WirtschaftsBlatt-Leitartikel: "Die Fifa - ein schlampiger Verein, der ein Unternehmen sein will" - von Johann Skocek

Das kuschelige Schweizer Vereinsrecht hat für Sportorganisationen wie Fifa ausgedient. Sie müssen sich schleunigst eine ernstzunehmende Unternehmenskultur verpassen.

Wien (OTS) - Die Fifa gilt als global erfolgreiches, mit einem krisensicheren Produkt gesegnetes Unternehmen. Im Vier-Jahres-Zyklus bis 2014 nahm sie rund 5,2 Milliarden Euro ein. Fußball ist gesund, kindertauglich und verbindet die Menschen - ein Fair-Trade-Massenprodukt. Doch vor zwei Tagen wurden in Zürich 14 Funktionäre und Manager der Fifa festgenommen, unter ihnen zwei Vizepräsidenten. Die Anklageschrift des US-Justizministeriums wirft ihnen Korruption und organisiertes Verbrechen (Racketeering Conspiracy) vor.

Wie geht das? Laut Foreign Corrupt Practices Act darf das US-Ministerium weltweit gegen US-Bürger oder -Firmen ermitteln, falls es korrupte Vorgänge vermutet. Und die Schweiz kooperiert, seit ihre Großbank UBS wegen korrupter Praktiken in der US-Filiale Buße zahlen musste. Es geht um hunderte Millionen Euro an Schmiergeldzahlungen, unter anderem für die Vergabe von Fifa-TV-Rechten an Weltmeisterschaften.

Offenbar haben sich Funktionäre bereichert, aber warum ging das so lang so gut? Liegt das an der Unternehmenskultur? Tatsächlich ist die Fifa ein Verein nach Schweizer Recht, sie zahlt kaum Steuern. Die Fifa-Geschäftspartner (= WM-Veranstalter) und der Geschäftsführer (= Präsident) werden anonym gewählt. TV-Rechte werden in nicht nachvollziehbarer Weise vergeben. Praxis und Selbstverständnis der Funktionäre verhindern Transparenz und Kontrollmechanismen, die für Firmen selbstverständlich und gesetzlich vorgeschrieben sind. Was hier vor aller Augen abläuft, ist nicht nur die Konsequenz individueller Verfehlungen, sondern der Beginn einer tief greifenden Transformation.

Das kuschelige Vereinsrecht hat ausgedient, Fifa, IOC und andere müssen sich schleunigst eine Unternehmenskultur verpassen, die ihren Namen verdient. Sonst müssen sie sich vorwerfen lassen, dass sie sich selbst nicht ernst nehmen. Und warum sollten dann andere, vom spielenden Kind bis zum Premiumsponsor Visa, sie ernst nehmen?

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