Psyche der Beschäftigten unter Druck - Gesundheit am Arbeitsplatz muss gefördert werden

Linz (OTS) - Die aktuellen Zahlen verdeutlichen die Dramatik: Im Jahr 2014 waren die Versi-cherten der Gebietskrankenkasse Oberösterreich in Summe 100.840 Wochen aufgrund psychischer Erkrankungen im Krankenstand. Immer mehr Menschen nehmen Psychopharmaka, um dem Druck standhalten zu können. Psychische Belastungen wirken auf die Beschäftigten vor allem auch in der Arbeit ein. AK-Präsident Dr. Johann Kalliauer fordert deswegen ein schärferes Vorgehen ge-gen krankmachende Arbeitsbedingungen und einen Kündigungsschutz im Krankenstand.

Waren die oberösterreichischen Arbeitnehmer/-innen 2005 noch 266.738 Tage auf-grund psychischer Krankheiten im Krankenstand, waren es 2014 schon 705.880 Tage. Insgesamt gab es im vergangenen Jahr 19.540 Krankenstandsfälle aufgrund psychischer Erkrankungen, von denen jeder im Durchschnitt 36,1 Kalendertage dauerte. Diese Langzeitkrankenstände beeinflussen die gesamte Krankenstandstatistik erheblich.

Im vergangenen Jahr mussten wieder mehr Beschäftigte in Oberösterreich einen Krankenstand aufgrund psychischer Krankheiten antreten als in den Jahren davor. Die Zahl der Krankenstandstage war im Vergleich zum Jahr davor zwar leicht rück-läufig - dies ist jedoch keineswegs ein Zeichen für Entspannung: Die Statistik zeigt lediglich, dass die Betroffenen früher an ihren Arbeitsplatz zurückkehren. Ein Grund für den Rückgang könnte ein stärkerer Druck auf die Kranken sein, möglichst rasch wieder in die Arbeit zu kommen. In vielen Fällen nehmen Arbeitnehmer/-innen Psychopharmaka ein, um den Belastungen standzuhalten. Die Zahl der Verschreibungen ist in Oberösterreich von 528.771 Packungen im Jahr 2005 auf 760.030 im Jahr 2014 angestiegen. Die Kosten hierfür beliefen sich im vergangenen Jahr auf 13 Millionen Euro.

Auch die Auswertungen des Arbeitsklima Index der Arbeiterkammer Oberösterreich zeigen, dass auf den Arbeitnehmern/-innen ein hoher Druck lastet. Vor allem Zeit-druck (48 Prozent), seelisch belastende und aufreibende Arbeit (27 Prozent), ständi-ge Überwachung und Kontrolle (26 Prozent) und mangelnde Rückzugsmöglichkeiten (26 Prozent) belasten die Beschäftigten. Mangelnde Unterstützung durch Vorgesetzte und überlange Arbeitszeiten sind weitere Belastungen in den Betrieben.

Mittlerweile sind Erschöpfungszustände und Depressionen hinter Erkrankungen des Stütz- und Bewegungsapparats die zweithäufigste Ursache für arbeitsbedingte Erkrankung. Arbeitsbedingter Stress ist die Folge von psychischen Belastungen der Beschäftigten. Immer mehr Arbeitnehmer/-innen haben das Gefühl, in derselben Zeit mehr und schneller arbeiten zu müssen, damit die Leistungsvorgaben erfüllt werden. Viele kommen da nicht mehr mit. Dauert der Zustand der Arbeitsüberlastung über einen längeren Zeitraum an, kann Stress zu seelischen, aber auch körperlichen Erkrankungen führen.

AK-Präsident Dr. Johann Kalliauer fordert angesichts dieser besorgniserregenden Entwicklungen die flächendeckende Umsetzung der Evaluierung psychischer Belastungen und Umsetzung zielführender Maßnahmen. Diese sind seit 2013 im ArbeitnehmerInnenschutzgesetz explizit vorgeschrieben, allerdings erfüllen erst 47 Prozent der Arbeitgeber/-innen die gesetzlichen Auflagen. "Viele Unternehmen begreifen die Regelungen zum Schutz zur psychischen Gesundheit leider als bürokratische Zwangsbeglückung. Sie bieten aber die Chance, Arbeit gesund und zukunftsfähig zu gestalten und sind somit auch eine wesentliche Basis für den Unternehmenserfolg", sagt Kalliauer.

Die Arbeitsinspektion soll aus Sicht der AK hart durchgreifen, wenn Betriebe nicht im vorgesehenen Ausmaß tätig sind. Dazu muss das Arbeitsinspektorat mit ausreichend Ressourcen und Kompetenzen ausgestattet werden. Daneben ist es aus Sicht der AK notwendig, neben Arbeitsmedizinern/-innen und Sicherheitsfachkräften Arbeitspsychologen/-innen als Präventivfachkräfte im Gesetz zu verankern. Außerdem fordert die AK einen Kündigungsschutz im Krankenstand. Dieser sichert den Betroffenen eine Perspektive und begünstigt somit die Rückkehr ins Arbeitsleben.

Die Unterlage zur heutigen Pressekonferenz finden Sie online unter
http://ooe.arbeiterkammer.at/service/presse/presseaussendungen/Psyche
_unter_Druck.html

Rückfragen & Kontakt:

Arbeiterkammer Oberösterreich - Kommunikation
Ines Hafner, Bakk.Komm.
(0732) 6906-2178
ines.hafner@akooe.at
ooe.arbeiterkammer.at

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | AKO0001