65. Städtetag: Kinderbetreuung als öffentliche Investition – Arbeitskreis 3

Wien (OTS/RK) - Die Kinderbetreuung stand heute, Donnerstag im Mittelpunkt der Beratungen des Arbeitskreises 3. Die Ausgaben der öffentlichen Hand für Familienförderung liegen in Österreich knapp über dem OECD-Durchschnitt. Einen Schwerpunkt auf Unter-Dreijährige setzte die österreichische Bundesregierung bei ihrer 2014 beschlossenen Ausbauoffensive der Kinderbetreuung.

Für Frauen- und Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek ist der Beschluss ein wichtiger Schritt: "Der Kindergarten ist das Fundament, auf dem unsere Kinder ihre Zukunft aufbauen - hier wird der Grundstein für gleiche Bildungschancen gelegt. Flächendeckende und qualitativ und pädagogisch hochwertige Kinderbildungseinrichtungen sind deshalb ganz klar eine gemeinsame gesellschaftliche Verantwortung und dürfen in einer Smart City nicht fehlen. Als Frauen- und Bildungsministerin sehe ich mich in zweierlei Hinsicht gefordert, denn der Ausbau der Kinderbetreuung stärkt auch die Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Bis 2018 investieren wir 800 Millionen in ganztägige Schulformen, damit bis zum Schuljahr 2018/19 für jedes dritte Kind ein Ganztagsschulplatz verfügbar ist. Auch bei den Kindergärten hat der Bund den Turbo gezündet und fördert derzeit den Ausbau mit 100 Millionen Euro im Jahr. Das unterstütze ich natürlich, genauso wie ein zweites Gratis-Kindergartenjahr für alle."

AK fordert Qualitätsverbesserung

Die Arbeiterkammer Wien spricht sich für einen dringend benötigten Ausbau der Kinderbetreuung, aber auch für eine Qualitätsverbesserung aus. Beim Betreuungsschlüssel Kinder zu Personal würde Österreich mit durchschnittlich 8,7 Kindern zwischen 0 und 3 Jahren auf eine Betreuungsperson zu den Schlusslichtern zählen. Notwendig sei daher mehr pädagogisches Personal, damit die Kinderbetreuung zu einer Kinderbildung mit guter Förderung der Kinder wird.

Im Arbeitskreises wurden weitere folgende Fragen diskutiert: Was kosten Kindergärten? Was entgeht den Kommunen und dem Staat grundsätzlich an Einnahmen, wenn Frauen nicht die Möglichkeit haben, zu arbeiten? Welche Leistungen muss die öffentliche Hand aufbringen, um die Frauen anders abzusichern? Margit Schratzenstaller (WIFO) stellte dazu die Familienleistungen in Österreich und jene ausgewählter Vergleichsländer wie Deutschland, Dänemark und Frankreich dar. Diese Länder würden erheblich mehr Ausgaben für Betreuungseinrichtungen aufwenden und weniger Geldleistungen erbringen.

"Die österreichische Familienpolitik gibt leider viel Geld mit mäßiger Wirkung aus. Beispielsweise haben wir einen relativ hohen Anteil an Frauenbeschäftigung, aber auch gleichzeitig eine hohe Armutsgefährdungsquote bei Kindern - dies ist unter anderem auf die hohe Teilzeitbeschäftigung unter Frauen zurückzuführen.
Aber es ist leider auch die tägliche Arbeitszeit sehr ungleich verteilt - zwei Drittel decken immer noch Frauen ab", so Schratzenstaller.

Für die Zukunft zeichnen sich laut der WIFO-Expertin folgende Trends ab: Eine langfristige Verschiebung von Geldleistungen hin zur Betreuungsinfrastruktur und zum Ausbau der Betreuungseinrichtungen. Eine teilweise Einschränkung der Familienleistungen im Zuge der Konsolidierungsbemühungen, "Länder wie Dänemark, Großbritannien oder Frankreich schaffen beispielsweise die universale Kindergeldleistung sogar ab". Und eine erhöhte Väterbeteiligung, die durch Maßnahmen wie finanzielle Anreize oder nicht-übertragbare Elternzeit-Monate umgesetzt werden soll.

Sybille Pirklbauer von der Abteilung Frauen-Familie der AK Wien zeigte die volkswirtschaftlichen Effekte auf, die durch Investitionen in Sozialleistungen entstehen. Mit einer Modellrechnung zeigte sie, welche Effekte durch eine jährliche Anstoßfinanzierung (100 Millionen Euro seitens des Bundes und 100 Millionen Euro seitens der Länder) für einen Rahmen von vier Jahren erzielt werden könnten:
Beispielsweise wären 35.000 zusätzliche Plätze für Kleinkinder (unter 3 Jahren), verbesserte Öffnungszeiten für 70.000 bestehende Plätze (3- bis 6-Jährige) und für alle Kleinkindergruppen ein/e zusätzliche/r Pädagogin oder Pädagoge (zumindest halbtags) dadurch möglich.

Als Beispiel aus der Praxis stellte Uta Schwarz-Österreicher, Fachbereichsleiterin für Familie, Schule, Sport und Soziales, Stadt Tübingen, Deutschland die Angebote und Leistungen der Kinderbetreuung der Stadt Tübingen vor. Hier wurde die Zahl der Betreuungsplätze für Kleinkinder in den letzten 10 Jahren mehr als verdreifacht und von 319 auf 1.188 Plätze gesteigert. Heute können nahezu 60% der Kinder von zwei Monaten bis drei Jahren einen Betreuungsplatz bekommen, in der Altersgruppe der 1 bis 3-Jährigen sind es sogar 86%. Damit liegt Tübingen in Baden-Württemberg auf dem Spitzenplatz.

Mehr zum Programm unter: www.staedtetag.at (Schluss)

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