Tagung der europäischen Spitalsärzte (2) EU-Arbeitszeitrichtlinie soll eingehalten werden

Arbeitsbedingungen und Ärztemangel sind gesamteuropäisches Problem

Wien (OTS) - Die Vertreter der europäischen Spitalsärztinnen und -ärzte fordern in einer Resolution die unbedingte Einhaltung der EU-Arbeitszeitrichtlinie. Die durchschnittliche Wochenarbeitszeit dürfe 48 Stunden nicht überschreiten, es sei denn, ein Arzt entschließe sich dazu, das Opt-Out zu unterschreiben und freiwillig mehr zu arbeiten. Zudem müssten die Arbeitsbedingungen attraktiviert werden, um einen Ärztemangel zu verhindern. Prognosen zufolge könnten im Jahr 2020 europaweit zwischen 200.000 und 300.000 Ärztinnen und Ärzte fehlen, hieß es am Freitag in einer Aussendung der Verbände der europäischen Fachärzte, der leitenden Ärzte und der Jungärzte, die von Donnerstag bis Samstag in Wien tagen. Sie repräsentieren gemeinsam mehr als eine Million europäischer Medizinerinnen und Mediziner.

Der Obmann der Bundeskurie Angestellte Ärzte und Vizepräsident der Österreichischen Ärztekammer (ÖÄK), Harald Mayer, der auch als Gastgeber der diesjährigen Tagung fungiert: "Die Umsetzung der EU-Arbeitszeitrichtlinie und die damit einhergehende Verkürzung der durchschnittlichen wöchentlichen Arbeitszeit war ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung, es gibt aber noch viel zu tun. Wenn sich an den Arbeitsbedingungen nichts ändert, wird sich die Migrationsbewegung von Osten nach Westen weiter verstärken." Dies sei ein gesamteuropäisches Problem, dem man sich gemeinsam stellen müsse.

Auch der Ärztemangel werde über kurz oder lang ganz Europa betreffen und stehe direkt mit der Migration in Zusammenhang, bekräftigte João de Deus, Präsident des europäischen Verbandes der leitenden Ärzte. "Im Grunde ist es ganz einfach: Dort, wo attraktive Arbeitsbedingungen geboten werden, wollen gut ausgebildete Ärztinnen und Ärzte hin. Durchschnittliche oder schlechte Arbeitsbedingungen werden langfristig dafür sorgen, dass sich nicht mehr ausreichend ärztliches Personal findet", warnte de Deus. Idealerweise sollte jedes Land selbst in der Lage sein, den Bedarf an Ärztinnen und Ärzten zu decken. Dazu müssten jedoch auch ausreichende finanzielle Mittel für die Ausbildung zur Verfügung gestellt werden, ergänzte ÖÄK-Vizepräsident Mayer. "Letztlich wird die flächendeckende Umsetzung der EU-Arbeitszeitrichtlinie auch davon abhängen, ob überhaupt genügend ärztliches Personal in Europa vorhanden ist", sagte Mayer abschließend. (slv) (Schluss)

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