St. Pöltner Pflegegespräche "24-Stunden-Betreuung - 2-Klassen-Pflege?"

Forderung eines Qualitätsgütesiegels für Vermittlungsagenturen und BetreuerInnen

St. Pölten (OTS) - Bei den gestrigen St. Pöltner Pflegegesprächen diskutierten namhafte Experten zum Thema der "24-Stunden-Betreuung".

Umfragen zeigen, dass sich 2/3 der Menschen in Österreich wünschen, in der gewohnten Umgebung, den eigenen vier Wänden, alt zu werden. Frau Dr. Elisabeth Rappold (Gesundheit Österreich) wies darauf hin, dass allein aufgrund der demografischen Entwicklung die Nachfrage nach der "Pflege daheim" ständig steigt. Rund 25.000 Pflegebedürftige , meist Pflegestufe 3 und 4, nehmen bereits eine "24-Stunden-Betreuung" in Anspruch. Rappold: "Pflegeformen sollen sich dabei ergänzen. Es ist die Kunst der Dienstleister, zu sehen, was für den Betroffenen die beste Versorgung ist!"

Frau Monika Hoschek (Caritas St. Pölten) betonte, dass die jeweilige Biographie des Kunden oft die Grundlage der Pflege sein soll. Die Selbstbestimmung des Kunden ist auch ein wesentlicher Parameter!

Herr Mag. Christian Elsner (Elsner Pflege) forderte Qualitätsgütesiegel, damit die Angehörigen und Betroffenen wissen, welche qualitative Leistung sie bezahlen. Weiters wünscht er sich eine Pflegeversicherung wie in Skandinavien, denn Qualität kostet auch Geld! "Der Wildwuchs der Vermittlungsagenturen, vor allem der ausländischen, muss ein Ende haben - da ist die Wirtschaftskammer gefordert", wünscht sich Mag. Elsner.

Selbst das Land Niederösterreich weist auf ihrer Homepage darauf hin, dass die Agenturen, die "24-Stunden-Betreuung" anbieten oder vermitteln, keiner behördlichen Qualitätskontrolle unterliegen. Der Bedarf wird zum überwiegenden Teil von (süd-) osteuropäischen Betreuungskräften gedeckt. 60.000 selbstständige PersonenbetreuerInnen waren Ende 2013 offiziell gemeldet, um 16 Prozent mehr als 2012, rund 95 Prozent davon waren Frauen.
Obwohl es sich um eine selbstständige Tätigkeit (Personenbetreuung ist freies Gewerbe) handelt, sehen die PflegerInnen vom hart verdienten Geld oft am aller wenigsten. Von den 2200 Euro, die manchen Familien für die "24-Stunden-Betreuung" verrechnet werden, erhält manche Betreuerin nach eigenen Angaben "etwas weniger als 1000 Euro".

Die Trennung des Gewerbes der Personenbetreuung von jenem der Vermittlung durch die neue Bundesgesetznovelle ist ein Schritt in die richtige Richtung!

Frau Ingrid Rottenhofer , eine betroffene Angehörige, brachte vieles auf den Punkt! "Es ist eine Notlage für Angehörige, aber auch für die BetreuerInnen". Die Angehörigen sind in der Auswahl und Vertragsgestaltung überfordert - es gibt keine Transparenz der Preis/Leistungsgestaltung! Die BetreuerInnen haben auch keine Ombudsstelle, wenn sie Fragen haben, welche Leistungen sie erbringen dürfen oder nicht.

Landtagsabgeordnete Dr. Gabriele Von Gimborn und Landtagsabgeordneter Dr. Herbert Machacek forderten
- Einheitliche Standards bei den Verträgen zwischen Kunden und Personenbetreuern
- Faire, transparente Vertragsbedingungen zwischen Agenturen und Kunden (Transparenz bei Anboten und Zahlungsflüssen)
- verpflichtende Betreuungszertifikate von lizensierten Ausbildungsstätten
- Qualitätsgütesiegel für Agenturen
- Qualitätskontrollen seitens ausgebildeter PflegeexpertInnen
- Finanzierbarkeit ("24-Stunden-Betreuung" muss leistbar sein!)
- Pflegeversicherung als 4. Säule der Sozialversicherung

Leider konnte die Präsidentin des NÖ Hilfswerks, Frau Landtagsabgeordnete Michaela Hinterholzer nicht an der Veranstaltung teilnehmen. Die zahlreichen Zuhörer hätten gerne auch die Meinung der Präsidenten des NÖ Hilfswerks und ÖVP-Abgeordneten zu diesem wichtigen Thema gehört!

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Dr. Werner Katschnig
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