WKÖ-Gleitsmann: Überstunden sind für Unternehmen teuer - und für Arbeitnehmer lukrativ

Privatwirtschaft zahlt Überstunden, der Bereich Erziehung und Unterricht kaum

Wien (OTS) - "Es ist nachvollziehbar, dass die Gewerkschaft nach allen möglichen Argumenten sucht, um ihre Forderung nach Arbeitszeitverkürzung irgendwie zu stützen. Doch die Verzerrung der Tatsachen hilft niemandem weiter - weder den arbeitsuchenden Menschen, noch unseren Betrieben oder dem Staat", stellt Martin Gleitsmann, Leiter der sozialpolitischen Abteilung in der WKÖ, in Bezug auf eine Aussendung von GPA-djp-Katzian klar.

Fakt ist: Überstunden sind für Unternehmen teuer. Gesetz und Kollektivverträge fordern hierzulande Zuschläge von 50 bis 100%. Zum Vergleich: In Deutschland sind 25% üblich. Für Mitarbeiter sind Überstunden attraktiv - und zwar wegen des Zuschlags und der Steuerbegünstigung für Zuschläge. "Daher sind es oft die Unternehmen, die Überstunden reduzieren wollen, während Mitarbeiter eher auf Überstunden beharren", erklärt Gleitsmann. "Vor diesem Hintergrund kann es nicht sein, dass der Gesetzgeber Überstunden bei Arbeitnehmern fördert, Unternehmen aber dafür bestraft werden sollen", kritisiert Gleitsmann die Forderung nach einem Überstundeneuro für Unternehmen. Im Übrigen sind in Österreich nach einer aktuellen Market-Umfrage über 80% der Mitarbeiter mit ihrer Arbeitszeit und 71% mit ihrer derzeitigen Überstundensituation zufrieden.

Auf Basis einer Befragung von Arbeitnehmern erhebt die Statistik Austria Überstundenzahlen. Demnach wurden 2014 in Österreich 269 Millionen Überstunden geleistet, 2007 waren es noch 375 Millionen. 2014 wurden 57,4 Mio Überstunden als unbezahlt ausgegeben, 2012 waren es noch 66,9 Mio Euro. Diese Zahlen, die auf der Befragung von Arbeitnehmern und ihren Angehörigen beruhen, sind aber zu hinterfragen, wie auch das WIFO in einer Studie bestätigt: Denn Überstunden, die nicht einzeln verrechnet, sondern durch Zeitausgleich oder pauschal abgegolten werden, dürften oft als "nicht bezahlt" deklariert werden.

Den höchsten Anteil unbezahlter Überstunden geben Führungskräfte und akademische Berufe an - also Gruppen, bei denen All-In-Verträge besonders häufig sind. Von allen Branchen weist übrigens der öffentliche Bereich Erziehung und Unterricht bei weitem die meisten unbezahlten Überstunden auf.

Das WIFO bestätigt auch, dass eine Reduktion von Überstunden die Beschäftigung kaum erhöhen würde. Die meisten Überstunden werden nämlich im qualifizierten Bereich geleistet, wo die Arbeitslosigkeit bereits sehr gering ist. "Die Reduktion der Ärzte-Arbeitszeit verringert nicht die Arbeitslosigkeit - es gibt nämlich kaum arbeitslose Ärzte -, sondern schafft Probleme in der medizinischen Versorgung", erinnert Gleitsmann an ein aktuelles Beispiel.

"In einem Punkt ist Katzian Recht zu geben: Es ist höchst an der Zeit, aufgrund der besorgniserregenden Entwicklung am Arbeitsmarkt zu reagieren. Nur bei der Wahl ihrer Mittel greifen die Gewerkschafter leider daneben. Anstatt Unternehmen, die im Wettbewerb stehen, ständig mit neuen Belastungen zu konfrontieren, sollte sich die Gewerkschaft mehr mit Maßnahmen befassen, die nachweislich Jobs schaffen. Mehr Beschäftigung entsteht, wenn Unternehmen von Lohnnebenkosten, Bürokratie und starren Arbeitszeitregeln entlastet werden. Unser Staat hat genug Geld - er muss nur endlich bei sich und an den richtigen Stellen sparen", fasst Gleitsmann zusammen. (PWK358/PM)

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