Titschenbacher: Mountainbiken im Wald - mit Vertrag eine gute Lösung

Österreich: Rund 27.000 km Mountainbike-Routen auf vertraglicher Basis

Wien (OTS) - "In Österreich gibt es derzeit rund 27.000 Kilometer Mountainbike-Routen auf vertraglicher Basis. Jährlich kommen, je nach Bedarf, mehrere hundert Kilometer dazu. Voraussetzung für ein Miteinander, von dem alle Seiten profitieren, sind vertragliche Lösungen. Eine gezielte Lenkung hilft der Natur ebenso wie den Wildtieren und gibt auch dem Radfahrer die nötige Sicherheit, nicht in die Gefahrenzone von Forstarbeiten zu gelangen. Denn der Wald ist nicht nur Erholungsraum, er ist auch Rückzugsgebiet und Ruhezone für Wildtiere und Arbeitsplatz für Tausende Menschen", erklärte Franz Titschenbacher, Vorsitzender des Ausschusses für Forst- und Holzwirtschaft der Landwirtschaftskammer Österreich sowie Präsident der LK Steiermark.

GfK: Mountainbiken abseits gekennzeichneter Routen - eine Randerscheinung

Im Zuge einer österreichweiten repräsentativen Studie wurde die österreichische Bevölkerung ab 16 Jahren zum Thema Radfahren im Wald befragt. Rudolf Brettschneider vom Marktforschungsinstitut GfK fasste zusammen: "Die Österreicherinnen und Österreicher sind stolz auf den Wald (96%), das ungestörte Spazierengehen beziehungsweise Wandern im Wald zählt für 93% zu ihren beliebtesten Aktivitäten. Gut begehbare Wege sind daher auch von 54% der Waldbesucher gewünscht, für 25% sind getrennte Wege für Wanderer und Mountainbiker aber ein 'Muss'. 80% der Bürger besitzen ein Fahrrad, davon nutzen es aber nur 24% für die Sportausübung beziehungsweise Fitness. Für nur weniger als 1% der Bevölkerung kommt infrage, sich mit dem Mountainbike abseits gekennzeichneter Wege zu bewegen. Satte 87% sind der Meinung, dass Mountainbiken nur auf eigens dafür gekennzeichneten Wegen und Routen erlaubt sein soll. Eine absolute Mehrheit von 51% stimmt der Forderung, Radfahren im Wald generell zu erlauben, überhaupt nicht zu, aber lediglich 3% stimmen dem 'völlig zu'. Vielmehr gehen 91% der Menschen davon aus, dass Radfahren im Wald abseits gekennzeichneter Wege andere Besucher und auch Wildtiere stört."

Freie Fahrt im Wald - nicht die Meinung der Bevölkerung

"Diese Studienergebnisse belegen ganz klar: Eine generelle Öffnung des Waldes ist keineswegs der Wille der Bevölkerung", ist Titschenbacher sicher. Weiter: "Eine kleine, aber lautstarke Gruppe an Extrembikern fordert, ihre Aktionen durch eine Gesetzesänderung zu legalisieren. Dieser Logik folgend, könnte man auch verlangen, die jährlich knapp fünf Millionen Fälle an Geschwindigkeitsübertretungen zu legalisieren und die Geschwindigkeitsbeschränkungen aufzuheben, was zweifelsohne unvorstellbar und demokratiepolitisch bedenklich wäre."

Naturverträgliche Ausweisung von Mountainbike-Routen zunehmend wichtiger

"Seit der Öffnung des Waldes zur Erholung im Jahr 1975 hat sich auch in Fragen des Naturschutzes außerordentlich viel getan. Große Flächen an Natura-2000-Gebieten sind Wald, die Waldbesitzer sind dort mit Auflagen und Bewirtschaftungsbeschränkungen konfrontiert. So ist beispielsweise in derartigen Gebieten eine Waldbewirtschaftung in der Brutzeit geschützter Vögel untersagt. Mountainbiker können aber nicht wissen, wo im Wald Brutgebiete oder Ruhezonen für die Wildtiere eingerichtet sind. Eine generelle Öffnung von Forststraßen und Waldwegen wäre daher das genaue Gegenteil von Naturschutz", informierte Titschenbacher weiter.

Wald ist auch Arbeitsplatz

"Gerade bei der Holzernte gibt es regen Berufsverkehr beim Abtransport des Holzes. Doch die Fuhrunternehmer wollen das Risiko einer Kollision mit Mountainbikern nicht auf sich nehmen. Denn Forststraßen sind aus Naturschutzgründen sehr schmal und nicht für den Gegenverkehr gebaut. Bergab fährt auch kaum ein Mountainbiker auf Sicht, um rechtzeitig vor derartigen Gefahrenquellen stehen bleiben zu können. Diesbezüglich sind Fair-play-Regeln gut gemeint, doch zeigen Erfahrungen aus anderen Bereichen, dass diese nur unzureichend eingehalten werden. Auch hier ist klar, dass ein naturverträgliches, friedliches und gefahrloses Nebeneinander am besten durch eine gezielte Routenlenkung möglich ist", bekräftigte Titschenbacher.

Attraktives Angebot hebt Akzeptanz

"Lenkung funktioniert am besten durch bedarfsgerechte Angebote, die gemeinsam mit allen anderen Naturnutzern abgestimmt werden, dazu zählen auch die in Tirol besonders wichtigen Erfordernisse der Schutzwaldbewirtschaftung", bekräftigte Dieter Stöhr, Projektleiter Mountainbikemodell 2.0. "In Tirol arbeiten alle Interessengruppen seit fast 20 Jahren an einem bedarfsgerechten Angebot für die Mountainbiker. Von diesem Streckennetz profitiert nicht nur der Tourismus, sondern auch Tirolerinnen und Tiroler, die diese einzigartigen Sportmöglichkeiten in der Natur zu schätzen wissen. Mit einem attraktiven Angebot für Mountainbiker hat man die Möglichkeit, sich von der Masse abzuheben und somit einen wirtschaftlichen Vorteil für den Tourismus in der Region zu lukrieren", so der Projektleiter abschließend.

"Die Hälfte der Touristen sind mit dem Mountainbike-Angebot 'ehr zufrieden' und nur 1% 'eher enttäuscht'. Das ergibt die jüngste Tourismus-Monitor Austria (T-MONA)-Befragung aus dem Jahr 2013/14. Dort, wo zusätzlicher Bedarf artikuliert wird, sind wir selbstverständlich bemüht, zusätzliche Radkilometer auf vertraglicher Basis zu errichten. Eine uneingeschränkte Fahrt im Wald lehnen wir aber aus genannten Gründen entschieden ab", wiederholte Titschenbacher abschließend die Haltung der Landwirtschaftskammern. (Schluss)

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