Studie berechnet erstmals wirtschaftliche Bedeutung der Gemeinnützigkeit

Mit einer Wertschöpfung von zehn Milliarden Euro lässt der Sektor Branchen wie Energie oder Bauwirtschaft hinter sich; im Vergleich zu Deutschland besteht dennoch Aufholbedarf

Linz (OTS) - Bislang waren gemeinnützige Aktivitäten in verschiedensten Bereichen der Gesellschaft zwar geschätzt, ihre volkswirtschaftliche Bedeutung aber wurde deutlich unterschätzt. Das beweist eine von Univ. Prof. Dr. Gottfried Haber (Donau-Universität Krems) im Auftrag der Vinzenz Gruppe erstmals durchgeführte Analyse über die "Ökonomische Bedeutung der Gemeinnützigkeit in Österreich". Haber präsentierte die Studie am Donnerstag, den 11. Juni, in Linz gemeinsam mit dem oberösterreichischen Landeshauptmann und Gesundheitsreferenten Dr. Josef Pühringer und Dr. Michael Heinisch, dem Vorsitzenden der Geschäftsleitung der gemeinnützigen Vinzenz Gruppe.

Sukkus der volkswirtschaftlichen Analyse Habers: Zieht man alle Bereiche der Gemeinnützigkeit - vom Bereich Freiwilligkeit/Gemeinnützigkeit/Non-Profit-Organisationen über Spenden und CSR bis hin zur informellen Freiwilligkeit - heran, ergibt das für Österreich eine jährliche Wertschöpfung von rund zehn Milliarden Euro. Das entspricht einem Anteil von rund drei Prozent am BIP. Darüber hinaus können rund 70.000 Arbeitsplätze dem Bereich Gemeinnützigkeit zugerechnet werden. Professor Haber zu diesen Eckdaten: "Die enorme Bedeutung der Gemeinnützigkeit als Wirtschaftsfaktor zeigt sich auch im Vergleich zu anderen Bereichen. Der gemeinnützige Sektor erzielt fast doppelt so viel Wertschöpfung wie der Bereich Energieversorgung und zwei Drittel des Volumens der Bauwirtschaft."

Für Landeshauptmann Dr. Josef Pühringer untermauern diese Zahlen auch die politische Bedeutung der Gemeinnützigkeit. "Es gibt viele Bereiche, die ohne das Engagement des Einzelnen und zahlreicher Institutionen nicht in dieser ausgezeichneten Qualität bestehen würden. Oder umgekehrt formuliert: gemeinnützige Institutionen leisten einen unverzichtbaren wirtschaftlichen und gesellschaftspolitischen Beitrag. Sie sind daher unverzichtbarer Partner für die Politik", so Landeshauptmann Dr. Pühringer.

Habers Analyse bricht die wirtschaftliche Bedeutung des Sektors auch auf einzelne Politikfelder herunter. "Am bedeutendsten ist Gemeinnützigkeit in den Querschnittssektoren Gesundheit, Sozialwirtschaft, gemeinnütziger Wohnbau, Sport, Kultur und Bildung", sagt Haber. Im Bereich der formellen Freiwilligkeit (inklusive NPOs) wird eine direkte Wertschöpfung von etwa 3,2 Milliarden Euro erzielt, inklusive Folgeeffekte sind es sogar 6,4 Milliarden Euro (ausgedrückt in Arbeitsplätzen: 22.000 bzw. 45.000). Davon entfallen auf Kultur etwa 650 Millionen Euro, auf Bildung etwa 165 Millionen Euro, auf Sport rund 650 Millionen Euro, sowie auf Soziales und Gesundheit (exklusive Krankenhäuser) rund 245 Millionen Euro.

Für die Querschnittssektoren private gemeinnützige Krankenhäuser und Wohnbau können solche Effekte ebenfalls berechnet werden. Die gesamte Wertschöpfung im gemeinnützigen Wohnbau beläuft sich auf mehr als 3,3 Milliarden Euro (die direkte Wertschöpfung beträgt für diesen Sektor knapp 1,6 Milliarden Euro). Die privaten gemeinnützigen Krankenhäuser erbringen direkt eine Wertschöpfung von mehr als 1,1 Milliarden Euro, mit Folgeeffekten sind es sogar knapp 2,4 Milliarden Euro. Direkt finden in diesen Krankenhäusern 31.000 Menschen ihren Arbeitsplatz, indirekt hängen sogar 45.000 Menschen von diesem Bereich ab. Michael Heinisch von einem der größten Anbieter gemeinnütziger Krankenhäuser in Österreich dazu: "Das sind rein ökonomisch betrachtet beeindruckende Zahlen. Viel wichtiger aber ist, dass diese Menschen auch eine sinnstiftende Tätigkeit ausüben. Das ist für viele nicht bloß ein Job, sondern ein Beitrag für die Gesellschaft."

Heinisch verweist allerdings auch auf internationale Vergleichswerte:
"Messen wir uns mit Deutschland oder der Schweiz, bemerken wir schnell, dass wir hierzulande Aufholbedarf haben. Wir müssen das Potenzial, das im Sektor steckt, noch besser nutzen." Tatsächlich besteht laut Analyse von Professor Haber zwischen Deutschland und Österreich ein Gefälle, was den Ausbau der Gemeinnützigkeit angeht:
Laut einer Modellrechnung Habers könnte eine Anhebung der gemeinnützigen Aktivitäten auf deutsches Niveau weitere drei Milliarden Euro Wertschöpfung jährlich (oder 24.000 Arbeitsplätze) schaffen.

Für Landeshauptmann Dr. Josef Pühringer sind Investitionen in diesen Sektoren jedenfalls wünschenswert. "Als Gesundheitsreferentenkonferenz weiß ich, dass gerade im Bereich Gesundheit, Soziales und Pflege große Herausforderungen auf uns warten. Lösen können wir diese nur gemeinsam ¬- dazu braucht es den Beitrag der Gemeinnützigkeit", so Landeshauptmann Dr. Pühringer.

Heinisch verweist auf einige Ansatzpunkte, wie der Stellenwert des Zukunftssektors Gemeinnützigkeit weiter verbessert werden könne. Ein sinnvoller Ansatz, so Heinisch, sei es, das von der Regierung vorgelegte Paket zur Attraktivierung gemeinnütziger Stiftungen rasch umzusetzen. Dabei allein dürfe es aber nicht bleiben. "Wir müssen insgesamt die Leistungen und den Nutzen der Gemeinnützigkeit öffentlich stärker herausstreichen", sagt Heinisch. Ein Ansatz dazu wäre eine Reform der gängigen Kennziffern für die volkswirtschaftliche Gesamtrechnung. Heinisch: "Der gemeinnützige Sektor muss da besser und sichtbarer integriert werden."

Diesem Vorschlag kann auch Wirtschaftsprofessor Haber nähertreten. "Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) misst gemeinnützige Aktivitäten entweder gar nicht oder berücksichtigt sie mit einem zu geringen Wert. Es wäre dringend nötig, ähnlich der Schattenwirtschaft auch die Gemeinnützigkeit in das BIP hineinzurechnen", so Haber.

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