Litauen als Vorbild: Hohes Wachstum, niedrige Schulden

Ex-Premier Kubilius bei WKÖ-Veranstaltung – Zukunftstechnologien und High-tech-Schwerpunkte in der Ausbildung, um wettbewerbsfähig zu bleiben

Wien (OTS) - Eindrucksvolle Zahlen über Litauens Sanierungs- und Wachstumspfad präsentierte gestern Litauens Ex-Premier Andrius Kubilius, der auf Einladung von WKÖ-Präsident Christoph Leitl im Rahmen der Wirtschaftspolitischen Gespräche in Wien war. Kubilius, der zwei Mal das Amt des Premiers in Litauen bekleidete (1999-2000 und 2008-2012), brachte das Land beide Male - trotz Krisenzeiten -auf Konsolidierungskurs. So wies der "baltische Tiger" - wie das Land auch oftmals genannt wird - 2003, im Jahr vor dem EU-Beitritt, die höchsten Wachstumsraten unter allen Kandidatenländern auf, nämlich rund 7 Prozent pro Jahr. Sowohl Präsident Leitl als auch WKÖ-Vizepräsident Richard Schenz in seiner Begrüßung betonten, dass Litauen über einen Zeitraum von nunmehr 15 Jahren konstante Wachstumsraten vorweise, Wachstumsraten, die in all den Jahren über jenen Österreichs gelegen sind. "Ein solides Wirtschaftswachstum und ein geringes Defizit mit stabilen Staatsfinanzen - Dinge, die Österreich nun dringend benötigt, um wieder nach vorne zu kommen", konstatierte Leitl.

Litauen, das sowohl 1999 von der Russlandkrise als auch 2009 von der Finanzkrise getroffen wurde, setzte unter Kubilius auf ein Maßnahmenbündel. So wurden im Zuge der letzten Krise die Staatsausgaben um 15 Prozent und Löhne und Gehälter im öffentlichen Bereich durchschnittlich um um 20 Prozent reduziert. Gleichzeitig wurde ein Impulspaket für die Wirtschaft im Ausmaß von 6 Prozent des BIP geschnürt, vor allem finanziert durch Mittel aus EU-Fonds. "Damit konnten wir erreichen, dass das Staatsdefizit von 9,1 Prozent im Jahr 2009 auf 0,7 Prozent im Jahr 2014 sehr deutlich verringert wurde", so Kubilius.

Starke Wachstumsraten im Export

Aufgrund der niedrigen Arbeitskosten und hochkompetitiven Produkten etwa bei High-Tech, weist Litauen starkes Wachstum im Export auf:
Von rund 12 Mrd. Euro 2008 auf über 22 Mrd. 2012. Litauen sei aber klar, dass die aktuell niedrigen Löhne in den kommenden Jahren stark anziehen werden. "Auch wenn wir hier momentan sehr wettbewerbsfähig sind, werden mittel- und langfristig nicht darauf setzen können. Es braucht neue Ansätze für die zukünftige Wettbewerbsfähigkeit", so Kubilius.

Deshalb investiere Litauen sehr stark im Bereich der Aus- und Weiterbildung und der Zukunftstechnologien. Mit einem ersten Platz im CEE-Vergleichsranking bei Wissenschaft und Mathematik, mit dem höchsten Prozentsatz an Kenntnissen in Computer- und Elektrotechnik (97 Prozent der Schüler haben Ausbildungsschwerpunkte in diesem Bereich ab der Grundstufe), sprachlich hochgebildeten Arbeitskräften und einem zwei Mal höheren Anteil im EU-Schnitt an Studenten in den Fachbereichen "Engineering, Manufacturing und Construction". Gleichzeitig unternimmt Litauen große Anstrengungen was den Breitbandausbau anbelangt - schnellste Breitbandversorgung in der gesamten EU - und ist das Land mit dem schnellsten öffentlichen WiFi. "Wir müssen auf Zukunftsbereiche setzen, denn nur dann werden wir es schaffen auch 2020 und 2030 wettbewerbsfähig zu sein. Darin liegt die Herausforderung für unser Land", unterstrich Kubilius.

Präsident Leitl betonte abschließend, dass auch Österreich dem Vorbild Litauens folgen sollte und sich an fortschrittlichen Ländern wie Schweiz, Bayern orientieren sollte. Es gehe darum, die bekannten Herausforderungen entschieden und konsequent zu bewältigen. Mit den Schwerpunkten Aus- und Weiterbildung, Wachstums- und Investitionsanreizen, Forschung und Technologie. (PWK337/US)

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