Österreichische Gesellschaft für Public Health fordert bei ihrer Jahrestagung das Denken über Grenzen hinweg

St. Pölten (OTS) - Wien, am 3. Juni 2015: Das diesjährige Motto der Jahrestagung der Österreichischen Gesellschaft für Public Health (ÖGPH) in St. Pölten stand unter dem Motto "Unstoppable Public Health - Denken über Grenzen hinweg". ÖGPH-Präsident Thomas Dorner betonte in seiner Eröffnungsrede: "Es gibt Grenzen, die überwunden werden müssen, damit wissenschaftlich fundierte Public Health erfolgreich sein kann. Diese Grenzen sind etwa in der Politik, zwischen den Professionen oder in ihrer geografischen Ausprägung zu orten. Gesundheitspolitik darf beispielsweise nicht an den Grenzen der Bundesländer enden."

Gesundheit selbst stößt häufig an Grenzen, indem Menschen aufgrund ihres Alters, ihrer Wohnregion, ihres sozio-ökonomischen Status, ihrer sexuellen Orientierung, ihrer gleichgeschlechtlichen Identität oder ihres Geschlechts, ihrer Religion oder Ethnie benachteiligt werden. Auch diese Grenzen müssen im Sinne von Public Health überwunden werden.

Pamela Rendi-Wagner, Sektionschefin für öffentliche Gesundheit und medizinische Angelegenheiten des Bundesministeriums für Gesundheit, bekräftigte anlässlich der ÖGPH-Jahrestagung: "Kein Arbeitsfeld beschäftigt mich so sehr wie Public Health. Wir brauchen einen neuen Blick, der gesundheitliche Chancengleichheit ermöglicht. Der Wandel ist omnipräsent - sei es demografischer, klimatischer oder finanzieller Natur." Rendi-Wagner weiter: "Gesundheitsförderung ist eine zentrale Aufgabe von Public Health. Bildung, Ernährung und Bewegung sind dabei eine vielschichtige Querschnittsmaterie." Abschließend forderte sie entsprechende Kapazitäten, um diesen nicht gerade kleinen Herausforderungen gewachsen zu sein.

Die Öffentliche Gesundheit wird zunehmend zu einer Art Lebensstilmedizin
Keynote-Vortragender und Präsident der Europäischen Gesellschaft für Public Health war Martin McKee. Er ist Public Health-Experte an der London School of Hygiene and Tropical Medicine.

Er stellte insgesamt drei maßgebliche Botschaften in den Vordergrund:

Erstens:
Die unterschiedlichen Wissenschaften und Professionen im Gesundheitsbereich müssen mehr mit- und voneinander lernen.

Zweitens:
Data - Public Health muss sich in Zukunft noch mehr auf datenbasierte Erkenntnisse und Entscheidungen stützen.

Drittens:
Sparen führt nicht zum Erfolg - und schon gar nicht im Gesundheitswesen.

Er unterstrich am Rande der Tagung sowohl die Bedeutung alter Gefahren als auch jene von Lifestyle-Faktoren in der globalisierten Gesellschaft. "Die Infektionskrankheiten sind nicht verschwunden. Das hat uns Ebola gerade erst wieder gezeigt. Hinzu kommt, dass wir mit Antibiotika-Resistenzen bei Bakterien ein sehr großes Problem haben", sagte McKee.

Sozialversicherung und Public Health
Ein weiteres Keynote-Referat von Ellenor Mittendorfer-Rutz vom schwedischen Karolinska Institutet beschäftigte sich mit Sozialversicherungen und Gesundheit. Die Herausforderungen für Sozialversicherungen gehen über die Grenzen von Krankenversorgung weit hinaus. In vielen europäischen Ländern wird beispielsweise Prävention von Krankenständen und Invaliditätspensionen als eine der wesentlichsten Aufgaben gesehen. Schließlich sind mit dem Ausscheiden aus dem Erwerbsleben persönliches Leid für die Betroffenen und eine zusätzliche Bürde für das Sozialsystem verbunden. "Wissenschaftliche Analysen von Routinedaten aus dem Gesundheits- und Sozialsystem, wobei Daten aus unterschiedlichen Quellen miteinander verknüpft werden können, sind eine wichtige Voraussetzung für evidenzbasierte Gesundheitsversorgung, bei der intersektorale Grenzen überwunden werden können", so Mittendorfer-Rutz. In den skandinavischen Ländern gibt es dafür im Gegensatz etwa zu Österreich langjährige positive Erfahrungen.

Diese Jahrestagung wurde in Kooperation mit der Niederösterreichischen Gebietskrankenkasse ausgerichtet.

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