Wiener Tierschutzverein: Österreich auf dem Weg zu echten Tierrechten?

Strafmaß für Tierquäler soll auf zwei Jahre erhöht werden. WTV-Präsidentin Petrovic: „Kleiner Schritt in richtige Richtung“.

Vösendorf (OTS) - Schenkt man dem aktuellen Entwurf der Strafrechtsnovelle 2015 Glauben, so wird Tierquälerei künftig mit einer Freiheitsstrafe von bis zu zwei Jahren geahndet und die Möglichkeit die Tat mit einer Geldstrafe zu sühnen, soll ersatzlos gestrichen werden. Zur Erinnerung: Bisher galt für Tierquälerei in Österreich ein Strafmaß von bis zu einem Jahr oder eine Geldstrafe von bis zu 360 Tagessätzen. Mit der Erhöhung würde Tierquälerei endlich als echtes Verbrechen angesehen werden und die Behörden könnten künftig alle Mittel der Aufklärung und Verfolgung von Täterinnen und Tätern, wie etwa auch die Fahndung mit Fotos in den Medien, einsetzen. "Nur wenn die Strafdrohung mehr als ein Jahr beträgt, dürfen die Medien und damit die Öffentlichkeit eingeschaltet werden, um Straftäterinnen und Straftäter auszuforschen. Das ist auch deshalb wichtig, da brutale Tierquäler auch dazu neigen, gegen Menschen gewaltsam vorzugehen", so WTV-Präsidentin Madeleine Petrovic.

Ein kleiner Schritt

Zwar entspricht die aktuelle Aufstockung nicht zur Gänze den Forderungen des Wiener Tierschutzvereins, denn der WTV hat stets ein Strafmaß von bis zu drei Jahren gefordert. Für Petrovic ist es (so es bei dem Strafmaß bleibt) ein "gar nicht so kleiner Schritt in die richtige Richtung" hin zu mehr und echten Tierrechten in Österreich. "Lange hat es gedauert, etliche Vorstöße, Termine und Proteste waren nötig, damit endlich der Strafrahmen für Tierquälereien hinaufgesetzt wird. Eigentlich sind zwei Jahre als Maximalstrafe noch zu wenig. Aber dass Tierquälerei jetzt nicht mehr nur ein Vergehen, sondern ein Verbrechen sein kann, ist Ausdruck einer Entwicklung, die hin zu eigenen Rechten von Tieren führt und absolut notwendig ist" so Petrovic. Dem Wiener Tierschutzverein geht es allerdings nicht darum, möglichst viele und hohe Gefängnisstrafen zu verhängen. Wichtiger ist, ein gesellschaftliches Signal zu setzen und dass sadistische Quälereien gegen Tiere keine Bagatellen mehr sind, sondern mindestens so wie Eigentumsdelikte geahndet werden müssen. "Leider bedarf es immer noch der Abschreckung. Aber es ist zu hoffen, dass die Arbeit der Tierschutzorganisationen und der Medien dazu führt, dass sich in der Gesellschaft, vor allem bei der Jugend, ein Klima des Miteinander von Mensch und Tier breit macht", so Petrovic.

Der Weg ist damit aber für die WTV-Präsidentin noch lange nicht zu Ende: "Alle Tiere - Haustiere, Wildtiere, landwirtschaftliche Nutztiere und Versuchstiere - müssen als empfindsame Lebewesen, so wie es das Allgemeine Bürgerliche Gesetzbuch in Paragraph 285a eigentlich schon seit 1990 vorsieht, um ihrer selbst willen vor Misshandlung, vor physischen und psychischen Qualen in den Schutz der Gesetze genommen werden. Tiere sind Rechtssubjekte und nicht mehr Objekte".

Vorbild hoher Norden

Neben mehr Tierrechten und Gesetzesänderungen, wären in Österreich auch andere Maßnahmen gegen Tierquälerei sinnvoll. Etwa eine Tierschutz-Polizei nach norwegischem Vorbild. Dort gehen künftig spezielle Ermittler auf die Straße, um Misshandlungen von Tieren zu verhindern und aufzudecken - in Norwegen wird Tierquälerei übrigens mit bis zu drei Jahren bestraft. "Eine Tierschutz-Polizei wäre auch in Österreich sehr sinnvoll. Der WTV hat diesbezüglich bereits bei Innenministerin Johanna Mikl-Leitner um einen Gesprächstermin ersucht", so Petrovic abschließend.

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