Concordia-Publizistikpreise im Parlament überreicht

Standing Ovations für das Lebenswerk von Freda Meissner-Blau und Hubert Feichtlbauer

Wien (PK) - Presse- und Informationsfreiheit sowie Menschenrechte sind jene zwei Kategorien, für die der Presseclub Concordia seit mehr als fünfzehn Jahren besondere journalistische Arbeit auszeichnet. Die diesjährigen Publizistikpreise wurden heute im Parlament an die Präsidentin von "Reporter ohne Grenzen" Rubina Möhring und den Ö1-Radio-Journalisten Bernd Koschuh überreicht. Für ihr Lebenswerk geehrt wurden von der Concordia zudem die Pionierin der Umweltbewegung und Wegbereiterin der Grünen in Österreich Freda Meissner-Blau sowie der Journalist und Buchautor Hubert Feichtlbauer, deren zivilgesellschaftliches und demokratiepolitisches Wirken von den Anwesenden im voll besetzten Nationalratssitzungssaal mit Standing Ovations honoriert wurde.

Die Verleihung der Concordia-Preise im Parlament habe mittlerweile Tradition, die Publizistikpreise würden für genau jene Werte stehen, die das Fundament für eine Demokratie bilden, sagte stellvertretend für Nationalratspräsidentin Doris Bures Parlamentsdirektor Harald Dossi in seiner Begrüßung. Denn eine funktionierende Demokratie brauche freie und starke Medien, nur gut informierte BürgerInnen könnten Wahlentscheidungen treffen, die gute Politik möglich machen. Letztendlich gelte es, im bestehenden Spannungsverhältnis zwischen Politik und Medien Verantwortungsbewusstsein zu übernehmen.

Der Präsident des Presseclub Concordia Andreas Koller würdigte die diesjährigen vier PreisträgerInnen als Persönlichkeiten, die jeder für sich Bedeutendes für die Zivilgesellschaft geleistet haben und stets für eine stärkere Demokratie eingetreten sind. Möhring habe unermüdlich gegen jegliche Einschränkung der Presse-, Informations-und Meinungsfreiheit gekämpft, Koschuh wiederum seit Jahren immer wieder gesellschaftspolitisch wichtige Themen aufgegriffen und mit seinen Reportagen Missstände und Übergriffe aufgezeigt, verlas stellvertretend für den Jury-Vorsitzenden Heribert Krejci die Generalsekretärin des Presseclub Concordia Astrid Zimmermann die Entscheidung der Jury. Meissner-Blau sei nicht nur ein Teil der österreichischen Nachkriegsgeschichte, sondern noch heute, mehr als ein Vierteljahrhundert nach ihrem Rückzug aus der Politik, eine Stimme des Widerstands gegen Ungerechtigkeiten an Mensch und Natur, wie es in der Jury-Begründung weiter heißt. Daneben wird Feichtlbauer von der Concordia unter anderem für seinen außergewöhnlichen hohen ethischen Anspruch bei seinen Aufgaben innerhalb des österreichischen Medienwesens ausgezeichnet. Er habe sich etwa durch sein Wirken im Österreichischen Presserat oder in der Unabhängigen Opferschutz-Anwaltschaft als großer Humanist erwiesen, so das Jury-Urteil.

Die Laudatio hielt für Koschuh Menschenrechtsexperte Manfred Nowak. Geht es nach ihm, stecken die Menschenrechte in ihrer tiefsten Krise seit dem Zweiten Weltkrieg, ein Mittel dagegen sei eine menschenrechtliche Revolution, dafür wiederum brauche es unermüdliche JournalistInnen wie Koschuh. Seine Reportagen über seien objektiv und bewegend zugleich. Sie würden aufrütteln und seien mit Engagement beseelt. Koschuh, der sich selbst nicht als Menschenrechtsaktivist, sondern als Journalist sieht, der über Menschenrechtsthemen berichtet, lenkte die Aufmerksamkeit in seinen Dankesworten auf genau diejenigen Menschen, deren Schicksale und Geschichten er in seinen Reportagen offenlegte. Darunter Asylsuchende, Heimkinder, Häftlinge oder Obdachlose. "Die, die mir in den Interviews ihre Stimme geliehen haben, haben einen wesentlichen Anteil an diesem Preis", bedankte er sich eindringlich.

Medienfreiheit als unveräußerliches Menschenrecht sei der Leitfaden von Möhrings beruflichem Leben und Wirken, so Botschafter Albert Rohan über Möhring in seiner Würdigung. Ihre Waffe sei das geschriebene und gesprochene Wort, gesellschaftspolitisches Engagement Selbstverständlichkeit für die Aktivistin. "Informationsfreiheit ist ein teures Gut", lautete die Botschaft Möhrings in ihrer Rede und verwies auf die immer weniger geachtete Pressefreiheit in Europa. Nach den Anschlägen auf die Satirezeitschrift Charlie Hebdo in Frankreich etwa habe man Pressefreiheit über alles gestellt, gestärkt wurden aber Sicherheitsmaßnahmen. Gewalt sei einfältig und phantasielos, einfältig sei es aber auch, eine demokratiepolitisch so wichtige Branche wie die Medien durch direkte und indirekte Förderungen zu gängeln.

"Hinter geschichtlichen Überraschungen stehen mutige Menschen wie Freda Meissner-Blau", sagte die deutsche Biologin Christina von Weizsäcker zum Lebenswerk der "Grande Dame der österreichischen Ökologiebewegung" mit Verweis auf die Besetzung der Hainburger Au und die Verhinderung der Inbetriebnahme des Atomkraftwerks Zwentendorf. Meissner-Blau besitze eine tiefe Glaubwürdigkeit, bereits als Journalistin habe sie politische Themen auf die gesellschaftliche Agenda gesetzt. Ihre Unverdrossenheit sei beispielhaft, ihre Arbeit durch Präzision, Sorgfalt und Ausdauer gekennzeichnet. "Ich wusste gar nicht, dass ich so viel gemacht habe", sagte eine sichtlich gerührte Meissner-Blau, die insbesondere auf die Symbolik des Concordia-Preises für sie selbst verwies. Der Preis bedeute nämlich auch ein symbolischer Fingerzeig darauf, dass ein großer Teil ihrer Zukunft hinter ihr liege, nun sei sie dazu verpflichtet, weiterhin ein waches Interesse am Weltgeschehen zu haben, aber auch in die Stille zu gehen.

Publizist Heinz Nußbaumer übernahm die Laudatio für Hubert Feichtlbauer. Haltung sei dabei jenes große Wort, das ihn auf besonders eindrucksvolle Weise auszeichne, wie Nußbaumer sagte. Auf den sumpfigen Gebäuden des Journalismus habe Feichtlbauer stets Charakterstärke behalten. Mit den früheren Concordia-EhrenpreisträgerInnen habe er das frühe Ringen um Österreich und seine Zukunft, profunde Bildung und Welterfahrung gemeinsam. Der Journalismus, so wie ihn Feichtlbauer verstehe, habe primär mit Hinterfragen zu tun, er selbst habe immer ohne konfessionelle Schranken gearbeitet. Das Lebenswerk höre bei einem Journalisten nie auf, sagte Feichtlbauer schließlich in seinen Dankesworten und betonte die Notwendigkeit einer gesellschaftlichen Vielfalt, die aus seiner Sicht kein Hindernis für das Zusammenwachsen von Menschen und Völkern ist. Was journalistische Grundsätze betrifft, habe er das Ideal wohl immer verfehlt, erklärte Feichtlbauer selbstkritisch. Deswegen sei er froh, dass die Concordia nicht Perfektion, sondern Bemühen auszeichnet. (Schluss) keg

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