hörte Schreie und, "dass jemand verprügelt wird." Aliyev und Koshlyak seien immer am Abend gekommen und seien zu den Gefangenen gegangen. Er sei dann aber hinausgegangen.

Er hätte den Gefangenen täglich Tabletten geben sollen, was er aber nicht tat. "Ich habe die Tabletten einfach nicht aus der Schachtel genommen, die in einem Schrank waren", so der Zeuge. Niemand hätte die Tabletten nachgezählt.

Aliyev hatte ihm gesagt, die beiden Männer hätten sein Geld gestohlen und würden nun nur festgehalten, bis die Finanzpolizei käme. Diese kam aber nie. Den Angeklagten Alnur Mussayev habe er in der ganzen Zeit nie gesehen. Die Vorgänge am 31. Jänner 2007 in der Nurbank schilderte Imashev übereinstimmend mit den bisher vernommenen Zeugen. So bestätigte er etwa das Detail, dass Koshlyak verärgert war, weil bei den Handschellen, die ihm ein Mitarbeiter gebracht hatte, die Schlüssel fehlten. Deswegen wurde Khasenov schließlich mit einem Kabelbinder gefesselt.

Als Imashev nach Wien kam, wurde er bei Aliyev dritter Botschaftssekretär. Seine anwaltliche Vertretung zahlte Aliyev, er gab auch vor, welche Aussagen Imashev machen solle. "Er hat gesagt, die Banker wurden von der Finanzpolizei abgeholt, ich soll mir keine Sorgen machen und aussagen, was er vorbereitet hat."

"Als Aliyev verhaftet wurde, bekam ich Angst, auch verhaftet zu werden. Ich habe gesehen, dass der Plan von Aliyev nicht funktioniert", so der Zeuge weiter. Deshalb habe er sich an die Staatsanwaltschaft gewandt und die Wahrheit gesagt. Auf Nachfrage der Verteidiger sagte Imashev, es habe ihn niemand unter Druck gesetzt, diese Aussage zu tätigen, auch seine Familie in Kasachstan sei nicht unter Druck gesetzt worden. Sein Strafverfahren in Österreich wurde mit Diversion gelöst.

Opferanwalt Gabriel Lansky: "Nach der heutigen Aussage kann es keinen Zweifel mehr geben, dass die beiden Banker von Aliyev und Koshlyak entführt, gefangen gehalten und gefoltert wurden. Wir haben jetzt über dreißig Zeugen gehört, von der Putzfrau bis zum Ex-Generaldirektor, vom Bodyguard bis zum Assistenten. Und eben heute Herrn Imashev, der bei den grausamen Geschehnissen persönlich dabei war. Diese Schilderungen, diese Details kann man nicht erfinden und konstruieren."

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