Schultes: Agrarprodukte - Mehr Bürokratie bringt nicht mehr Nachhaltigkeit

Forderung: Sämtliche Zertifizierungen im Bereich der Urproduktion bündeln

Wien (OTS) - "Sauberer Treibstoff aus heimischen Agrarrohstoffen braucht ein Nachhaltigkeits-Zertifikat. Das erledigt in Österreich die AMA im Rahmen ihrer Verwaltungs- und Vor-Ort-Kontrolle. Für den Export verlangt die Europäische Kommission jetzt ein zusätzliches bürokratisches Zertifizierungs-Verfahren mit dem selben Inhalt, aber hohen Kosten, weil sie dem AMA-Zertifikat die internationale Anerkennung aberkannt hat. Österreichs Bemühungen, das AMA-Zertifikat wieder für den Export anzuerkennen, sind bis jetzt in Brüssel nur auf taube Ohren gestoßen. Wir appellieren an alle Verantwortlichen, hier rasch eine Lösung abseits von Doppel- und Dreifachkontrollen samt Kostenexplosion zu finden, denn eines ist klar: Mehr Bürokratie ärgert die Bauern und stört die Nachhaltigkeit", erklärte heute LK Österreich-Präsident Hermann Schultes am Rande der BETAEXPO-Veranstaltung in Tulln.

Schultes informierte zudem über einen Brief an EU-Agrarkommissar Phil Hogan, in welchem er diesen ersucht, sich in der Sache persönlich für eine rasche und unbürokratische Lösung einzusetzen. Hogan habe bekanntlich den Bürokratieabbau zur Top-Priorität seiner Arbeit erklärt und hier gäbe es einen ganz konkreten Anlassfall, so Schultes.

AMA-System erfüllt internationale Standards

"Das österreichische AMA-basierte Nachhaltigkeitssystem für die Urproduktion ist einfach und kostengünstig. Es hat im internationalen Vergleich einen sehr hohen Qualitätsanspruch und wird auf nationaler Ebene von allen Beteiligten geschätzt. Jedenfalls kann sich das AMA-System jederzeit mit diversen international agierenden sogenannten Freiwilligen Systemen messen", hob Schultes die Vorzüge dieses Systems hervor.

Das von der AMA administrierte System umfasst die Kontrolle von landwirtschaftlichen Ausgangsstoffen, die auf österreichischen Flächen angebaut und geerntet werden sowie zur Herstellung von nachhaltigen Biokraftstoffen und flüssigen Biobrennstoffen vorgesehen sind.

Zertifizierungen bündeln

"Mittlerweile geht es nicht mehr nur um die Rohstoffe für sauberen Treibstoff. Auch die Nahrungsmittelindustrie drängt immer stärker auf die Einführung von Nachhaltigkeits-Zertifizierungen. Das AMA-System wäre da die ideale Basis-Plattform in einer bereits sehr zersplitterten Zertifizierungslandschaft. Denkbare Zusatzkriterien, etwa für soziale Fragestellungen, könnten problemlos modulartig aufgesetzt werden. Mit so einer Plattform-Strategie vermeiden wir sinnlose Doppel- und Dreifachkontrollen und weitestgehend identer Prüfinhalte", schlug Schultes eine Bündelung der Zertifizierungen vor.

Rasch genehmigen: Zeit drängt

Das adaptierte nationale AMA-System wurde im März bei der Europäischen Kommission zur Genehmigung eingereicht, um die internationale Anerkennung der Nachhaltigkeitsnachweise aus dem AMA-System sicherzustellen. Diese internationale Anerkennung ist unbedingt notwendig, weil Biokraftstoff aus österreichischer Produktion auch in den EU-Raum exportiert werden muss und für diese Exporte das rein nationale System nicht mehr ausreicht.

"Die Brüsseler Genehmigung würde klarstellen, dass unser AMA-System den privaten Systemen im Biokraftstoff-Segment gleichwertig ist, die ja schon jetzt die wichtigsten Anforderungen der Nahrungsmittelindustrie abdecken. Damit wäre auch der Grundstein für den Bündelungsprozess gelegt. Leider ist die Kommission bei der Genehmigung trotz langem Vorlauf und detaillierter Vorbereitung durch AMA und Landwirtschaftsministerium nach wie vor säumig. Wenn es nicht gelingt, rasch diese Genehmigung zu erhalten, droht möglicherweise schon im Herbst eine flächendeckende private Zertifizierung. Ein solches System würde nicht nur erheblich mehr Verwaltungs- und Kontrollaufwand bedeuten, es wäre auch mit sehr hohen Kosten verbunden", warnte Schultes. Der Kammerpräsident dankte in diesem Zusammenhang Landwirtschaftsminister Andrä Rupprechter für dessen Einsatz, mit dem Ziel, die Genehmigung fristgerecht zu erhalten. (Schluss)

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