Chronisch kranke SchülerInnen: ExpertInnen sehen Gesetzgeber am Zug

Dritter Nationalratspräsident Hofer ortet akuten Handlungsbedarf zur Verbesserung der Lebensumstände aller Betroffenen

Wien (PK) - Asthma, Allergien, Epilepsie, Diabetes, Rheuma -chronische Krankheiten wie diese sind unter österreichischen SchülerInnen keine Seltenheit. Geschätzt wird, dass rund 200.000 der 1,2 Millionen Kinder und Jugendlichen ihren Schulalltag mit ständigen Beschwerden zu meistern haben, was sie selbst und ihre PädagogInnen vor große Herausforderungen stellt. Zur eingehenden Behandlung der medizinischen und rechtlichen Aspekte dieser Problematik mit dem Ziel, Lösungsansätze für alle Betroffenen zu erarbeiten, lud Dritter Nationalratspräsident Norbert Hofer heute gemeinsam mit Volksanwalt Peter Fichtenbauer zu einer Tagung ins Palais Epstein.

Dem Petitionsausschuss des Nationalrats liegt derzeit eine Bürgerinitiative "Gleiche Rechte für chronisch kranke Kinder" vor, die sich gegen Diskriminierungen wie dem Ausschluss gesundheitlich beeinträchtigter SchülerInnen von Schulveranstaltungen und für mehr schulische Unterstützung durch Gesundheits- oder Assistenzberufe ausspricht. Eine Stellungnahme des Sozialministeriums dazu wurde bereits eingefordert (siehe Parlamentskorrespondenz Nr. 1092).

Hilfeleistung von LehrerInnen rechtlich absichern

Zu einer "gemeinsamen Anstrengung" von Medizin, Bildungswesen und Politik rief Präsident Hofer in seiner Begrüßung auf, um den Lebensalltag chronisch kranker SchülerInnen beziehungsweise aller Betroffenen zu verbessern. Die Thematik sei von größter Bedeutung, betonte er ebenso wie Volksanwalt Fichtenbauer, der einleitend die Problematik einer chronischen Krankheit für Schulpflichtige in ihrer gesamten Dimension skizzierte. Zu den gesundheitlichen Leiden träten vor allem Schwierigkeiten im Zusammenhang mit einem geregelten Schulbesuch, nicht zuletzt, da LehrerInnen aufgrund rechtlicher Bedenken oft vor Hilfestellungen zurückscheuten. Tatsächlich hätten PädagogInnen nach der bestehenden Gesetzeslage die Konsequenzen einer medizinischen Intervention bei einem chronisch kranken Kind "auf eigenes Risiko" zu tragen, erklärte Fichtenbauer. Schon aus diesem Grund sollte sich der Gesetzgeber der Problematik annehmen.

Reinhold Kerbl, Vizepräsident der Österreichischen Gesellschaft für Kinder- und Jugendheilkunde, bestätigte, es brauche zeitgemäße rechtliche Grundlagen zur Absicherung von LehrerInnen bei Hilfeleistungen für SchülerInnen mit einer chronischen Erkrankung. Zudem dürfe die richtige Betreuung der jungen Menschen nicht an Personalmangel in der Lehrerschaft scheitern. Ungeachtet dessen, führte er in seinem Vortrag über verschiedener Krankheitsbilder betroffener SchülerInnen aus, sei die Angst vor vielen dieser Krankheitsfälle und folglich vor falschen Handgriffen bei der Akuthilfe "übertrieben"; die Gabe von Adrenalin etwa bei einem anaphylaktischen Schock als Reaktion auf einen Bienenstich bedeute keinen übermäßigen medizinischen Aufwand, könne aber zur Abwendung eines Herz-Kreislauf-Stillstands lebensrettend sein. Entscheidende Unterstützung einer vollständigen Inklusion junger chronischer PatientInnen in den Schulalltag ist für Kerbl daher die umfassende Information und Aufklärung der PädagogInnen, auch im Rahmen von Fortbildungsveranstaltungen sowie die Bereitstellung der notwendigen Ausstattung für SchulärztInnen.

Im Rahmen der heutigen Fachveranstaltung, die bis 17.30 Uhr angesetzt ist, sprechen zum Thema außerdem Volksanwalt Günther Kräuter, Public Health Expertin Lilly Damm von der Medizinischen Universität Wien, die Vorsitzende der Mobilen Kinderkrankenpflege Gabriele Hintermayer und Sektionschef Gerhard Aigner, zuständig für Recht und Verbraucherschutz im Gesundheitsministerium. Die Moderation der Beiträge und Diskussionen übernimmt ORF-Journalist Peter Resetarits, dessen Sendung "Bürgeranwalt" ihm zufolge ebenfalls häufig mit Anliegen von Eltern chronisch kranker Kinder konfrontiert ist. (Schluss) rei

HINWEIS: Fotos von dieser Tagung finden Sie im Fotoalbum auf www.parlament.gv.at.

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