Volkshilfe: Ungleichheit ist Motor für viele soziale Probleme

Laut aktueller OECD Studie erreicht Ungleichheit in Österreich ihren Höhepunkt.

Wien (OTS) - Bemerkenswert an den Ergebnissen der aktuellen OECD-Studie zum Thema Vermögensverteilung ist nicht nur, dass die Ungleichheit in den OECD-Ländern ihren Höhepunkt erreicht hat, sondern vor allem auch, dass das Vermögen in Österreich besonders ungleich verteilt ist. Nur in den USA und in den Niederlanden ist die Ungleichheit der Vermögen noch größer. Der Volkshilfe Sozialbarometer im Februar hat bereits gezeigt, dass die Bevölkerung die starke Ungleichverteilung spürt. So stimmten drei Viertel der Befragten zu, dass Vermögen, Besitz und Einkommen in Österreich ungleich verteilt sind. Erich Fenninger, Bundesgeschäftsführer der Volkshilfe ist über diesen Zustand empört: "Dass 10% er Haushalte beinahe ¾ des Vermögens besitzen, ist erschreckend. Es fehlt hier aber keinesfalls an möglichen Maßnahmen, sondern am Willen, etwas zu tun", sagt der Bundesgeschäftsführer.

Vermögensungleichheit bedeutet Bildungsungleichheit!

Im Bericht der OECD wird klar ausgewiesen, dass es Familien aus schwächeren sozialen Schichten schwerer haben, ihre Chancen auf Bildung und damit auf sozialen Aufstieg zu verwirklichen. Dies geht mit verkürzter Bildungsdauer und häufig auch mit schlechteren Resultaten bei den schließlich erworbenen Fähigkeiten einher. "Ungleichheit beeinträchtigt uns schon im Kindesalter. Je weniger die Eltern verdienen, desto seltener wechseln Kinder nach der Volksschule auf ein Gymnasium", sagt Fenninger und ergänzt: "Anstatt sich an den Stärken zu orientieren, wird zu häufig an den Schwächen angesetzt. Unser Bildungssystem ist ein System der Auslese und steht im direkten Zusammenhang mit dem sozialen Status der Kinder und ihren Familien". Dass sich dieser Trend auch mit zunehmendem Alter fortsetzt, zeigt sich auch daran, dass ein Viertel der StudienanfängerInnen aus Familien kommen, in denen sowohl Mutter als auch Vater Angestellte sind, wohingegen nur 1% der Studierenden aus einer Arbeiterfamilie kommt.

Fenninger schließt sich den Forderungen der OECD, die Chancengleichheit auf dem Arbeitsmarkt zu fördern, qualitativ hochwertige Jobs zu schaffen und in Bildung und Kompetenzen zu investieren an: "Um die Umverteilung langfristig herbeizuführen, braucht es neben einer fairen Steuerbelastung vor allem einen strategischen Einsatz von Maßnahmen. Ein integratives Bildungssystem, das auf die Stärken der Kinder ausgerichtet ist, muss der erste Schritt sein". Die Ausrichtung, sich an jenen mit einem sozial schwachen Hintergrund zu orientieren, müsse auch in der Arbeitsmarktpolitik Anwendung finden: "Insbesondere für Personengruppen wie Arbeitslose, Menschen mit Migrationshintergrund, Niedrigqualifizierte oder Menschen mit Behinderung ist es oft schwer, langfristige Beschäftigungsverhältnisse zu finden. Um genau diese Personengruppen Integration zu ermöglichen, muss öffentlich geförderte Beschäftigung aufgebaut werden", sagt Fenninger.

Abschließend ersucht der Bundesgeschäftsführer den Finanzminister und den Vizekanzler, dabei mitzuhelfen, der Politik der Ungleichheit ein Ende zu setzen und zählt die positiven Aspekte einer gerechten Verteilung auf: "Die Menschen in gleicheren Gesellschaften leben gesünder und länger. Sie haben eine bessere Bildung und es herrscht weniger Kriminalität und mehr Vertrauen in die Gesellschaft. Daher fordern wir langfristige Maßnahmen, die eine Umverteilung herbeiführen - für die Zukunftschancen unserer Kinder".

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