HIV und der Life Ball - Glamour vs. Realität

SP-Rumelhart: Aufklärung statt Stigmatisierung in Mariahilf

Wien (OTS/SPW-K) - Das Wiener Rathaus verwandelt sich in eine goldene Märchenwelt. Tausende Menschen scharen sich mitten in Wien um einen Laufsteg, sie erwarten die pompöse Modenschau und die feierliche Eröffnung. Gäste in prächtig-schrillen Kostümen nähern sich dem Eingang, Prominente aus aller Welt tummeln sich am Roten Teppich. Es ist ein Fest der Lebensfreude, das sich den Kampf gegen AIDS auf die Fahnen schreibt - der Life Ball! Gemeinsam mit Gary Keszler gründete 1992 der damals selbst von HIV betroffene Arzt Torgom Petrosian Life Aid und initiierte so das heute wohl weltweit größte Charity Event zugunsten von HIV und AIDS.

HIV, AIDS, Aufklärung und Prävention - gerade in Österreich wurde und wird viel unternommen, um Neuinfektionen zu vermeiden. Vor allem die Übertragung des Virus durch sexuelle Kontakte steht hier im Mittelpunkt. Eine Gruppe, die neben der Diagnose HIV positiv noch mit einer anderen chronischen Erkrankung ihr Leben zu bewältigen haben, kommt dabei selten zu Wort. Die Rede ist von suchtkranken Menschen.

Vielleicht, weil man die Aufmerksamkeit der Prävention nicht auf diese "Randgruppe" lenken wollte oder vielleicht auch weil Suchtkranke nicht so ganz in die Glitzerwelt von Charity Aktionen wie dem Life Ball passen. Wenngleich Torgom Petrosiam selbst im Jahr 1990 eine wichtige und notwendige Anlaufstelle für Betroffene - den "Ganslwirt" - in Wien mitbegründete. Heute vergleichbar mit dem "Jedmayer", einer Einrichtung der Suchthilfe Wien gemeinnützigen GmbH. Menschen, die an einer Suchterkrankung leiden, sind nicht selten mit Vorurteilen behaftet, stigmatisiert und stehen deshalb meist am Rand der Gesellschaft. Daher ist es wichtig, auch sie vor den Vorhang zu holen und ihnen eine Stimme zu geben.

In Mariahilf, in der die erste Einrichtung - der Ganslwirt - seit November 1990 seine Heimat gefunden hat, steht die Bezirksvorstehung hinter der Hilfe für suchtkranke Personen. Der Bezirksvorsteher in Mariahilf, Markus Rumelhart (SPÖ) - der vor seiner politischen Funktion unter anderem bei der Aidshilfe Wien und dem Dachverband Wiener Sozialeinrichtungen tätig war, und 2010 bis 2014 Vorsitzender der Sozialkommission Mariahilf war - weiß um die wichtige Arbeit dieser Einrichtungen, aber auch um die Vorbehalte in der benachbarten Wohnbevölkerung. Genau wie seine Vorgängerin Renate Kaufmann setzt er auf den Dialog sowie auf die enge Kooperation mit der Suchthilfe Wien und den ExpertInnen der sozialen Arbeit und der Exekutive.

Suchtkranke Personen stellen eine Risikogruppe dar, die man auch weiterhin bei der Aufklärung und Prävention von HIV und AIDS nicht außen vor lassen darf! Häufig wird dieser Gruppe weniger Mitgefühl oder Verständnis entgegen gebracht als beispielsweise jemandem, der durch ungeschützten Geschlechtsverkehr infiziert wurde. Dennoch -oder gerade deshalb - ist es wichtig, dieses Thema offensiv anzugehen, Öffentlichkeit zu schaffen und den Betroffenen eine Stimme zu verleihen.

Von Experten wurden schon frühzeitig einschlägige Konzepte erstellt, wie Prävention von HIV im Suchtbereich funktionieren kann und soll. Im Sinne der "harm-" und "risk reduction" stehen heute umfassende nieder- und hochschwellige Beratungs- und Betreuungsangebote, sowie die wirkungsvollste Präventionsmethode, der "Spritzentausch", zur Verfügung. Der Spritzentausch stellt eine effektive, niederschwellige Form der "harm reduction" dar und hat seit seiner Etablierung maßgeblich zu einer wesentlichen Reduktion der suchbedingten Infektionskrankheiten beigetragen.

"Vor allem politisch wird das Thema der Suchterkrankungen und die dafür notwendigen Hilfseinrichtungen auf der Ebene von Befürchtungen und Ängsten diskutiert. Ich empfinde diese Art der Diskussion unserer Stadt unwürdig, denn sie wird auf dem Rücken von hilfsbedürftigen Menschen ausgetragen", sagt Markus Rumelhart.
"Die öffentliche Auseinandersetzung vernachlässigt, dass von ExpertInnen genau überlegt wurde wo und wie man diese Einrichtungen planen muss und vor allem, dass diese Einrichtungen Wien vor viel größeren Problemen, wie sie in anderen Städten zu beobachten sind, bewahren. Die Sorgen der Bevölkerung sind ernst zu nehmen, es hat sich aber gezeigt, dass dem Thema mit viel Information und ExpertInennwissen begegnet werden kann", weiß Rumelhart.

Neben Prävention, Beratungs- und Behandlungsmöglichkeiten von Suchterkrankten sind Einrichtungen, die Betroffene wieder ins gesellschaftliche Leben und den Arbeitsprozess integrieren von großer Bedeutung. Ein seit 2002 etablierter sozialintegrativer Betrieb, die sich gezielt der (Re-)Integration (ehemals) Suchtkranker widmet, ist gabarage - upcycling design.

gabarage fußt auf den drei Säulen: Gesellschaft, Ökologie und Design. Im Mittelpunkt des Vereins steht das Wirken von Menschen mit einer chronischen Suchterkrankung. Im Laufe eines Jahres werden sie auf den (Wieder-)Einstieg in den Regelarbeitsmarkt vorbereitet. Eine Vermittlungsquote von über 60 Prozent der Mitarbeiter spricht für den Erfolg des integrativen Betriebs. Die Arbeit von gabarage soll dazu beitragen, suchtkranke Personen zu entstigmatisieren, die chronische Erkrankung zum Thema zu machen und das Bewusstsein der Öffentlichkeit dafür zu schärfen.

"Alles braucht eine zweite Chance", betont Gabriele Gottwald-Nathaniel, Obfrau von gabarage, "das gilt im übertragenen Sinn sowohl für den Abfall unserer Gesellschaft, mit dem wir arbeiten, aber auch für die Menschen mit einer chronischen Suchterkrankung, die bei gabarage beschäftigt sind." Für die Betroffenen selbst steht neben dem Erwerb beruflicher Fertigkeiten auch der Selbstwert im Mittelpunkt, der durch die Arbeit bei gabarage gefestigt werden soll. Die Tatsache, dass man gebraucht wird, die Arbeit wertgeschätzt wird und man Verantwortung trägt, sind für viele Mitarbeiter von gabarage wichtige Faktoren auf ihrem Weg, für sich selbst neue Perspektiven zu eröffnen.

Neben diesem gesellschaftlichen Aspekt spielen auch die Punkte Ökologie und Design eine wichtige Rolle. Als Vorreiter des Upcycling Design in Wien fertigen die Mitarbeiter in den Werkstätten einzigartige Designobjekte, Schmuck und Taschen aus Industrie- und Restabfällen.
Neben dem Showroom in der Schleifmühlgasse im vierten Bezirk ist gabarage aber auch im sechsten Bezirk sehr präsent. Nicht nur das Büro von Bezirksvorsteher Rumelhart ist mit upcycling-Produkten ausgestattet worden, gabarage nimmt auch an verschiedenen Designmärkten teil und entwirft über sein Premiumlabel Ideen.Reich* auch die diesjährigen Lifeballkostüme für Markus Rumelhart und seinen Mann Manuel Bräuhofer.
"Durch meine langjährige berufliche Tätigkeit im Wiener Sozialbereich ist mir die hervorragende und wichtige Arbeit der Suchthilfe Wien GmbH und die Arbeit der (re-)integrativen Einrichtungen wie von gabarage bewusst und ich teile die Haltung der Stadt Wien, dass wir der sozialen Verantwortung für Suchterkranke nachkommen müssen. Gerne stelle ich mich mit meinem Mann daher in den ‚Dienst der guten Sache’, wenn wir damit aufzeigen können, dass soziale Unternehmen wie gabarage nicht nur ehemals suchtkranke Menschen dabei unterstützen, wieder in die Mitte der Gesellschaft zu gelangen, sondern auch beweisen, dass diese Menschen zu wunderbaren kreativen Leistungen fähig sind, wenn man sie ernst nimmt und wertschätzt. Die Metapher der ‚zweiten Chance’, die sich im upcycling von Dingen, die offenbar keinen Wert mehr besitzen und die durch Kreativität und differenzierter Auseinandersetzung zu wertvollen Designprodukten mit Mehrwert verändern können, sollte uns alle zum Nachdenken anregen und ist damit auch eine Metapher für menschliche, politische und soziale Verantwortung", erläutert Markus Rumelhart weiter.

Für das Upcycling-Couture-Outfit des gabarage Premiumslabels Ideen.Reich* von Markus Rumelhart und Manuel Bräuhofer zeichnet sich in diesem Jahr "Ornella-Mutti-Couture" verantwortlich. Ornella de Bakel wird als gabarage Botschafterin und Testimonial, gemeinsam mit Mara Gheddon (Mutti) und der für Design und Produktion bei gabarage verantwortlichen Nicola Brandtmayr, ebenso über den roten Teppich des Life Balls gehen. Gesammelte langjährige Erfahrung und ein hohes Maß an Kreativität und Gespür für besonderes Design garantieren ausgefallene, einzigartige Kostüme!

Die Outfits von Bezirksvorsteher Rumelhart und seinem Mann sollen -ganz dem Gedanken des Life Ball entsprechend - nach dem Event zugunsten der Prävention im Suchtbereich versteigert werden.

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