Zivilcourage: Wie hilft Österreich?

Wien (OTS) - Ein brennendes Auto auf der Autobahn oder ein Motorradunfall auf der Landstraße - im Alltag kommt es immer wieder zu Situationen, in welchen Zivilcourage gefordert ist. Anderen Menschen in einer Notsituation hilfreich zur Seite zu stehen ist in Österreich aber immer noch keine Selbstverständlichkeit. Bei einer gemeinsamen Pressekonferenz zeigten Experten des KFV (Kuratorium für Verkehrssicherheit) und der österreichischen Brandverhütungsstellen gängige Gefahren auf und informierten über einfache Hilfs- und Rettungsmaßnahmen.

Im Jahr 2014 wurden bei Verkehrsunfällen mehr als 47.000 Personen verletzt. Diese Zahlen machen deutlich: Unfälle sind keine Seltenheit und jeder Mensch kann in eine Situation kommen in der er Hilfe benötigt. Oft jedoch schrecken im Straßenverkehr Autofahrer vor Hilfeleistungen zurück und wertvolle Zeit - die über Leben und Tod entscheiden kann - verstreicht. "Viele Menschen haben Angst, etwas falsch zu machen und greifen nicht ein. Allerdings ist der größte Fehler, den man in einer Notsituation machen kann, nichts zu tun und abzuwarten, dass andere etwas unternehmen", so Dr. Armin Kaltenegger, Leiter des Bereiches Recht & Normen im KFV. Studien zeigen, dass man davon ausgehen kann, dass 8 von 10 Personen bei einem Unfall keine Hilfestellung leisten. "Eine aktuell im Vormonat durchgeführte Erhebung des KFV macht deutlich, dass fast ein Viertel der Befragten nicht weiß, dass es eine Pflicht zur Hilfeleistung gibt. Auch sind die befragten Österreicher nicht besonders optimistisch bei einem Unfall wirklich Hilfe zu bekommen: Nur 5 Prozent der Befragten sind sich wirklich ganz sicher, dass ihnen z.B. im Falle eines Fahrzeugbrandes geholfen werden würde."

Fahrzeugbrände: Feuerlöscher als Lebensretter

Im Durchschnitt passiert es in Österreich drei bis fünf Mal pro Tag, dass ein Fahrzeug in Flammen aufgeht - das sind jährlich rund 1.500 Fahrzeugbrände. Kaum einer dieser Fahrzeugbrände müsste jedoch im vollständigen Ausbrennen des Autos münden. Denn im Regelfall dauert es zehn bis fünfzehn Minuten, bis ein PKW in Vollbrand steht. Zu wenig Zeit also, um auf das Eintreffen der Feuerwehr zu warten. Genügend Zeit hingegen, um das Fahrzeug zu verlassen, die Insassen in Sicherheit zu bringen, die Feuerwehr zu alarmieren und mit ersten Löschversuchen zu beginnen - vorausgesetzt, man ist selbst mit einem Autofeuerlöscher ausgestattet oder es gibt genügend andere Fahrzeuglenker, die mit ihrem eigenen Feuerlöscher zu Hilfe eilen. "Jedes Fahrzeug sollte mit einem 2-kg-Pulverlöscher ausgestattet sein und ebenso selbstverständlich mitgeführt werden wie der Verbandskasten, das Pannendreieck oder die Warnweste. Denn je mehr Fahrzeuge mit einem Autofeuerlöscher ausgestattet sind, umso eher kann man im Brandfall auf die Hilfe anderer Verkehrsteilnehmer hoffen. Und je mehr Autofeuerlöscher für die Brandbekämpfung zur Verfügung stehen, umso leichter kann der Autobrand bereits im Anfangsstadium gelöscht werden. In der Praxis geht es also weniger darum, den eigenen Fahrzeugbrand zu löschen, als vielmehr anderen Verkehrsteilnehmern zu Hilfe eilen zu können", erklärt Dr. Arthur Eisenbeiss, Direktor der BVS-Brandverhütungsstelle für OÖ und Sprecher der österreichischen Brandverhütungsstellen.

Keine Angst zu helfen

Dass man sich als Helfer beim Löschen eines Autobrandes in eine besondere Gefahrensituation begeben könnte, ist aufgrund der vielfältigen Erfahrungen der BVS-Brandverhütungsstelle für Oberösterreich nicht zu befürchten: "Auto-Explosionen kommen praktisch nur in Hollywood-Filmen vor. Bei einem beginnenden PKW-Brand - häufig hervorgerufen durch einen elektrischen Defekt -gibt es kaum einen Grund, sich vor einer Explosion des Kraftstoff-Tanks zu fürchten", so Eisenbeiss. Zu einem explosionsähnlichen Abbrand kommt es praktisch nur bei undichter Treibstoffleitung. Zu gebührender Vorsicht sei laut Eisenbeiss deshalb nur dann geraten, wenn es in der Nähe eines Unfallfahrzeugs nach Benzin riecht, das Auto aber nicht brennt. "In diesem Fall kann eine kleine Zündquelle genügen und die ausgetretenen Treibstoff-Dämpfe geraten in Brand." Üblicherweise beschränke sich der Einsatz von Handfeuerlöschern ohnehin auf Brände im Anfangsstadium. Steht ein Fahrzeug erst einmal in Vollbrand, könne dieser nur mehr von der Feuerwehr gelöscht werden. Damit es gar nicht so weit kommt, ist es wichtig, den Entstehungsbrand möglichst frühzeitig zu bekämpfen.

Erste Hilfe bei Autounfällen - wie geht man vor?

"Kommt man zu einer Unfallstelle mit Verletzten, ist man verpflichtet, Erste Hilfe zu leisten. Zuallererst gilt es, lebensrettende Sofortmaßnahmen einzuleiten. Dazu zählen das Absichern der Unfallstelle und das Bergen der Verletzten. Bei Bewusstlosigkeit mit vorhandener Atmung und Kreislauf ist der Verletzte in eine stabile Seitenlage zu bringen. Bei Stillstand von Atmung und Kreisen muss sofort mit Herzdruckmassage und Beatmung begonnen werden", erklärt Kaltenegger. Blutende Wunden müssen gestillt und Maßnahmen zur Schockbekämpfung gesetzt werden. Im zweiten Schritt ist ein Notruf abzusetzen. Dabei sind die Fragen nach dem Wo?, Was?, Wie viele?, Wer ruft an? zu beantworten. Bis zum Eintreffen der Rettungskräfte gilt es, Wunden zu versorgen, Wärme zu spenden und tröstenden Zuspruch zu leisten.

Sollte das Fahrzeug in Brand geraten und Lenker sowie Mitfahrer eingeklemmt sein und daher nicht geborgen werden können, müssen Türen und Fenster des Fahrzeuges - je nach Möglichkeit - geöffnet oder eingeschlagen werden, damit eingeklemmte Unfallopfer nicht ersticken. Beim Löschversuch sollte die Motorhaube vorsichtig (Achtung Verbrennungsgefahr!) und nur wenige Zentimeter geöffnet werden. Erst wenn man nahe genug am Feuer ist, sollte man die Flammen mit kurzen, gezielten Stößen löschen. Nach Möglichkeit sollte ein Rest an Löschmittel zurückbehalten werden, um allfällige Rückzündungen bekämpfen zu können. Lässt sich z. B. nach einem Unfall die Motorhaube nicht mehr öffnen, so kann der Löschstrahl (je nach Lage und Fahrzeugtyp) von der Bodenseite her oder über die Öffnungen des Fahrzeugkühlers in den Motorraum gerichtet werden.

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Rückfragen & Kontakt:

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Brandverhütungsstellen: bogner werbung | pr, Mag. Gernot Bogner
Tel.: 0699-18922171, E-Mail: gernotbogner@me.com

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