Karola Kraus und ihr Team betroffen vom Tod des US-amerikanischen Künstlers Chris Burden

Wien (OTS) - Die Verbindungen des mumok - Museum moderner Kunst Stiftung Ludwig Wien zum am vergangenen Sonntag, 10. Mai 2015, verstorbenen Künstler waren und sind vielfältig. Als einer der wesentlichsten Vertreter der Body Art steht sein Schaffen dem in diesem Hause schwerpunktmäßig vertretenen Wiener Aktionismus sehr nahe. Aktuell sind zwei seiner frühen Werke in der Ausstellung "Mein Körper ist das Ereignis. Wiener Aktionismus und internationale Performance" zu sehen: Sein berühmter "Shoot" (1971), bei dem er sich in einer Galerie von einem Freund in den Oberarm schießen ließ und die Performance "Through the night softly" (1973). Letztere war -unter anderem Blickwinkel - 2010 ein Hauptwerk in der mumok Ausstellung "Changing Channels": In provokanter Weise hatte Burden die filmischen Aufnahmen dieser Performance, bei der er auf dem Bauch über eine mit Glasscherben bedeckte "Straße" robbt, über das Fernsehen verbreitet. Dafür hatte er kommerzielle Werbezeit erworben. Die Arbeit lief schließlich eingebettet in eine Werbung für Duschgel. Der solcherart beschworene radikale Gegensatz zwischen selbstverletzender Performance und den Filmclips der Werbewelt entspricht dem thematischen Polen der 1960er-Jahre - die Auseinandersetzung mit den Verlockungen und dem Glamour der Konsumwelt einerseits und den tabubrechenden Ansätzen der Körperkunst andererseits. Diese Bandbreite und ihre Verbindungen können aktuell im mumok - Pop und Aktionskunst sind zurzeit gleichzeitig zu sehen -in eindrucksvoller Weise erlebt werden.

Chris Burden war aber auch der Künstler der ersten Präsentation in dem 2002 von Heimo Zobernig geschaffenen "White Cube", der zwei Ausstellungsebenen miteinander verbindet. Burden hatte die Skulptur "Tower of Power" (2002) als einziges Objekt im sonst leeren Raum installiert: Sie bestand aus einhundert je ein Kilogramm schweren Goldbarren im Wert von über einer Million Dollar, die von Bodyguards bzw. Streichholzmännchen bewacht wurden. Mit dieser Verdeutlichung des Zusammenhangs von Aura und Kapital, Schönheit und Macht verwies Burden unter anderem darauf, dass der museale Kontext nicht nur der Präsentation ästhetischer und ideeller Werte gilt, sondern unausweichlich auch selbst ein Ort der Evaluierung sowie der Macht der Einbeziehung und Ausgrenzung ist: Jedes Kunstwerk verknüpft ästhetische, gesellschaftliche und ökonomische Aspekte, aufgrund veränderter Rahmenbedingungen haben sich Museen stärker denn je den Gesetzen des freien Marktes zu unterwerfen.

Burden war ein Künstler, der die Extreme suchte und dabei vor Selbstgefährdung nicht zurückschreckte. Nicht zuletzt steht deshalb sein Ansatz vielen der in seiner Generation und danach in Wien entwickelten Positionen nahe. Er selbst hat die Wiener Künstler geschätzt - eine Wertschätzung, die man hier auch schon zu seinen Lebzeiten erwidert hat. Mit großer Anteilnahme nimmt das mumok Abschied von diesem bedeutenden Künstler.

Karola Kraus, Direktorin mumok, und ihr Team

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