- 05.05.2015, 13:40:42
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Tourismus zur aktuellen Arbeitsmarktsituation
WKÖ Nocker-Schwarzenbacher: „Schluss mit dem eindimensionalen Tunnelblick!“
Utl.: WKÖ Nocker-Schwarzenbacher: „Schluss mit dem eindimensionalen
Tunnelblick!“ =
Wien (OTS) - Die Obfrau der Bundessparte Tourismus und
Freizeitwirtschaft in der WKÖ, Petra Nocker-Schwarzenbacher,
kritisiert rund um die aktuelle Diskussion über Arbeitsmarkt und
Arbeitslosigkeit im Tourismus schwere Fehlinterpretationen. Der
Stehsatz: "Der Tourismus ist ein Treiber der Arbeitslosigkeit.", sei
ein Fehlurteil, denn die aktuellen Zahlen des Arbeitsmarktservices
(AMS) und des Hauptverbandes der Sozialversicherungsträger (HSV)
bestätigen weiterhin die Stabilität des Arbeitsmarktes für
Beherbergung und Gastronomie. Allein im Monat März waren im
Durchschnitt 204.984 Personen im Hotel- und Gastgewerbe beschäftigt,
was einen Beschäftigtenzuwachs von 13.158 Beschäftigten oder 6,9
Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat bedeutet. Ein absoluter
Spitzenwert, denn noch nie waren so viele Menschen im Tourismus
beschäftigt.
Der aktuell gemeldete Anstieg der Arbeitslosigkeit in der Branche im
April 2015 um 10,5 Prozent ist zweifellos unerfreulich. Warum aber
gerade der Tourismus wieder "in das Schaufenster gestellt wird", ist
nicht nachvollziehbar, verzeichnen doch 17 andere Branchen (von 25
verglichenen Branchen) einen höheren Zuwachs bei der
Arbeitslosigkeit. Dennoch wird wieder der Tourismus als Treiber der
Arbeitslosigkeit an den Pranger gestellt, obwohl sich im April 2015
zudem die Zahl der offenen Stellen in Beherbergung und Gastronomie um
3,9 Prozent erhöht hat. Hinzu kommen noch eindimensionale Aussagen
betreffend der Leistungsströme aus der Arbeitslosenversicherung. "Es
ist einfach typisch", so Nocker-Schwarzenbacher, "dass, wenn der
Politik die Argumente ausgehen, die Gesamtschau verlassen und der
eindimensionale Tunnelblick aufgesetzt wird. Die Geschichte muss man
schon zu Ende erzählen!"
Analyse des touristischen Arbeitsmarktes braucht fundierte
Experten
Da reine Zahlenvergleiche bei der Beleuchtung des komplexen
Arbeitsmarktes diesem nie gerecht werden können, bedarf es
fundierter Analysen von Experten, wie etwa Dominik Walch,
Arbeitsmarktexperte des Instituts für Höhere Studien (IHS): "Der
Tourismus ist eine für viele Beschäftigte wichtige Einstiegs- und
Durchgangsbranche. Die hohen Arbeitslosenzahlen im Tourismus sind
daher kein strukturelles Problem der wachsenden Branche Beherbergung
und Gastronomie, sondern vielmehr ein Indiz dafür, dass derzeit die
Chance, in andere Branchen zu wechseln, aufgrund der angespannten
Arbeitsmarktsituation versperrt ist", so Walch. Wer etwa zur
Überbrückung im Hotel- und Gastgewerbe jobbt und danach keinen
Arbeitsplatz in seiner angestammten Branche findet, wird im Tourismus
arbeitslos geführt. Das erzeugt ein völlig falsches Bild. Auch das
Wirtschaftsforschungsinstitut (WIFO) hat in seinen
Arbeitsmarktstudien bereits darauf hingewiesen, dass gerade einmal 10
Prozent der im Tourismus geführten Arbeitslosen, tatsächlich als dem
Tourismus vermittelbare Arbeitslose zuzurechnen sind.
Nocker-Schwarzenbacher zu angekündigtem Arbeitsmarktgipfel
Als wichtiges Signal wertet die Tourismusspartenobfrau, den heute,
Dienstag, von Vizekanzler Reinhold Mitterlehner angekündigten
Arbeitsmarktgipfel. Die Bundessparte Tourismus- und
Freizeitwirtschaft hatte bereits 2008 den ersten von mehreren
"Arbeitsmarktgipfeln für den Tourismus" einberufen, an denen unter
anderen Rudolf Hundstorfer, Reinhold Mitterlehner, Rudolf Kaske und
AMS-Chef Johannes Kopf teilgenommen haben. "Der touristische
Arbeitsmarkt ist bestens mit aktuellen Studien unterlegt. Gerne
bringen wir diese beim angekündigten Arbeitsmarktgipfel mit
Studienautor Dominik Walch vom IHS mit ein, damit eine Gesamtschau
erfolgt, die Fakten sprechen lässt, anstatt bei nächster Gelegenheit
in der Argumentation oder Begründung wieder über eine Branche
drüberzufahren", so Nocker-Schwarzenbacher abschließend.
Die Bundessparte Tourismus und Freizeitwirtschaft in der
Wirtschaftskammer Österreich ist die solidarische
Interessenvertretung für über 90.000 Tourismusbetriebe aus den
Branchen Gastronomie, Hotellerie, Freizeit-und Sport, Reisebüros,
Kinos, Kultur- und Vergnügungsbetriebe sowie Gesundheitsbetriebe.
600.000 Arbeitsplätze (jeder 5. Vollzeitarbeitsplatz) hängen direkt
oder indirekt von Tourismus und Freizeitwirtschaft ab (WIFO).
(PWK312/ES)
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