Bauarbeit macht krank: AK fordert Best- statt Billigstbieterprinzip

Linz (OTS) - Körperlich belastende Arbeitsbedingungen sowie Termin-und Zeitdruck, der auch die psychische Gesundheit angreift - das ist kennzeichnend für die Baubranche. Die dramatischen Folgen: Am Bau Beschäftigte haben mehr Krankenstandstage als der Durchschnitt der Arbeitnehmer/-innen, und nicht einmal die Hälfte glaubt, ihre derzeitige Arbeit bis zur gesetzlichen Pension durchhalten zu können. Für AK-Präsident Dr. Johann Kalliauer ist es höchste Zeit, die Notbremse zu ziehen: "Das Billigstbieterprinzip bei Bauprojekten muss abgeschafft werden. Den Zuschlag sollen Bestbieter bekommen, die auch menschengerechte und gesunde Arbeitsbedingungen garantieren", sagt er.

Im Jahr 2014 waren in der Baubranche in Österreich laut Statistik Austria 232.000 unselbständig Erwerbstätige in 32.469 Unternehmen beschäftigt. Sie leisten einen unverzichtbaren Beitrag für die heimische Gesellschaft und Volkswirtschaft - zahlen allerdings einen hohen Preis, weil sie im Vergleich mit anderen Sparten häufiger belastenden Arbeitsbedingungen ausgesetzt sind. Vor allem Witterung, Staub, Lärm, schwere körperliche Anstrengung, einseitige körperliche Belastung und Arbeit unter Zwangshaltungen zählen dazu. Auswertungen des Österreichischen Arbeitsgesundheitsmonitors 2008-2014 zeigen, dass sich Bauarbeiter/-innen im Branchenvergleich auch häufiger durch Termin- und Zeitdruck bei der Arbeit belastet fühlen: 35 Prozent der Beschäftigten am Bau sagen, dass sie sich dadurch stark oder sehr stark belastet fühlen - im Branchendurchschnitt sind es 26 Prozent.

Aus einer aktuellen wissenschaftlichen Arbeit, in der Bauarbeiter/-innen Auskunft über ihre Arbeitsrealität geben, geht hervor: Zeitdruck und zu wenig Personal führen häufig dazu, dass Hebe- und Tragevorrichtungen nicht eingesetzt und Sicherungsvorkehrungen missachtet werden. Damit verbunden ist ein enormes Risiko für die Bauarbeiter/-innen. AK-Präsident Dr. Johann Kalliauer kritisiert: "Bei manchen Baufirmen haben Zeit-Kosten-Rechnungen offenbar einen deutlich höheren Stellenwert als die Sicherheit und Gesundheit der Beschäftigten. Solche Firmen sollten keine Aufträge mehr erhalten. Ungesetzliche und gefährliche Praktiken müssen durch strengere Kontrollen durch das Arbeitsinspektorat und durch höhere Strafen abgestellt werden."

Die Baubranche hält auch den Negativrekord bei Arbeitsunfällen und Berufskrankheiten. Jeder fünfte Arbeitsunfall passiert am Bau: 2014 waren es 17.742 von insgesamt 87.093 Arbeitsunfällen (ohne Unfälle auf dem Weg zur Arbeit und von der Arbeit nach Hause). Etwa 60 von 1000 Beschäftigten in der Baubranche erleiden pro Jahr einen Arbeitsunfall - so viele wie in keiner anderen Sparte.

Auch bei den Berufskrankheiten nimmt das Bauwesen den unrühmlichen ersten Platz ein. 2014 erkannte die AUVA insgesamt 1327 Fälle von Berufserkrankungen an. Alleine davon entfielen 219 Fälle auf das Bauwesen. Mit 16,6 Kalendertagen pro Jahr sind Bauarbeiter/-innen auch länger im Krankenstand als Beschäftigte im Branchendurchschnitt (13,8 Kalendertage). Die Krankenstandsdaten bilden aber nur einen Teil der Wirklichkeit ab. Denn 38 Prozent der Bauarbeiter/-innen gehen auch dann zur Arbeit, wenn sie sich eigentlich krank fühlen und besser im Bett geblieben wären.

Zum Regelpensionsalter in Pension zu gehen, ist in der Bauwirtschaft fast nicht möglich. Viele müssen krankheitsbedingt deutlich früher das Arbeitsleben beenden. Laut einer Studie des WIFO aus dem Jahr 2013 erhielten von 2008 bis 2011 55,6 Prozent der Pensionsneuzugänge aus der Baubranche eine Invaliditäts- und Berufsunfähigkeitspension zugesprochen. Mehr als die Hälfte der am Bau Beschäftigten glaubt laut Auswertungen des Österreichischen Arbeitsklima Index nicht daran, bis zur Pension durchzuhalten zu können. Nur 47 Prozent der Arbeitnehmer/-innen in der Baubranche halten es für sehr oder eher wahrscheinlich, ihren Job mit 60/65 noch ausüben zu können. Hier sind die Arbeitnehmer/-innen anderer Branchen mit 65 Prozent deutlich optimistischer.

Die Arbeiterkammer Oberösterreich sieht raschen Handlungsbedarf und fordert deswegen die Abkehr vom Billigstbieter- hin zum Bestbieter-Prinzip. Es sollen jene Betriebe den Zuschlag für Bauprojekte bekommen, die für gute Arbeitsbedingungen unter Einhaltung der Schutzvorschriften sorgen. Die Kontroll- und Kompetenzmöglichkeiten des Arbeitsinspektorats müssen ausgeweitet werden, außerdem muss es personell dementsprechend ausgestattet sein, um auch nachgehende Kontrollmöglichkeiten zu erfüllen.

Die Unterlage der heutigen Pressekonferenz finden Sie online unter ooe.arbeiterkammer.at

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