Kollektivvertragsabschluss für Spitalsärzte der Wiener Ordensspitäler

Ärztekammer zufrieden über Einigung - Starke Verhandlungsgemeinschaft

Wien (OTS) - Die Wiener Ärztekammer zeigt sich zufrieden mit dem erzielten Verhandlungsergebnis für die Ordensspitäler. Einer starken Verhandlungsgemeinschaft sei hier ein "brauchbarer Kompromiss" gelungen. Gleichzeitig mahnt die Ärztekammer aber die Verhandlungsbereitschaft von der Stadt Wien und dem Rektorat der MedUni Wien ein. "Die in den KAV-Häusern und im AKH tätigen Spitalsärzte harren nach wie vor einer Lösung ihrer Gehalts- und Arbeitsplatzproblematik", so Ärztekammerpräsident Thomas Szekeres. ****

Erstmals in der Geschichte der acht Wiener Ordensspitäler ist es gelungen, für alle Ärztinnen und Ärzte einen Kollektivvertrag mit Regelungen für die Gehälter zu etablieren. Auch wurde die angestrebte Analogie zu den Gehältern im Wiener Krankenanstaltenverbund erfolgreich umgesetzt, womit man dem Beispiel der anderen Bundesländer gefolgt ist, wo seit Langem ein den Kolleginnen und Kollegen aus den Landes- oder Gemeindespitälern vergleichbares Gehalt ausbezahlt wird. Das neue Gehaltsschema tritt mit 1. Juli 2015 in Kraft. Eine zweite Umsetzungsphase startet dann mit 1. Jänner 2017.

Die konkreten Auswirkungen für die einzelnen Spitalsärzte sind unterschiedlich, da es zuvor höchst unterschiedliche Schemata gegeben hat und für viele Ärztinnen und Ärzte individuelle Regelungen bestanden haben. Fix ist jedenfalls eine Mindesterhöhung von 425 Euro monatlich plus einer Sondervorrückung. "Damit ist eine soziale Ausgewogenheit garantiert. Kolleginnen und Kollegen profitieren vom neuen Modell, indem bisher schlechter verdienende Spitalsärzte eine stärkere Erhöhung bekommen", betont Szekeres.

Ein weiterer wesentlicher Eckpunkt des Verhandlungspakets ist die verbesserte Überstundenabrechnung: Jede Stunde über der 40. Arbeitsstunde, ausgehend vom Monatssoll, wird zukünftig als Überstunde gewertet. Somit kann durch Nachtdiensttätigkeiten erstmalig eine Überstundenleistung entstehen. Möglich macht diese Umstellung eine Abrechnung durch die sogennannte "Stunde-Läuft-Systematik". Damit gehören pauschale Ausgleichsstunden und -tage der Vergangenheit an. Szekeres: "Die Kolleginnen und Kollegen bekommen zukünftig jede Stunde, die sie im Krankenhaus arbeiten, auch tatsächlich ausbezahlt."

In einem nächsten Schritt wird das Ergebnis den Mitarbeitern in den Ordenskrankenhäusern im Rahmen von Informationsveranstaltungen im Detail zur Kenntnis gebracht. "Der Kollektivvertragsabschluss bedeutet für sie eine spürbare Verbesserung ihrer persönlichen Arbeitssituation. In Zeiten der immer größer werdenden Engpässe im Gesundheitswesen ist das ein wichtiger Schritt", bekräftigt Szekeres. Schließlich würden die Wiener Ordensspitäler 20 Prozent der Patienten versorgen und ungefähr 800 Ärztinnen und Ärzte beschäftigen.

Der verhältnismäßig schnelle Kollektivvertragsabschluss nach drei Monaten Verhandlungen sei nicht zuletzt auf die gute Kooperation innerhalb der Verhandlungsgemeinschaft zurückzuführen. Erstmals in der Geschichte hätten Ärztekammer, Gewerkschaft und Personalvertretung an einem Tisch Platz genommen und in konstruktiver Art und Weise ein passables Ergebnis erzielt. "Hier zeigt sich - ganz im Gegensatz zur dramatischen Situation in den Häusern der Gemeinde Wien -, was es für die Verhandlungsdynamik bedeutet, wenn die Gewerkschaft im selben Team spielt und für die Forderungen der Spitalsärzte auch tatsächlich einsteht." Jetzt sei die Gewerkschaft der Gemeindebediensteten (GdG) eingeladen, "gleiches zu tun, damit auch die Situation im KAV endlich befriedigend gelöst werden kann", so Szekeres.

"Dreiste Sparpolitik in den KAV-Häusern"

Von der Stadt Wien erwartet sich Szekeres eine ähnlich hohe Kompromissbereitschaft. Erfreulicherweise habe man dort für die Ordensspitäler jene finanzielle Mittel in die Hand genommen, die benötigt würden, um eine effiziente Versorgung der Patienten zu gewährleisten. Nun müsste dasselbe auch für die Kolleginnen und Kollegen in den KAV-Häusern passieren. Szekeres: "Es ist schon etwas verwunderlich, wenn die politisch verantwortliche Gesundheitsstadträtin und das Management des KAV in den Gemeindespitälern nach wie vor eine dreiste Sparpolitik betreiben, in den Ordensspitälern hingegen Pläne für einen Personalabbau nie ein Thema gewesen waren".

Angesichts der derzeitigen Situation mit hoffnungslos überfüllten Ambulanzen, langen OP-Wartezeiten und Gangbetten müssten Politik und KAV dringend einsehen, dass der dort geplante Stellenabbau "absolut kontraproduktiv und gegen die berechtigten Anliegen der Patienten" sei.

Die Frist der Ärztekammer an die Stadt Wien läuft noch bis 31. Mai 2015. "Wenn die Stadträtin bis dahin nicht zu den bekannten Forderungen der Ärztekammer Stellung bezieht, sind wir entschlossen, auch unter den KAV-Ärzten eine Abstimmung über Streik, analog zum AKH, durchzuführen." Bislang habe es noch keinerlei Reaktion seitens der Gesundheitsstadträtin gegeben. "Ein Streikszenario rückt damit in immer größere Nähe", so Szekeres. (pl)

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