- 05.05.2015, 16:00:43
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SOS Biene/Wespe: 40.000 Steirer sind schwer allergisch
Trotz Lebensgefahr lässt sich nur jeder fünfte Allergiker behandeln!
Utl.: Trotz Lebensgefahr lässt sich nur jeder fünfte Allergiker
behandeln! =
Graz (OTS) - Jedes Jahr schockieren mehrere Todesfälle aufgrund eines
Bienen- oder Wespenstiches ganz Österreich. Trotzdem wird die
Insektengift-Allergie zu häufig nicht ernst genommen. Nur 2 von 10
Allergiker werden mit einer Insektengift-Immuntherapie behandelt, die
praktisch zu 100 Prozent wirkt. Nur die Hälfte der Patienten, die
sich dafür entschieden haben, bringt diese Therapie schließlich auch
tatsächlich zu Ende und hat so nachhaltigen Schutz und Sicherheit.
Warnzeichen zu ignorieren oder die lebensgefährliche Erkrankung zu
banalisieren, gleicht russischem Roulette, warnen Experten am
Dienstag anlässlich einer Pressekonferenz in Graz.
Einer von 30 Österreichern ist schwer allergisch gegen den Stich
einer Biene oder Wespe - das sind rund 300.000 Menschen
österreichweit bzw. etwa 40.000 Steirer.1 Sommer für Sommer landen
hunderte, meist erwachsene, Patienten wegen einer
Insektengift-Allergie in den heimischen Notaufnahmen, und vier bis
fünf Menschen sterben pro Jahr an den Folgen eines Bienen- oder
Wespenstiches. Auch hier sind es meist Erwachsene, die auf Grund von
Begleiterkrankungen (meist Herz-Kreislaufproblemen) besonders
gefährdet sind. "Im Gegensatz dazu sind Insektengift-Allergien bei
Kindern meist weniger schwer verlaufend, müssen aber im Akutfall
rasch und richtig behandelt und anschließend mittels Allergietests
(meist Hauttests) abgeklärt werden", so Univ.-Prof. Dr. Eva-Maria
Varga, Fachärztin für Kinder- und Jugendheilkunde an der Klinischen
Abteilung für pädiatrische Pulmonologie und Allergologie an der
Medizinischen Universität Graz.
"Eine Quaddel an der Einstichstelle ist dabei noch kein Grund zur
Panik. Bedrohlich wird es, wenn der Hautausschlag nicht nur lokal,
sondern am ganzen Körper auftritt und/oder es zu Schwellungen im
Gesicht oder Hals, Kribbeln an den Hand- und Fußinnenflächen,
Übelkeit, Atemnot, Schwindel oder Herzrasen kommt." Dann beginnt ein
Wettlauf gegen die Zeit, denn "binnen weniger Minuten kann sich die
allergische Reaktion bis zum lebensbedrohlichen Kreislaufschock
ausweiten. Die Empfehlung der Expertin: "Eine Reaktion, die über eine
lokale Hautreaktion hinausgeht, sollte unbedingt bei einem
allergologisch versierten Facharzt bzw. in einem Allergieambulatorium
oder einer Allergieambulanz im Krankenhaus abgeklärt werden", und
"Allergiker müssen ihre Notfallmedikamente, allen voran einen
Adrenalin-Autoinjektor, der den Kreislauf rasch stabilisiert, immer
mit sich tragen und in deren Umgang sicher sein."
Lebensgefährlicher Leichtsinn
Trotz der akuten Lebensgefahr wird eine Insektengift-Allergie häufig
nicht ausreichend ernst genommen. Assoz.Prof. Dr. Gunter Sturm von
der Univ.-Klinik für Dermatologie und Venerologie, Medizinische
Universität Graz: "Viele Patienten suchen erst Jahre später einen
Arzt auf - wenn überhaupt.
Dabei verpassen sie die wichtige Chance, sich mit der spezifischen
Immuntherapie langfristig und sicher zu schützen. Nur zwei von zehn
der Behandlungsbedürftigen sind in Therapie.2" Anders gesagt: 80
Prozent riskieren Sommer für Sommer aufs Neue ihr Leben.
Spezifische Immuntherapie hilft praktisch immer
Die schlechte Akzeptanz verwundert angesichts der Tatsache, dass kaum
eine andere medizinische Therapie einen derart guten Wirkungsnachweis
erbringen kann. Sturm: "Durch eine korrekt ausgeführte spezifische
Immuntherapie kann sich nahezu jeder Patient fast 100-prozentig
schützen." Die WHO empfiehlt die Behandlung, deren Kosten von der
Krankenkasse zur Gänze übernommen werden, ausdrücklich auch für
Kinder. Nebenwirkungen treten selten auf und sind in der Regel mild.
Im Zuge dieser Behandlung wird der Allergie-Auslöser in anfangs
steigender Dosierung in den Oberarm injiziert. Der Körper gewöhnt
sich nachhaltig an das Insektengift, wodurch die allergische Reaktion
ausbleibt oder zumindest deutlich schwächer ausfällt. Der Erfolg
zeigt sich bereits nach einer kurzen Behandlungszeit.
Hauptargument für Therapieabbruch: Keine Zeit
Besorgniserregend ist weiters, dass viele, die sich für eine
Behandlung entschieden haben, die drei- bis fünfjährige Therapie
frühzeitig abbrechen. Eine aktuelle österreichische Studie3 erhob,
wie viele (bzw. wie wenige) der Patienten die Immuntherapie auch zu
Ende führen. "Nur die Hälfte der Patienten (51,3%) beendete die
Therapie nach Plan", so Studienautor Sturm über das ernüchternde
Ergebnis, das die Frage nach dem Warum aufwirft. Den Gründen eines
vorzeitigen Therapieabbruchs wurde in einer anderen österreichischen
Studie nachgegangen - an erster Stelle: Zeitmangel!4
Ein Ausblick: Bienen fliegen schon & Wespen starten demnächst
Bienen und bald auch Wespen sind wieder unterwegs und sammeln eifrig
Blütenpollen. "Die Imker mussten heuer zwar zum Teil empfindliche
Bienenverluste durch einen Milbenbefall im Vorjahr hinnehmen, sind
aber bemüht, den Normalbestand zu erreichen - was üblicherweise
gelingt. Somit wird es heuer etwa gleich viele Bienen geben wie im
Vorjahr", gibt Bienenexperte Univ.-Prof. Dr. Karl Crailsheim vom
Institut für Zoologie an der Universität Graz Ausblick auf die
heurige Saison. "Anders als die Bienen, die den gesamten Staat
überwintern, starten die Wespen erst jetzt mit der Gründung ihrer
Kolonien." Bienenstiche sind daher bereits im Frühjahr häufig,
Wespenstiche erst später im Jahr (Spätsommer/Herbst).
Um einen Stich zu vermeiden, sollte man den Insekten so gut wie
möglich aus dem Weg gehen. Crailsheim erklärt wie: "Hektische
Bewegungen, wenn Bienen oder Wespen in der Nähe sind, sollte man
besser unterlassen. Essen im Freien, wie z.B. Picknick, ist nicht nur
für uns Menschen ein Genuss, sondern auch für die Insekten ver- bzw.
anlockend. Nahrungsmittel also gut abdecken und nie direkt aus
Flaschen oder Dosen trinken." Weitere Tipps finden Sie auf
www.initiative-insektengift.at
Linktipp: www.initiative-insektengift.at
Unter dem Motto "Sicher durch den Sommer" gibt es auf
www.initiative-insektengift.at umfassende Information über
Warnzeichen, Vorbeugung, Behandlung und richtiges Verhalten im
Notfall etc.
Literaturquellen
1 Bokanovic D et al. Allergy 2011; 66: 1395-6 2 Przybilla B et al. Der Hautarzt 2014; 768-9 3 Bokanovic D, Schwarz I, Laipold K, Smolle C, Schrautzer C, Wutte N, Aberer W, Sturm GJ. Abstract, in press 4 Jurilj, M; Schuster, C; Fruhauf, J; Horn, T; Aberer, W; Sturm, G. Allergy. 2008; 63: 146-146
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