- 14.05.2015, 11:42:13
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Caritas: "Zeltstädte sind keine Option, sondern ein Armutszeugnis"
Schwertner richtet einen dringenden Appell zur Besonnenheit und Menschlichkeit an die verantwortlichen PolitikerInnen
Utl.: Schwertner richtet einen dringenden Appell zur Besonnenheit
und Menschlichkeit an die verantwortlichen PolitikerInnen =
Wien (OTS) - "Zeltstädte für Flüchtlinge in Österreich? Bomben auf
Flüchtlingsboote im Mittelmeer? Die Europäische Union mag Trägerin
des Friedensnobelpreises sein, doch die aktuelle Asyldiskussion in
Europa und in Österreich zeigt: Die EU und ihre Mitgliedsstaaten
verdienen diesen Preis nicht", sagt Klaus Schwertner, Generalsekretär
der Caritas der Erzdiözese Wien in einer ersten Stellungnahme,
nachdem die Pläne des Innenministeriums, Zeltstädte für Flüchtlinge
in einzelnen Bundesländern errichten zu wollen, publik geworden sind.
"Die verantwortlichen PolitikerInnen täten gut daran, in der
gegenwärtigen Situation besonnen und menschlich zu agieren.
Angesichts von 300 schutzsuchenden Menschen den Notstand auszurufen,
ist zynisch und entbehrt jeglicher Grundlage", so Schwertner, der
sich bei dieser Gelegenheit einmal mehr bei all jenen
BürgermeisterInnen bedankt, die in den vergangenen Monaten
schutzsuchende Menschen in ihren Gemeinden beherbergt haben. "Es geht
hier um Menschen, nicht um Zahlen. 300 Flüchtlinge müssen in
Österreich leicht eine andere Unterbringung als in Zelten finden.
Speziell bei unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen, Kindern und
Jugendlichen gibt es dringend Handlungsbedarf. Die Caritas fordert
hier einmal mehr gleiche Betreuung, gleiche Rechte und gleiche
Tagsätze für alle Kinder in Österreich."
Die Fakten: Mehr als 51 Millionen Menschen sind derzeit weltweit auf
der Flucht - so viele wie seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs nicht
mehr, aber nur 1,14 Prozent haben im Vorjahr in der EU einen
Asylantrag gestellt. Neun von zehn Flüchtlingen finden in
Entwicklungsländern Zuflucht. In Österreich gab es im Vorjahr 28.000
Asylanträge, bis zu 50.000 Asylanträge werden laut Innenministerium
für heuer erwartet. Schwertner dazu: "Der Bürgerkrieg in Syrien, die
kriegerischen Konflikte in Afghanistan, Terror und Verfolgung in
mehreren afrikanischen Staaten sind die Hauptgründe, dass Frauen,
Männer und ihre Kinder flüchten und dabei sogar bereit sind, ihr
eigenes Leben zu riskieren. Österreich hat in den 1990er Jahren
während des Jugoslawienkriegs 90.000 Menschen kurzfristig aufgenommen
und kein einziges Zelt musste aufgestellt werden. Als Caritas
appellieren wir im Umgang mit schutzsuchenden, zum Teil schwer
traumatisierten Menschen und deren Versorgung in der Grundversorgung
an die Verantwortlichen in Bund und Ländern zur Besonnenheit und
Sachlichkeit. Zeltstädte in Österreich sind keine Option, sondern
allenfalls ein Armutszeugnis für die handelnden PolitikerInnen. Vor
allem aber sind solche Zeltstädte auch nicht erforderlich, sondern
dienen allein einem politischen Muskelspiel am Rücken von
Flüchtlingen. Für die Grundversorgung gibt es eine klare
Zuständigkeit im Innenministerium, aber dort versucht man erneut die
Verantwortung auf andere abzuschieben", so Schwertner. "Mehr als
42.000 ÖsterreicherInnen haben in den vergangenen drei Wochen die
Petition www.gegen-unrecht.at unterzeichnet. Das sind 42.000, die
sich für eine menschlichere Asylpolitik aussprechen - in Europa, aber
auch in Österreich."
Abschließend erinnert Schwertner an die Worte von Papst Franziskus
bei seinem Besuch auf der Flüchtlingsinsel Lampedusa bereits 2013.
"Der Papst machte deutlich, dass wir unsere Augen vor dieser
Flüchtlingsnot nicht verschließen dürfen. Es geht darum hellhörig für
die Not der Menschen zu bleiben. Papst Franziskus hat uns
eindringlich vor einer Globalisierung der Gleichgültigkeit gewarnt.
Der Schrei der Anderen geht uns alle an!"
Die Caritas wird auch weiterhin alles unternehmen, um die Not von
Menschen zu lindern und Hilfe zur Selbsthilfe zu leisten. Egal, ob
aktuell nach dem Erbeben in Nepal, an vielen anderen Orten weltweit
oder in der stillen alltäglichen Arbeit in Österreich - in den
Obdachloseneinrichtungen wie der Gruft ist, in den Mutter-Kind
Häusern, in den Sozialberatungsstellen oder in Flüchtlingshäusern.
"Wir sind bereit zu helfen. Das galt in den vergangenen Monaten und
es gilt auch heute", so Schwertner. Seit letztem Sommer hat die
Caritas, in vielen Fällen gemeinsam mit Pfarren und Klöstern
zusätzliche Flüchtlingsquartiere aufgemacht. Die Caritas betreut und
versorgt österreichweit aktuell 3.500 Menschen im Rahmen der
Grundversorgung. Fast 8.580 Menschen, die nicht in einem
Caritasquartier untergebracht sind, werden mobil von
Caritas-MitarbeiterInnen betreut. Das sind in beiden Betreuungsformen
über 3.400 mehr Menschen als noch im Sommer des Vorjahres.
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