• 22.05.2015, 08:51:24
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Soziales Netz muss gerade dann halten, wenn man es am meisten braucht

Sozialorganisationen warnen vor negativen Auswirkungen von Kürzungen bei Ermessensausgaben und innovativer Sozialpolitik

Utl.: Sozialorganisationen warnen vor negativen Auswirkungen von
Kürzungen bei Ermessensausgaben und innovativer Sozialpolitik =

Wien (OTS) - "Das soziale Netz muss gerade dann halten, wenn man es
am meisten braucht." Mit Sorge verfolgen Caritas, Diakonie,
Hilfswerk, Rotes Kreuz, und Volkshilfe, die im Budget veranschlagten
Kürzungsvorschläge im Sozialen. "Kürzungen bei den sog.
Ermessensausgaben treffen Beratungsstellen für Menschen in Not, Hilfe
für pflegende Angehörige, Demenzberatung und Integrationsmaßnahmen",
warnt Michael Chalupka, Direktor der Diakonie Österreich.

Das betrifft die Wärmestube, die dem Wohnungslosen bei Minusgraden
zur Verfügung steht. Das Frauenhaus, in dem die von häuslicher Gewalt
betroffene Frau und ihr Kind Zuflucht finden. Das Lernprogramm, mit
dessen Hilfe Jugendliche ihren Pflichtschulabschluss schaffen. Das
Kriseninterventionszentrum, die Behinderteneinrichtung, die Beratung
für Scheidungs- und das Sommercamp für Asthmakinder ... Sie alle
werden zumindest zum Teil aus öffentlichen Mitteln gefördert, die
nicht fix in Budgets verplant, sondern eben Ermessensausgaben sind.

"Reiche Menschen merken Kürzungen gar nicht, diese Menschen sehr
wohl. Scheinbar kleine Einsparungen richten hier großen Schaden an.
Es ist ein Unterschied, ob kostenlose Nachmittagsbetreuung angeboten
werden kann oder nicht, die Behindertengruppe auf Urlaub fahren kann
oder nicht. Das bedeutet einen traurigen Verlust an Lebensqualität
für die Betroffenen", so Volkshilfe Bundesgeschäftsführer Erich
Fenninger.

Innovationsmotor

"Ermessensausgaben machen oft erst Innovationen in der Sozialpolitik
möglich. Denn wir zivilgesellschaftliche Organisationen sind
Spezialisten für kleine Zielgruppen: Nahe am Menschen, kennen wir
seine Bedürfnisse und entwickeln neue, wirksame Lösungen", so Michael
Opriesnig, stv. Generalsekretär des Österreichischen Roten Kreuzes.
Viele dieser Modelle werden dann von der öffentlichen Hand als
Standardanbieter für große Zielgruppen übernommen. Auf der Basis
dieser Logik sind zahlreiche heute selbstverständliche
Dienstleistungen entstanden - gerade auch zukunftsweisende: Die
mobile Pflege und Betreuung, neue Wohnformen für pflegebedürftige
Menschen oder Hospizangebote.

Jobmotor, Wertschöpfung, Ausgleich

"Soziale Dienstleistungen schaffen Jobs, tragen zur Wertschöpfung
bei, geben der Gesellschaft doppelt und mehrfach zurück", weist Bernd
Wachter, Generalsekretär der Caritas Österreich, auf die Bedeutung
der sozialen Arbeit hin. Der gemeinnützige Sektor hilft
wirtschaftlich strukturschwachen Regionen, macht Vereinbarkeit von
Beruf und Familie möglich, hebt Haushaltseinkommen, entlastet
Angehörige, trägt zum sozialen Ausgleich bei.

Die Anzahl der Vertragsverhältnisse im NonProfit-Sektor (NPO) stieg
zwischen dem Jahr 2000 und 2010 um rund 39% an, das Wachstum fand vor
allem in den Bereichen "Kindergärten" (93% Zunahme) und Soziales
(76%) statt. Im Vergleich dazu stieg in diesem Zeitraum die
unselbständige Beschäftigung in Österreich insgesamt um bloß 7%, so
die Daten der Statistik Austria.

"Der Beschäftigungsmultiplikator für den Gesundheits- und
Sozialbereich zeigt die hohe Beschäftigungswirkung von NPOs", ergänzt
Walter Marschitz, Bundesgeschäftsführer Hilfswerk Österreich. Die
Erhöhung der Nachfrage nach Dienstleistungen um 1 Mio. Euro schafft
17 Arbeitsplätze, also mehr als in fast allen anderen Branchen. Nach
dem Einzelhandel und sonstigen Dienstleistungen ist die
Sozialwirtschaft somit der Bereich mit der drittstärksten
Beschäftigungswirkung.

"Der Beitrag zur volkswirtschaftlichen Wertschöpfung liegt vorsichtig
geschätzt bei mindestens Euro 6,32 Mrd. und damit ca. 4% des BIP.
6,2% aller unselbständig Beschäftigen arbeiten in NPOs, zählt man den
Anteil der ehrenamtlichen Arbeit hinzu, erhöht sich dieser Wert auf
fast 25% der insgesamt in Österreich geleisteten unselbständigen
Arbeit", so Marschitz.

Daher appellieren die großen Sozialorganisationen der
Bundesarbeitsgemeinschaft Freie Wohlfahrt (BAG), bei
Ermessensausgaben im Sozialen nicht zu streichen. "Das bringt viel
menschliches Leid und hohe soziale Folgekosten", so die Kritiker.

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