Tiroler Tageszeitung, Leitartikel, Ausgabe vom 28. Mai 2015. Von FLORIAN MADL. "Die FIFA, ein Staat im Staat".

Innsbruck (OTS) - Trotzig beharrt der Weltfußballverband FIFA auch nach der gestrigen Verhaftungswelle honoriger Mitglieder auf seiner Rolle als Saubermacher. Was immer in der Ära von Sepp Blatter passiert, es scheint dem Präsidenten nichts anzuhaben.

Am besten brachte gestern die Website des Fußballweltverbands FIFA die Befindlichkeit der größten Sportorganisation zum Ausdruck:
"[Die] FIFA als Geschädigte kooperiert vollumfänglich bei Aktionen der Schweizer Behörden." Da mutierte der Bock zum Gärtner; da argumentierte der Verein, dass man sich für das Fehlverhalten von Sektionsleitern und Obmann-Stellvertretern nicht in der Verantwortung sehe. Damit bringt die Organisation, deren internationale Rückendeckung geschlossen aus dem Bereich autokratischer Staaten erfolgt, ihre Sicht der Dinge zum Ausdruck: Die Welt kreist um ihren Präsidenten Sepp Blatter, der morgen 79-jährig vor seiner Wiederwahl steht. Der Schweizer symbolisiert die Sonne, die Günstlinge mit Respektabstand umkreisen und an der Kritiker verglühen. Solche wie der ehemalige Blatter-Berater und Generalsekretär Guido Tognoni beispielsweise. In der Galaxie FIFA ist höchstens für Planeten wie Messi oder Ronaldo Platz.
Mit den gestrigen Festnahmen im Zuge der Korruptionsaffäre offenbarte die Fußballer-Vereinigung zudem ihr ureigenstes Verständnis von Demokratie. Gesetze werden nicht dem Land angepasst, auf dessen Boden der Ball rollt, nein: Das jeweilige Gastland wird in steuerlicher Hinsicht kurzfristig mit der Lex FIFA beglückt und muss sich für diese Legislaturperiode im Rahmen eines Fußballturniers (WM etc.) sogar bedanken. Brasilien (2014) und Südafrika (2010) dokumentieren diese Ausrichtung. Für Menschenrechte indes sieht sich der Verband nicht zuständig. Und es verwundert nicht, dass sich gestern ausgerechnet der Außenminister Russlands auf die Seite des Weltverbands stellte und die Anwendung des US-Rechts in Frage stellte. Regime stützt Regime.
Die Vorzeichen für die anstehende Wiederwahl von Präsident Blatter -daran zweifelt keiner - könnten beschämender nicht sein. Ein Verband, von dem sich zahlreiche Vorstandsmitglieder mit Strafverfahren konfrontiert sehen, müsste sich vielmehr mit der Sinnhaftigkeit eines Urnengangs auseinandersetzen. Doch FIFA-Medienchef Walter de Gregorio, den der nicht gesprächsbereite FIFA-Präsident Sepp Blatter ins Amphitheater mit den Journalisten steckte, will davon nichts wissen. Geradezu trotzig reagierte der ehemalige Boulevard-Journalist und erinnert dabei an eine seiner Maximen:
"Es braucht Denkstücke, Provokation, Sex and Crime, Dramen, auch im Sport." Weit davon entfernt ist der Schweizer mit dem Weltfußballverband wohl nicht.

Rückfragen & Kontakt:

Tiroler Tageszeitung
0512 5354 5101
chefredaktion@tt.com

OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | PTT0001