Kardinal Puljic: Papst holt Bosnien aus internationalem Vergessen

Erzbischof und Papst-Gastgeber im "Kathpress"-Intervie: Land hat "positive Energie" bitter nötig - Franziskus am 6. Juni auch bei Muslimen willkommen

Sarajevo (OTS) - Der Sarajevo-Besuch von Papst Franziskus am 6. Juni steht im Zeichen des Friedens in Bosnien-Herzegowina und soll die Katholiken des Landes beim Bleiben und Überleben unterstützen: Das hat der Erzbischof von Sarajevo, Kardinal Vinko Puljic, am Donnerstag im Interview mit "Kathpress" dargelegt. Gleichberechtigung der Volksgruppen und Rechtsstaatlichkeit fehlten im Land auch 20 Jahre nach Kriegsende, so der Kardinal. Der Pontifex aus Argentinien werde zum ernsthaften Bemühen um eine Lösung ermutigen und dazu beitragen, "Bosnien und Herzegowina aus dem Vergessenheit der internationalen Gemeinschaft herauszuziehen".

Bereits durch die Ankündigung seiner Visite habe der Papst Bosnien-Herzegowina "aus der Anonymität gehoben" und das Interesse der Mächtigen der Welt verstärkt, die Stabilität des Landes zu fördern. Puljic: "Dieses Land und dieser Staat brauchen positive Energie, da die Medien nur negativ berichten und damit die einfachen Menschen traurig machen." Besonders für letztere habe Papst Franziskus, der auch in Bosnien an die "Ränder" gehe, ein "besonderes Herz", und sein Engagement werde auch jenseits aller Konfessions- und Religionsgrenzen anerkannt: "Auch die Muslime freuen sich auf Papst Franziskus, erkennen in ihm den wahren Pilger des Friedens und der Koexistenz", so der Kardinal.

Das Ende 1995 abgeschlossene Dayton-Friedensabkommen spreche zwar von Gleichberechtigung, umgesetzt habe man dies jedoch nicht, erklärte Puljic. In der heutigen Situation Bosniens würde Politik stets auf Kosten der Kleineren und Schwächeren gemacht. Zu diesen zählten in besonderer Weise die Katholiken, von denen es vor dem Krieg noch 830.000 gab, während es heute nur noch etwa 430.000 sind. Um auch ihnen ein Gefühl von Sicherheit und Vertrauen zu geben und die negative, angstbesetzte Stimmung zu überwinden, müssten Gleichberechtigung und Religionsfreiheit endlich verwirklicht werden.

Spürbar werde die Benachteiligung etwa bei Baugenehmigungen: "Wir haben in Sarajevo 12 Jahre für die Bewilligung einer Kirche auf unserem eigenen Grundstück gewartet. Bei anderen Religionen geht es sofort", kritisierte der Kardinal. Auch die in Bosnien stationierten Internationalen Vertreter seien taub für derartige Ungleichheiten, während die Lokalbehörden Kircheneigentum verkaufen oder vernichten, und auf die Rückgabe der meisten einst von den Kommunisten beschlagnahmten Immobilien warte die Kirche immer noch.

Weitere Berichte und Informationen zum Sarajevo-Besuch von Papst Franziskus bietet ein "Kathpress"-Themenschwerpunkt unter www.kathpress.at/sarajevo

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