WKÖ-Gleitsmann zu Krankenkassen: Politischer Wille und Tatkraft gefordert

Negative Gebarungsvorschau für 2015 – Wirtschaft sieht dies als Aufforderung zum Handeln

Wien (OTS) - Die heute veröffentlichten Zahlen der Krankenkassen für 2014 und 2015 zeigen einen deutlichen Trend: Während für 2014 noch ein Überschuss von insgesamt 88 Mio. Euro erwirtschaftet werden konnte, sieht die Prognose für 2015 wenig erfreulich aus. Die Kassen rechnen gesamt mit einem Minus von 137 Mio. Euro. Nur die Salzburger Gebietskrankenkasse, die Betriebskrankenkassen, die Sozialversicherungsanstalt der gewerblichen Wirtschaft und die Sozialversicherungsanstalt der Bauern rechnen mit einem positiven Ergebnis.

Martin Gleitsmann, Leiter der Abteilung Sozialpolitik und Gesundheit der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ), fordert eine konsequente Weiterverfolgung des eingeschlagenen Reform- und Konsolidierungskurses und regt zusätzliche Maßnahmen zur Qualitätssteigerung und Kostendämpfung an: "Wir haben viele Hebel, um die erfolgreiche Kassensanierung der letzten Jahre nachhaltig zu sichern. Dazu bedarf es allerdings eines politischen Willens und mehr Tatkraft in der Umsetzung. Damit die Versicherten auch künftig qualitätsvoll medizinisch versorgt werden."

Gleitsmann verweist in diesem Zusammenhang auf die schleppende Umsetzung der Gesundheitsreform: "Primärversorgungszentren sollen die Qualität der medizinischen Versorgung heben und gleichzeitig die teuren Spitalsambulanzen entlasten. Ein 24-Stunden telefon- und webbasiertes Erstberatungsservice soll Versicherten Umwege im Gesundheitssystem ersparen und gleichzeitig unnötige Kosten vermeiden. Die elektronische Gesundheitsakte ELGA soll eine bessere Behandlung ermöglichen und gleichzeitig die Kosten durch Mehrfachbefundungen, Mehrfachmedikation usw. reduzieren. Auf all das hat man sich schon geeinigt - worauf wartet man mit der Umsetzung?"

Gleitsmann betont auch die Wichtigkeit des Ausgabendämpfungspfads, der in der zweiten Jahreshälfte verhandelt wird. Darüber hinaus regt er die Fortsetzung eines Systems der finanziellen Anreize für die Kassen an, wie es der Kassenstrukturfonds geboten hat.

Ein viel stärkerer Fokus muss künftig auf die Behandlung von chronischen Erkrankungen gelegt werden. Gleitsmann: "Österreich hinkt im Bereich der strukturierten Betreuung von chronisch erkrankten Menschen anderen Ländern um Jahre hinterher. Dabei wäre es eine Win-Win-Situation für alle Beteiligten: Die Patienten haben weniger Folgeschäden, mehr Lebensqualität, eine höhere Lebenserwartung und das bei langfristig gerechnet geringeren Kosten für die Versichertengemeinschaft."

Was noch bei einer Analyse der Zahlen der Krankenkassen auffällt:
Das Krankengeld entwickelt sich immer mehr zum Kostentreiber. Von 2013 auf 2014 stiegen die Ausgaben für Krankengeld um 7,5% - mehr als für jede andere Ausgabenposition. Zum Vergleich: Medikamente erlebten einen Anstieg von 5,4%. Während andere Ausgaben moderat gestiegen sind, sind jene für Krankengeld in den letzten acht Jahren um fast 50% in die Höhe geklettert.

Gleitsmann: "Hier ist eine Strategie gefordert. Österreich gibt Jahr für Jahr mehr für die Gesundheit der Bevölkerung aus, das österreichische Gesundheitssystem ist eines der teuersten der Welt und gleichzeitig explodieren die Ausgaben für Krankengeld." (PWK349/PM)

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Dr. Martin Gleitsmann
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